30 Jahre Windkraft in Wolkersdorf: Vom „Drahdiwaberl“ bis zur neuen Generation der Windkraft
Wolkersdorf - Vor 30 Jahren war keineswegs klar, dass sich Windkraft in Österreich durchsetzen würde. Im Gegenteil: Die Pioniere der Windkraft Wolkersdorf bekamen damals nicht selten zu hören: „Das wird eh nix.“ Aber sie ließen sich nicht beirren. Im Dezember 1996 ging schließlich das erste Windrad des Weinviertels ans Netz. Das „Drahdiwaberl“ wurde damit zum Symbol für eine regionale Energiezukunft und hat bis heute Bestand.
Das 30-jährige Jubiläum wurde am 11. und 12. September mit einem großen Fest und einer WindRADtour gefeiert. Bevor das Fest am Sportplatz des SC ÖKOENERGIE Wolkersdorf begann, besuchten die Ehrengäste zunächst den Jubilar selbst, das Drahdiwaberl.
238 Menschen glaubten an die Idee
Der Weg zum ersten Windrad war echte Pionierarbeit. Die Geschichte begann mit Fritz Herzog und Franz Stoiber. Die beiden Windkraftpioniere waren überzeugt, dass Windenergie auch im Weinviertel funktionieren kann. Stoiber begann bereits vor mehr als 30 Jahren mit Windmessungen und lieferte damit wichtige Grundlagen für das Projekt. Doch eine Idee allein reicht nicht: Die beiden konnten elf Freunde und Bekannte für ihre Vision gewinnen und gemeinsam den Schritt von der Überzeugung zur Umsetzung wagen. Sie mussten daraufhin nicht nur technische und organisatorische Herausforderungen bewältigen, sondern vor allem Menschen von ihrer Idee überzeugen.
238 Privatpersonen beteiligten sich schließlich an der Finanzierung und machten das Projekt möglich. Die letzten zehn Prozent der Finanzierung übernahm die Stadtgemeinde Wolkersdorf.
Auch bei den Windmessungen musste improvisiert werden: Weil es noch keinen geeigneten Windmessmast gab, wurde kurzerhand ein Maibaum zur Windmessung genutzt. Gleichzeitig waren die Genehmigungsverfahren vor 30 Jahren noch deutlich weniger umfangreich als heute. Aus der damaligen Vision wurde Realität – und das „Drahdiwaberl“ lieferte den Beweis, dass Windkraft auch im Weinviertel funktioniert.
Vom Pionierprojekt zur etablierten Energiequelle
Heute ist die Situation eine völlig andere. Österreich hat in der Zwischenzeit rund 1.450 Windkraftanlagen, die rechnerisch Strom für rund 2,7 Millionen Haushalte erzeugen.
Auch die ÖKOENERGIE ist seit den Anfängen stark gewachsen. Das Unternehmen hat inzwischen mehr als 100 Windkraftanlagen realisiert und ist darüber hinaus in den Bereichen Photovoltaik, Biomasse und Kleinwasserkraft aktiv. Drei regionale Biomasseheizwerke und ein Kleinwasserkraftwerk gehören ebenfalls zum Portfolio.
„Wolkersdorf zählt zu den Pioniergemeinden der österreichischen Energiewende. Mit dem ersten Windrad des Weinviertels wurde hier bereits 1996 ein wichtiges Signal für eine nachhaltige Energiezukunft gesetzt“, betonen Richard Kalcik und Manfred Schamböck, Geschäftsführer beziehungsweise Gründungsmitglieder der ÖKOENERGIE.
Repowering: Mehr Strom aus bestehenden Standorten
Zum Jubiläum ging der Blick aber nicht nur zurück. Denn die nächste Generation der Windkraft entsteht bereits.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Repowering: Alte Windkraftanlagen werden durch moderne, deutlich leistungsstärkere Anlagen ersetzt. Dadurch kann an bereits genutzten Standorten ein Vielfaches an erneuerbarer Energie erzeugt werden.
Das erste Windpark-Erneuerungsprojekt der ÖKOENERGIE im Windpark Schrick West ging 2025 in die Bauphase. Die ersten neuen Türme stehen bereits. Noch heuer soll die Umsetzung eines weiteren Repowering-Projekts beginnen.
