395 leere Sessel vor dem Kanzleramt: Greenpeace erinnert an Hitzetote
Wien – 395 leere Sessel vor dem Bundeskanzleramt sollten am Freitag an die Folgen der Hitzewellen dieses Sommers erinnern. Greenpeace stellte für jedes der laut jüngster AGES-Zählung bereits während der ersten Hitzewelle verstorbenen Menschen einen Sessel auf. Auf jedem Stuhl brannte eine Trauerkerze. Mit einem Kondolenzbuch konnten Passantinnen und Passanten ihre Anteilnahme bekunden.
Für Greenpeace stehen die Hitzetoten exemplarisch für einen Sommer, in dem sich die Folgen der Klimakrise in Österreich besonders deutlich zeigen. Extreme Hitze trifft auf Dürre, Wasserknappheit und Waldbrände. In der Landwirtschaft vertrocknen Felder, gleichzeitig geraten Wasserressourcen zunehmend unter Druck. Auch Städte und Gebäude werden bei extremen Temperaturen zu gesundheitlichen Belastungsräumen.
„Die Klimakrise kostet Menschenleben und zerstört Lebensgrundlagen“, erklärte Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin von Greenpeace Österreich. Die Politik müsse verhindern, dass die dramatischen Folgen wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden, sobald die Temperaturen sinken.
Greenpeace fordert Sofortmaßnahmen
Die Umweltschutzorganisation verlangt von der Bundesregierung, noch in der kommenden Woche ein Klima-Sofortpaket zu beschließen. Dieses soll fünf zentrale Maßnahmen umfassen.
1. Verbindliches Klimagesetz:
Greenpeace fordert ein wirksames Klimagesetz mit einem verbindlichen Ausstiegsplan aus Öl und Gas sowie dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040.
2. Fossile Subventionen für Hitzeschutz nutzen:
Klimaschädliche Förderungen sollen beendet und die frei werdenden Mittel in einen Notfall-Fördertopf fließen. Damit sollen kurzfristige Maßnahmen gegen Hitze sowie die thermische Sanierung von Gebäuden finanziert werden.
3. Bodenversiegelung stoppen:
Die Organisation verlangt verbindliche Vorgaben für einen österreichweiten Netto-Null-Bodenverbrauch. Unversiegelte Böden können Wasser speichern und damit sowohl bei Trockenheit als auch bei Starkregen eine wichtige Funktion übernehmen.
4. Wasserressourcen schützen:
Gefordert werden ein Grundwasserentnahmeregister für Industrie und Landwirtschaft sowie eine nationale Wasserstrategie. Damit soll der zunehmende Druck auf die Wasserressourcen besser erfasst und begrenzt werden.
5. Eine Milliarde Euro für Renaturierung:
Die Ziele der EU-Renaturierungsverordnung sollen rasch umgesetzt werden. Greenpeace fordert außerdem eine zweckgebundene Renaturierungsmilliarde für Städte und Gemeinden, um mehr Grünflächen und Bäume zu schaffen. Sie könnten gerade in dicht bebauten Städten für dringend benötigte Kühlung sorgen.
„Katastrophensommer darf nicht vergessen werden“
Greenpeace sieht insbesondere die Bundesregierung und Klimaminister Norbert Totschnig gefordert. Die Politik müsse jetzt handeln, solange die Folgen der Hitzewellen noch unmittelbar sichtbar seien.
„Was wir diesen Sommer erleben, ist das Produkt von kollektivem Versagen im Umwelt- und Klimabereich in Österreich“, kritisiert Duregger. Die Blockadehaltung auf Bundes- und Landesebene habe dazu beigetragen, dass nun verdorrte Äcker, brennende Wälder sowie überhitzte Wohnungen und Krankenhäuser zum Problem würden.
Mit der Aktion vor dem Kanzleramt wollte Greenpeace ein sichtbares Zeichen setzen: Hinter den Zahlen der Hitzestatistik stehen Menschenleben. Die Organisation warnt davor, dass mit sinkenden Temperaturen auch der politische Handlungsdruck wieder nachlassen könnte.