1.001 Speicher für Österreichs Gewerbe: Tausendundein Dach geht in die nächste Runde
Die ersten Anlagen sind bereits in Betrieb. Neue Möglichkeiten für den Stromhandel zwischen Unternehmen sollen dem Geschäftsmodell zusätzlichen Schub geben.
Lange war es vergleichsweise ruhig um die Initiative Tausendundein Dach. Jetzt meldet sich das Team rund um Energieexpertin Cornelia Daniel mit einem neuen Projekt zurück. Aus dem Ausbau der Photovoltaik auf Gewerbedächern soll der nächste Baustein der Energiewende entstehen: Tausendundein Speicher.
Die Bilanz von Tausendundein Dach kann sich dabei sehen lassen. Aus dem ursprünglichen Ziel von 1.001 Dächern sind inzwischen rund 1.500 Gewerbedächer mit insgesamt 30 MWp Photovoltaikleistung geworden. Nun soll die vorhandene PV-Infrastruktur zunehmend durch Batteriespeicher ergänzt werden.
Das neue Ziel ist klar definiert: Bis 2033 sollen 1.001 dezentrale Gewerbespeicher mit insgesamt rund 100 MWh Speicherkapazität errichtet werden. Als Referenzgröße gilt dabei ein Speicher mit rund 100 kWh.
„Nach dem Kraftakt von Tausendundein Dach fangen wir noch einmal von vorne an“, sagt Cornelia Daniel. „Mit einem Unterschied: Diesmal wissen wir, dass Utopien Realität werden können.“
Am 17. September wurde das Projekt im Wiener Formdepot unter dem Titel „1500 Dächer und kein bisschen leise“ erstmals rund 70 Unternehmerinnen und Unternehmern aus dem bisherigen Netzwerk präsentiert.
Der Start ist bereits erfolgt: Elf Anlagen mit zusammen rund 900 kWh Speicherkapazität sind derzeit in Betrieb – sechs in Wien und fünf in Niederösterreich. Die einzelnen Speicher reichen von 14 bis 240 kWh.
Ein bewusst gewählter Schwerpunkt liegt auf Anlagen mit einer Anschlussleistung von unter 250 kW. Diese fallen in eine vergleichsweise einfache Anschlusskategorie und benötigen weniger aufwendige Netztechnik und Nachweise. Größere Speicher können bei Bedarf ebenfalls umgesetzt werden.
Ein Beispiel ist das Hotel Das Himberg in Niederösterreich. Dort wurde ein 215-kWh-Speicher gemeinsam mit einem Energiemanagementsystem installiert. Überschüssiger Solarstrom, der sonst aufgrund einer Einspeisebegrenzung abgeregelt werden müsste, kann zwischengespeichert und später für den Hotelbetrieb genutzt werden.
Der Bedarf an zusätzlichen Speichern steigt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Nach Angaben der Initiative werden in Österreich bis 2040 insgesamt 8,7 GW Batteriespeicherleistung benötigt, davon rund 6 GW im dezentralen Bereich von Haushalten und Gewerbe. Beim Ausbau setzt Tausendundein Speicher bewusst auf viele kleinere, in bestehende Betriebe integrierte Anlagen.
„Ich sehe Großspeicherprojekte, die seit drei bis sechs Jahren in Planung sind und noch immer nicht am Netz“, sagt Daniel. „Unsere Anlagen stehen in wenigen Monaten.“
Die bestehenden Kunden von Tausendundein Dach bilden dabei einen potenziell großen Markt: Rund 400 österreichische Betriebe haben seit 2014 gemeinsam mit der Initiative PV-Anlagen umgesetzt. Dachgold übernimmt die Beratung, die 10hoch4 Photovoltaik GmbH die Umsetzung. Dazu kommen Partner aus Energiemanagement, Elektromobilität und Energiewirtschaft.
Damit sich ein Gewerbespeicher wirtschaftlich rechnet, wird nicht nur der zusätzliche Eigenverbrauch betrachtet. Die Anlagen werden anhand realer Viertelstunden-Lastprofile der jeweiligen Unternehmen simuliert.
Entscheidend ist das sogenannte Profit-Stacking: Mehrere wirtschaftliche Effekte werden kombiniert. Dazu gehören der höhere Eigenverbrauch des eigenen Solarstroms, die Reduktion von Lastspitzen und ein intelligenter Stromeinkauf, bei dem der Speicher Strom bevorzugt in günstigen Zeitfenstern lädt.
„Speichern durfte man immer. Was sich ändert, ist, dass es sich jetzt rechnen lässt“, erklärt Daniel. Durch die verfügbaren Viertelstundenwerte könne inzwischen wesentlich genauer berechnet werden, welchen wirtschaftlichen Nutzen eine zeitliche Verschiebung des Stromverbrauchs bringt.
Zusätzliche Bedeutung bekommen Batteriespeicher durch die nächsten Änderungen im österreichischen Strommarkt. Ab 1. Oktober sollen Unternehmen Strom zwischen eigenen Standorten teilen und direkt an andere Unternehmen liefern können.
Die viertelstundengenaue Abrechnung macht dabei Speicher interessant: Solarstrom muss nicht zwingend genau dann verbraucht werden, wenn er erzeugt wird. Ein Speicher kann ihn zwischenspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung stellen, wenn am eigenen zweiten Standort oder beim Abnehmer Bedarf besteht.
Damit könnten Gewerbespeicher künftig nicht nur den Eigenverbrauch optimieren, sondern auch eine Rolle bei lokaler und unternehmensübergreifender Energienutzung spielen.
Die Initiative entwickelt damit ihr ursprüngliches Konzept weiter. Ging es bei Tausendundein Dach vor allem darum, bislang ungenutzte Gewerbeflächen für die Solarstromproduktion zu erschließen, steht nun die flexible Nutzung des erzeugten Stroms im Mittelpunkt.
Am 8. Oktober soll gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Wien der Huawei FusionSolar Truck in Wien-Floridsdorf Station machen und einen Gewerbespeicher dieser Größenordnung zeigen. Parallel entsteht ein Marktplatz für Peer-to-Peer-Stromverträge zwischen Unternehmen.
Aus vielen einzelnen PV-Anlagen soll damit Schritt für Schritt ein stärker vernetztes dezentrales Energiesystem werden. 1.001 Speicher bis 2033 sind dabei das nächste große Etappenziel.