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Alpenverein und WWF fordern Stopptaste für Kaunertal-Ausbau

08.03.2026

Steigende alpine Risiken und Naturgefahren im TIWAG-Projekt nicht ausreichend untersucht – Sicherheitslücken & Naturzerstörung sprechen gegen Konzernprojekt

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Hier wäre das Kraftwerk geplant © -Sebastian Froelich

Seit Jahren liegen Ausbaupläne für das Kraftwerk Kaunertal auf dem Tisch, bis heute sind die erforderlichen Informationen unzureichend. Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) und der WWF fordern nun gemeinsam ein Moratorium für den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal. Aufgrund ungelöster Sicherheitsfragen und unvollständiger Unterlagen könne das Projekt des Landesenergiekonzerns Tiwag nicht genehmigungsfähig sein.
 

„Die klimabedingten Risiken und Naturgefahren im hochalpinen Raum steigen dramatisch. Darauf hat die Tiwag bisher keine tragfähigen Antworten gegeben. Das Projekt hat zu viele ungelöste Sicherheitslücken – nicht zuletzt würde mit dem Platzertal ein Tiroler Naturjuwel für immer zerstört“, sagen ÖAV-Generalsekretär Clemens Matt und WWF-Expertin Bettina Urbanek.
 

Die Naturschutzorganisationen fordern eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung der steigenden Risiken für Kraftwerke im Hochgebirge. „Die alpine Landschaft ist von den Auswirkungen des Klimawandels eindeutig betroffen, das spüren wir im Alpenverein unmittelbar. Die Temperaturen steigen, die Starkwetterereignisse nehmen zu, die Gletscher schwinden zusehends. Im alpinen Raum müssen wir künftig häufiger mit Steinschlag, Murgängen und Felsstürzen rechnen. Bei solchen Ereignissen können unter Umständen auch größere Mengen an Stein und Geröll als bisher in Bewegung kommen. Diesen Tatsachen muss sich auch die Tiwag offen stellen und für ihr Vorhaben eine lückenlose, unabhängige Untersuchung beauftragen“, sagt Alpenvereins-Generalsekretär Matt.
 

„Wissenschaftlich ist längst belegt: Der Rückgang der Gletscher und des Permafrosts und dadurch bedingte Naturgefahren, wie zuletzt die großen Felsstürze gehören zu den neuen Schlüsselrisiken im Hochgebirge. All das kann Kaskadeneffekte auslösen, die zu Katastrophen führen“, warnt Bettina Urbanek vom WWF.


Grobe Mängel in UVP-Unterlagen
 

In den UVP-Unterlagen der Tiwag stechen neben vielen anderen Mängeln vor allem die extremen Lücken im Kapitel Naturgefahren, Geologie und Grundwasser hervor. Steigende Gefahren wie große Felsstürze, Muren oder mögliche Flutwellen in Speicherseen seien entweder gar nicht, unzureichend oder auf Basis veralteter Daten bewertet. „Das Risiko von Felsstürzen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vervierfacht. Davor als Kraftwerksbetreiber die Augen zu verschließen, ist grob fahrlässig“, sagt WWF-Expertin Bettina Urbanek.

Die Analyse der UVP-Unterlagen des Geomorphologen Prof. Dr. Wilfried Haeberli bestätigt, dass die Unterlagen aufgrund dieser Mängel neu erarbeitet werden müssten. Die Bliggspitze etwa, an der in den letzten Jahren vermehrt Felsstürze beobachtet wurden, befindet sich in unmittelbarer Nähe des Gepatsch Speichersees. Auch zum Risiko der Gletscherseen, die sich aufgrund der Gletscherrückgangs oberhalb des Stausees bilden könnten, liefert die Tiwag keine Antworten. Die für die Einreichung verwendeten Gletscherdaten von 2017 liefern ein unzureichendes Bild der aktuellen Situation: Der Gepatschferner etwa ist alleine in der letzten Messperiode 2023/24 um 104 Meter zurückgeschmolzen (und -381,5 m in der Periode 2018-2024). „Die Tiwag ist einmal mehr daran gescheitert, der Behörde vollständige Unterlagen vorzulegen. Auf einer derart lückenhaften Basis ist keine seriöse Umweltverträglichkeitsprüfung möglich“, sagt Urbanek. 

Ja zu naturverträglichen Alternativen

WWF und Alpenverein plädieren stattdessen für die rasche Umsetzung naturverträglicher Alternativen, darunter die Modernisierung und Effizienzsteigerung bestehender Anlagen. „Mit dem Kaunertal-Ausbau will die Tiwag vor allem ihre Profite im Stromhandel mit dem Ausland maximieren. Eine echte Energiewende sieht anders aus“, sagt Bettina Urbanek.

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Tageszeitung für Erneuerbare Energie und Nachhaltigkeit. Sonntag, 10. Mai 2026, 69.042 Artikel Online

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Hier wäre das Kraftwerk geplant © -Sebastian Froelich