Agri-PV als Hitzeschild: Soja wächst unter Solarmodulen
Das Prinzip von Agri-PV: Landwirtschaftliche Flächen werden weiterhin für den Anbau genutzt, gleichzeitig erzeugen darüber installierte Photovoltaikmodule Strom. Die teilweise Verschattung kann dabei die direkte Sonneneinstrahlung auf Boden und Pflanzen reduzieren und damit die Verdunstung bremsen.
Gerade in einem Sommer mit langen Hitzeperioden wird dieser Effekt interessant. Die aufgeständerten PV-Module verändern die Bedingungen unmittelbar über dem Feld. Nach Angaben von EWS können Teilverschattung und die dadurch entstehenden mikroklimatischen Effekte dazu beitragen, die Bodenfeuchte zu stabilisieren und extreme Temperaturen abzumildern.
Erfahrungen gibt es bereits von der EWS-Sonnenfeld-Anlage in Bruck an der Leitha, die seit 2022 betrieben und wissenschaftlich von der Universität für Bodenkultur Wien begleitet wird. Dort wird neben Solarstrom auch Getreide produziert. Beim Winterweizen wurde in diesem Jahr laut EWS ein Mehrertrag von 14 Prozent gegenüber der Vergleichsfläche erzielt.
Auch Schutz vor Wetterextremen ist ein Argument: Die Anlagen können Pflanzen und Boden bei Hagel, Starkregen, Sturm sowie extremen Hitze- oder Frostperioden abschirmen.
Auch bei der Stromproduktion unterscheidet sich das EWS-Sonnenfeld von einer klassischen, fix montierten Freiflächenanlage. Die PV-Module sitzen auf beweglichen Tischen, die sich im Tagesverlauf von Osten nach Westen zur Sonne ausrichten.
Damit soll die Stromproduktion stärker über den gesamten Tag verteilt werden und nicht ausschließlich rund um die Mittagszeit stattfinden. Die Ausrichtung der Module lässt sich zudem an die landwirtschaftliche Nutzung anpassen. Für die Bewirtschaftung können die Tische horizontal gestellt oder bis zu 70 Grad aufgeklappt werden. Dadurch sollen Traktoren, Mähdrescher und andere landwirtschaftliche Maschinen die Flächen weiterhin nutzen können.
Für EWS ist genau diese Kombination entscheidend: Am Ende soll ein Acker ein Acker bleiben und zusätzlich Strom erzeugen. Die Doppelnutzung erhöht die Flächeneffizienz und könnte damit insbesondere in einem dicht besiedelten Land wie Österreich eine Rolle spielen.
Neben Agri-PV sieht das Unternehmen auch Windkraft und Speicher als wichtige Bausteine der künftigen Energieversorgung. Die Kombination verschiedener erneuerbarer Erzeugungsformen mit Speichern kann dabei helfen, die Stromproduktion besser an den Verbrauch anzupassen.
Der Ausbau regionaler erneuerbarer Energie gewinnt zudem angesichts hoher Abhängigkeiten von internationalen Energiemärkten an Bedeutung. Während Energieimporte durch geopolitische Krisen zum Unsicherheitsfaktor werden können, stehen Sonne und Wind als heimische Energiequellen zur Verfügung.
EWS setzt seit mehreren Jahren auf das Konzept der Sonnenfelder. Die erste Anlage wurde 2022 in Bruck an der Leitha gemeinsam mit dem Energiepark Bruck realisiert. Weitere Projekte folgten beziehungsweise befinden sich in Umsetzung.
Alina Mirwald von EWS sieht insbesondere die hohe Flächeneffizienz als Vorteil: Agri-PV und Windkraft könnten in Österreich dazu beitragen, Energieerzeugung und bestehende Landnutzungen stärker miteinander zu verbinden. Auch Hybridparks aus Windkraft, Photovoltaik und Speichern würden zunehmend interessant.
Die Sojaernte in Pischelsdorf wird nun zeigen, wie sich das Konzept unter den außergewöhnlichen Wetterbedingungen dieses Jahres konkret bewährt.