Parallel dazu werden weitere Projekte in den Bereichen Windkraft, Photovoltaik und Energiespeicherung entwickelt. Damit soll nicht nur mehr erneuerbarer Strom erzeugt, sondern auch die Integration der fluktuierenden Erzeugung in das Energiesystem unterstützt werden.
„Unser Ziel bleibt unverändert: Wir wollen saubere und sichere Energie für Generationen schaffen“, sagt Richard Kalcik.
30 Jahre Energiewende wurden gefeiert
Beim Jubiläumsfest am Sportplatz des SC ÖKOENERGIE Wolkersdorf kamen zahlreiche Bürger:innen, Energieexpert:innen, Wegbegleiter:innen und Vertreter:innen aus Politik und Energiewirtschaft zusammen. Die Eröffnung übernahmen LH-Stv. Stephan Pernkopf, LAbg. Kurt Hackl und Bürgermeister Dominic Litzka.
LH-Stv. Stephan Pernkopf betonte die Bedeutung Niederösterreichs für die Energiewende: „Rund 40 Prozent des in Österreich erzeugten erneuerbaren Stroms stammen aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen in Niederösterreich“. Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien sei immens wichtig.
LAbg. Kurt Hackl bedankte sich bei jenen, die damals das erste Windrad ermöglicht haben. Er selbst war zu dieser Zeit Umweltgemeinderat in Wolkersdorf und strich hervor, dass es Fritz Herzog und Franz Stoiber gelungen sei, die Stadtregierung zu überzeugen, 500.00.0 ATS in diese Neuheit u investieren. Die Windkraft Wolkersdorf und auch die ÖKOENERGIE wurden über die Jahrzehnte nicht nur Vorreiter-Unternehmen, sondern parallel entstand mit diesem Grundstein einer dynamischten Wirtschaftsparks von ganz Niederösterreich.
Der Wolkersdorfer Bgm. Dominic Litzka brachte die Auswirkungen auf den Punkt : „Dort wo (erneuerbare) Energie zu Hause ist, ist Zukunft zu Hause und es erhöht die Lebensqualität für die Menschen."
Bei einem Energie-Gespräch diskutierten Josef Plank, Energieexperte und Präsident der IG Windkraft, Wilfried Klauss, Geschäftsführer der AAE, und Martin Berger, Geschäftsführer der ÖKOENERGIE, über die Entwicklung der erneuerbaren Energie und die nächsten Schritte.
Plank erinnerte sich: "Viele Stimmen meinten damals, „das wird alles nix“, alles war völlig neu, auch die Behörden waren überfordert. Ein Oköenergie-Gesetz war noch in weiter Ferne. Jedenfalls kann heute gesagt werden, das Geld, dass die Pioniere investiert haben, hat sich gelohnt. " Heute sei sichtbar, welch großes Potential hier vorhanden sei.
Historische Filmaufnahmen von der Eröffnung des „Drahdiwaberls“ vor 30 Jahren und aktuelle Statements der damaligen Pioniere machten die Entwicklung zusätzlich sichtbar.
Bei einer Podiumsdiskussion diskutierten Josef Plank, Energieexperte und Präsident der IG Windkraft, Wilfried Klauss, Geschäftsführer der AAE, und Martin Berger, Geschäftsführer der ÖKOENERGIE, über die Entwicklung der erneuerbaren Energie und die nächsten Schritte.
Auch für die Kinder gab es Programm, organisiert von den Kinderfreunden Wolkersdorf & Hausbrunn, sowie Fußballtraining mit den Jugendtrainern des SC ÖKOENERGIE Wolkersdorf. Eine besondere Attraktion war die Luftakrobatik von Maria Gschwandtner.
Eine Pionieridee, die sich weiterdreht
Die Geschichte des Wolkersdorfer „Drahdiwaberls“ zeigt, wie aus einer zunächst umstrittenen Idee innerhalb von drei Jahrzehnten eine etablierte Technologie werden kann. Was 1996 mit elf engagierten Gründern und 238 privaten Unterstützer:innen begann, hat sich zu einer breiten regionalen Energiebewegung entwickelt.
Und das Windrad dreht sich weiter – inzwischen ist es nicht nur eine Art Denkmal für die Pionierzeit, sondern es war der wesentliche Ausgangspunkt für die nächste Generation der Energiewende.