© UWD- Hartmeyer/ Pressekonferenz der Tiere 3.0 im Naturhistorischen Museum in Wien
© UWD- Hartmeyer/ Pressekonferenz der Tiere 3.0 im Naturhistorischen Museum in Wien

35 Jahre nach Hainburg: Pressekonferenz der Tiere 3.0

Umwelt-NGOs, Wissenschaftler und VertreterInnen aller Generationen sind sich einig, Artensterben macht, genauso wie Klimawandel, rasches Handeln zur Notwendigkeit.

Wien - Im Mai 1984 wurde im Rahmen der legendären „Pressekonferenz der Tiere“ das Konrad-Lorenz-Volksbegehren gegen den Bau des Kraftwerks Hainburg gestartet. 35 Jahre danach haben viele der damaligen Forderungen nicht an Aktualität verloren und es besteht mehr denn je Handlungsbedarf. Eine breite Allianz, die über alle Generationen reicht, lässt deswegen die Tiere wieder zu Wort kommen und fordert gemeinsam rasches Handeln ein. Peter Weish, Ökologe und Hainburgaktivist, meint: "Vor mehr als 40 Jahren waren uns bereits die Grundlagen einer Energiewende, der Vorteil von Ökosteuern und der Verlust von Arten bekannt. Nun besteht die Notwendigkeit von öffentlichem Druck, damit man endlich beginnt, ernsthaft in allen Bereichen umzuschwenken." Bernd Lötsch, ebenfalls einer der Wegbereiter der österreichischen Ökologiebewegung, ist überzeugt: "Es braucht Mut, um endlich unseren Lebensstil zu diskutieren." Außerdem sieht er weniger Flächenverbrauch und mehr Energieeffizienz als wesentliche Schlüssel zu mehr Klimaschutz. „Beispielsweise wären Contractingmodelle, die auf breiterer Basis noch kaum angelaufen sind, ein Riesengeschäft und Beschäftigungsboom“, meint er.

Jedoch ist nicht nur der Klimawandel, sondern gleichzeitig die dramatische Situation durch Zerstörung der Artenvielfalt eine Bedrohung für die Menschen, wie der Weltbiodiversitätsrat der UNO (IPBES) vor kurzem aufzeigte. Mehr als 1 Million Arten sind weltweit bedroht.
Franz Essl, an der Universität Wien, sagt: „Das große Artensterben ist Raubbau an der Zukunft der Menschheit. Ein Umsteuern zu mehr Nachhaltigkeit und Schutz der Artenvielfalt sind dringend nötig – global, aber auch in Österreich. Österreich braucht einen Masterplan Natur 2030“.

Martin Lödl, Leiter der 2. zoologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums, setzt nach: „Der Mensch bedroht sich selbst – durch ungebremstes Bevölkerungswachstum kommt es zu einer Vernichtung von Lebensräumen, ganzer Lebensgemeinschaften und einer Vergiftung weiter Landstriche. Das Erkennen der wahren Ursachen für den Biodiversitätsverlust ist ebenso wichtig, wie das Entwickeln von kurzfristigen Entlastungsstrategien.“

"Der ökologische Kollaps ist bereits in vollem Gange, doch Eigeninteressen von Parteien und Wirtschaftslobbys wiegen offenbar schwerer als die Rettung des Planeten Erde und die Zukunft von Milliarden Menschen und aller künftigen Generationen", meint Georg Pleger, Vertreter von Extinction Rebellion, einer weltweiten Bewegung von besorgten Bürgerinnen und Bürgern, die den Ernst der Lage erkannt haben.

„Bei dieser Pressekonferenz der Tiere melden sich nicht nur einzelne gefährdete Arten zu Wort, sondern die Stimme der menschlichen Vernunft. Wenn wir die Arten und Ökosysteme unserer Welt weiterhin zerstören und das Klima in den Kollaps treiben, vernichten wir unsere eigene Lebensgrundlage. Spätestens nach dem jüngst veröffentlichten Bericht des Weltbiodiversitätsrates ist die Zeit des Wegduckens endgültig vorbei. Wir müssen jetzt Verantwortung übernehmen und schlagen sechs Akut-Maßnahmen für den Erhalt der Artenvielfalt vor: Schaffung eines 300-Millionen-Euro-Biodiversitäts-Soforthilfefonds; Schaffung eines Bundesrahmennaturschutz-gesetzes; Finanzierung der ökologischen Gewässersanierung – der leerstehende Fördertopf muss mit 150 Mio. Euro gefüllt werden; Aufwertung der Umweltanwaltschaften; Natur- und Artenschutz im EU-Programm für Ländliche Entwicklung stärken; Mainstreaming Biodiversität vorantreiben“, so Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes.

Die beiden Schülerinnen Melanie Helm und Carola Andrlik, Vertreterinnen von Fridays for Future Wien, sind sich einig: "Wir sind die Generation, die die Auswirkungen der Klimakrise als erste in vollem Ausmaß zu spüren bekommt. Wir haben Angst um unsere Zukunft! Es muss JETZT etwas getan werden, da wir sonst keine lebenswerte Zukunft mehr haben."

Filmemacher Werner Boote, Vertreter der Artists for Future, zu denen Personen aus allen Bereich der Kunst gehören, stellt sich klar hinter die Forderungen der Jugend und ruft zu Solidarität mit den Fridays For Future auf.

"Die österreichische Bevölkerung hat in der Vergangenheit bereits mehrmals bewiesen, dass ihr unsere Natur nicht egal ist, wie bei der Besetzung der Hainburger Au oder bei den Protesten gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf. Nun müssen wir wieder dafür Sorge tragen, dass die Politik ihrer Verantwortung gerecht wird und Österreich rasch seinen Beitrag leistet, damit die Vielfalt von Natur und eine gute Zukunft auch für unsere Kinder und Enkelkinder erlebbar ist", sagt Doris Holler-Bruckner, Hainburgaktivistin, und nun Vertreterin von "Wir entscheiden Klima".

Der Extinction Rebellion Chor beeindruckte zum Abschluss mit einem stimmigen Protestsong.

FRIDAYS FOR FUTURE WIEN / KLIMASTREIKS:

Die Fridays For Future rufen zur Unterstützung der nächsten Klimastreiks auf:
Am 24.5. und 31.5. sollen weitere Großdemos stattfinden.

Am 24.5.2019 findet ein "weltweiter Klimastreik" statt, der die Dringlichkeit des sofortigen Handelns in Bezug auf die anstehende EU-Wahl thematisieren soll.

Am 31.5. stehen der drastische Biodiversitätsverlust und Massensterben im Mittelpunkt.

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Info: Artikel ist auch Presseaussendung, darf gerne verwendet werden.
Rückfragen, Bildmaterial: 02212 2525


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