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Alarmierende Entwicklung: Grundwasserstände in Österreich auf Rekordtief

15.05.2026

ÖVGW fordert rasche Umsetzung des Regierungsprogramms und Vorrang für die Trinkwasserversorgung

Wassertropfen .jpg
Wasser © kalhh pixabay.com

Wien – Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) schlägt Alarm: Die Grundwasserstände in Österreich befinden sich auf einem historischen Tiefstand. Was bislang vor allem regionale Probleme verursachte, entwickelt sich zunehmend zu einer österreichweiten Herausforderung. Laut aktuellen Medienberichten und Rückmeldungen von Wasserversorgern sind inzwischen neben Niederösterreich und dem Burgenland auch Salzburg, Oberösterreich, Kärnten, Tirol und die Steiermark betroffen.
 

Angesichts ausbleibender Niederschläge und sinkender Pegelstände fordert die ÖVGW nun rasche politische Maßnahmen. Im Zentrum stehen die im Regierungsprogramm angekündigte Einführung eines verpflichtenden Entnahmeregisters für Wasserentnahmen sowie eine klare gesetzliche Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung in Zeiten akuten Wassermangels.
 

Historische Trockenheit verschärft die Situation

 

Der aktuelle Wasserhaushaltsbericht 2026 des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz zeichnet ein deutliches Bild: Rund 70 Prozent der österreichischen Messstellen verzeichneten im April 2026 unterdurchschnittliche Grundwasserstände. Bereits in den Jahren 2022 und 2023 lagen viele Werte unter den niedrigsten Pegeln der vergangenen hundert Jahre.
 

Besonders dramatisch zeigt sich die Niederschlagssituation. Laut GeoSphere Austria war der April 2026 einer der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1858. In sieben Bundesländern lagen die Niederschlagsdefizite zwischen 65 und 75 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Teilweise fiel weniger als 15 Prozent der üblichen Regenmenge eines Aprilmonats.
 

Auch die Niederschläge der vergangenen Tage hätten die Lage bislang kaum entschärft, warnen Expert:innen.
 

Trinkwasserversorgung müsse Vorrang haben

 

„Niedrige Grundwasserpegel und geringe Quellschüttungen sind heute kein regionales Phänomen mehr, sondern können mittlerweile in ganz Österreich auftreten“, erklärt Mag. Nikolaus Sauer, Vizepräsident der ÖVGW und Sprecher des Wasserfaches.
 

Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser müsse deshalb oberste Priorität haben. Durchschnittlich verbraucht jede Person in Österreich rund 130 Liter Trinkwasser pro Tag.
 

„Im Fall einer temporären Wassermangelsituation muss die Trinkwasserversorgung jedenfalls Vorrang vor anderen Nutzungen haben“, fordert Sauer. Die ÖVGW drängt daher auf klare gesetzliche Rahmenbedingungen, die diese Priorisierung absichern.
 

„Blindflug“ bei Wasserentnahmen

 

Besonders kritisch sieht die ÖVGW die derzeit fehlende Transparenz über tatsächliche Wasserentnahmen aus dem Grundwasser. Bis heute gebe es keine vollständige Erfassung darüber, wie viel Wasser insgesamt entnommen werde.

„Wir sind hier im Blindflug unterwegs“, sagt Sauer. Ohne ein verpflichtendes Entnahmeregister sei eine nachhaltige Steuerung der Ressource Wasser kaum möglich.

Die im Regierungsprogramm vorgesehene Einführung eines solchen Registers müsse daher rasch gesetzlich umgesetzt werden. Ebenso notwendig sei eine entschädigungsfreie Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung im Krisenfall.

„Es ist eine zügige legistische Umsetzung des im Regierungsprogramm verankerten Entnahmeregisters unerlässlich, damit unser Wasserschatz auch verwaltet werden kann“, betont Sauer.
 

Infrastruktur ausbauen und neue Wasserquellen erschließen

 

Neben gesetzlichen Maßnahmen fordert die ÖVGW umfangreiche Investitionen in die Wasserinfrastruktur. Um die Versorgung langfristig abzusichern, brauche es den Ausbau von Rohrnetzen, Speicheranlagen und Verbindungsleitungen.
 

Darüber hinaus müsse die Wasserversorgung breiter aufgestellt werden – etwa durch die Erschließung zusätzlicher Quellen und Brunnen sowie durch größere Transportleitungen, die Wasser aus wasserreichen in trockenere Regionen bringen können.

„Der Ausbau und Erhalt der Infrastruktur ist kostenintensiv und erfordert gezielte Anreize sowie Kofinanzierungen durch die öffentliche Hand“, so Sauer.
 

Bewusstsein für Wasserverbrauch stärken

 

Neben Politik und Infrastruktur sieht die ÖVGW auch die Bevölkerung sowie Industrie und Landwirtschaft in der Verantwortung. Ein bewussterer Umgang mit Wasser werde künftig entscheidend sein, um Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten zu können.

„Nicht zuletzt ist auch ein stärkeres Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser entscheidend“, erklärt Sauer.

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Wasser wird auch in Österreich zunehmend zu einer strategischen Zukunftsfrage.

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