50.000 Mal Energiewende auf zwei Rädern erlebt
Rund 2.500 Teilnehmer:innen haben seit dem Start der diesjährigen Saison bereits mehr als 50.000 passathon-Leuchttürme erradelt. Noch bis Ende September können weitere Gebäude entdeckt und Punkte für die passathon TROPHY gesammelt werden.
Im Mittelpunkt stehen 808 besonders energieeffiziente Gebäude und Projekte in allen neun Bundesländern. Sie reichen von Passiv- und Plusenergiehäusern über Gebäude im klimaaktiv-Gold-Standard bis zu Sanierungsprojekten und „Raus aus Gas“-Pionieren.
12,2 Terawattstunden Energieeinsparung
Die ausgewählten Projekte zeigen nicht nur, wie klimafreundliches Bauen aussehen kann, sondern auch, welches Einsparpotenzial bereits heute vorhanden ist.
Zusammen verfügen die 808 Leuchtturmobjekte über eine Nutzfläche von mehr als 2,3 Millionen Quadratmetern. Über einen angenommenen Sanierungszyklus von 40 Jahren können sie laut passathon insgesamt mehr als 12,2 Terawattstunden Primärenergie einsparen – umgerechnet rund 12,156 Milliarden Kilowattstunden.
Das entspricht laut den Veranstaltern ungefähr der Jahresleistung von zwölf Donaukraftwerken in der Größenordnung des Kraftwerks Freudenau.
Damit wird deutlich: Energieeffizienz ist nicht nur eine Frage einzelner Gebäude. Über große Gebäudebestände können erhebliche Energiemengen eingespart werden.
Klimafit heißt auch: Im Sommer angenehm kühl
Besonders interessant ist der Blick auf den Sommer. Denn während der Klimawandel die Zahl und Intensität der Hitzetage steigen lässt, wird der sommerliche Wärmeschutz von Gebäuden immer wichtiger.
Die passathon-Leuchttürme zeigen, dass niedriger Energieverbrauch und hoher Wohnkomfort kein Widerspruch sein müssen. Eine hochwertige thermische Gebäudehülle und konsequente Außenbeschattung verhindern, dass sich Räume im Sommer stark aufheizen.
Bei modernen Gebäuden kommt häufig zusätzlich eine Bauteilaktivierung zum Einsatz. Sie kann im Winter für eine angenehme Grundtemperatur sorgen und im Sommer über sogenanntes Freecooling die Räume auf etwa 22 bis 24 Grad temperieren.
Bei entsprechenden Systemen können gleichzeitig Erdsonden regeneriert werden: Ein großer Teil der im Winter entzogenen Wärme wird im Sommer wieder in das Erdreich eingebracht.
Damit wird das Gebäude selbst zum Bestandteil eines effizienten Energiesystems.
Energiewende zum Anschauen – und Nachmachen
„Anstatt weiter zuzusehen, wie sich die Klimakrise rasant beschleunigt, muss das Gebot der Stunde lauten: JETZT runter mit dem Verbrauch und rein in die Erneuerbaren“, sagt Günter Lang, Organisator des passathon.
Genau darin liegt eine Besonderheit des Projekts: Die Energiewende wird nicht nur erklärt, sondern sichtbar und erlebbar gemacht.
Wer an einem Passivhaus, einer gelungenen thermischen Sanierung oder einem Plusenergiegebäude vorbeiradelt, kann sich unmittelbar ansehen, welche Lösungen funktionieren – und welche Möglichkeiten es für die eigene Gemeinde oder das eigene Haus gibt.
Internationales Interesse an österreichischen Projekten
Dass die österreichischen Beispiele auch international auf Interesse stoßen, zeigen mehrere Besichtigungstouren.
62 Studierende aus 28 Ländern nahmen im Rahmen der Green.Buildings.Solutions. Summer University an einer rund 30 Kilometer langen passathon-Radtour durch Wien bis zur Seestadt Aspern teil und besichtigten dabei 37 Leuchtturmprojekte.
25 internationale Studierende der Central European University widmeten sich im Frühjahr insbesondere thermisch-energetisch optimierten Sanierungen und „Raus aus Gas“-Projekten.
Ende April besuchte eine Gruppe von 26 Bauexpert:innen aus Argentinien, Chile und Uruguay Passivhausprojekte in Wien und Graz. Im Mai kamen außerdem rund 150 Vertreter:innen der Stadtverwaltung von Brno nach Wien, um sich verschiedene österreichische Best-Practice-Projekte anzusehen.
Die Botschaft dahinter ist bemerkenswert: Klimafitte Gebäude sind nicht nur österreichische Vorzeigeprojekte, sondern können als internationale Lern- und Demonstrationsobjekte dienen.
Alle 808 Leuchttürme gesammelt
Auch sportlich geht es beim passathon in den Endspurt. Bereits mehr als 50.000 Leuchtturmprojekte wurden von den Teilnehmer:innen gesammelt.
Nach Anton Draskovits aus dem Burgenland hat inzwischen auch Bernhard Müller aus Vorarlberg alle 808 Leuchtturmprojekte erradelt. Müller nimmt bereits seit mehreren Jahren am passathon teil und konnte sich heuer erstmals sämtliche Leuchttürme sichern.
Sechs weitere Teilnehmer:innen haben bereits das Platin-Level mit mindestens 500 Projekten erreicht. 18 weitere sind auf Goldkurs und haben mindestens 250 Gebäude gesammelt.
Für die übrigen Teilnehmer:innen läuft das „Race for Future“ noch bis Ende September.
Drei geführte Touren im September
Wer nicht alleine auf Entdeckungstour gehen möchte, kann im September an geführten Radtouren teilnehmen. Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche stehen drei Termine auf dem Programm:
- 15. und 16. September: klimafreundliche Gebäude im Unteren und Oberen Rheintal
- 22. September: Leuchtturmprojekte in Innsbruck
Der passathon läuft noch bis 30. September 2026. Die Teilnahme ist kostenlos. Die 808 Leuchtturmobjekte sind auf 28 Routen mit insgesamt rund 2.200 Kilometern verteilt. Über die „Österreich radelt“-App können die Teilnehmer:innen zu den Projekten navigieren und direkt vor Ort Informationen zu den jeweiligen Gebäuden abrufen.
Der vielleicht wichtigste Effekt des passathon liegt dabei gar nicht in den gesammelten Kilometern oder Punkten. Die 808 Gebäude zeigen, dass energieeffizientes, fossilfreies und zugleich komfortables Wohnen längst keine Zukunftsmusik mehr ist.
Sie stehen bereits – quer durch Österreich.
Und wer sie mit dem Fahrrad besucht, bekommt nebenbei eine ziemlich konkrete Antwort auf die Frage, wie die Energiewende im Gebäudesektor aussehen kann: nicht als Vision, sondern als gebaute Realität.
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