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Zwischen Sicherheit und Bevormundung: Wie Fahrer:innen moderne Assistenzsysteme erleben

06.11.2025

Wie hilfreich sind Spurhalteassistent, Notbremsassistent oder intelligente Geschwindigkeitsassistenten (ISA) im Alltag?

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ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger © Stefan Joham

Wien - Moderne Autos sind längst mit zahlreichen Assistenzsystemen ausgestattet, die das Fahren sicherer und komfortabler machen sollen. Doch wie hilfreich sind Spurhalteassistent, Notbremsassistent oder intelligente Geschwindigkeitsassistenten (ISA) im Alltag tatsächlich? Der ÖAMTC ist dieser Frage nachgegangen und hat 190 Viel- sowie 38 Wenigfahrer:innen zu ihren Erfahrungen mit ADAS (Advanced Driver Assistance Systems) befragt.
 

Geteilte Meinungen zu Sicherheit und Eingriffen
 

Das Ergebnis zeigt ein geteiltes Bild: Rund 75 % der Befragten empfinden die Systeme als vertrauenswürdig, berichtet ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Gleichzeitig haben viele bereits Fehlreaktionen erlebt – bei Vielfahrenden sind es 65 %, bei Wenigfahrenden 45 %.

Besonders kritisch gesehen wird der Spurhalteassistent: Viele Fahrer:innen deaktivieren ihn regelmäßig, weil er zu stark ins Fahrgeschehen eingreife oder störend wirke – etwa, wenn er das Nicht-Blinken erkennt. Auch der seit Juli 2024 für alle Neuwagen verpflichtende intelligente Geschwindigkeitsassistent ISA zählt zu den unbeliebteren Systemen. Als besonders hilfreich werden dagegen Notbremsassistent, Rückfahrassistent, Tempomat sowie Abstands- und Lichtautomatik genannt.
 

Assistenzsysteme können Leben retten – und gefährden

 

Bemerkenswert: 59 % der Vielfahrer:innen und 63 % der Wenigfahrer:innen gaben an, bereits durch ein Assistenzsystem vor einem Unfall bewahrt worden zu sein. Gleichzeitig berichteten 61 % der Vielfahrenden, dass Systeme auch schon gefährliche Situationen ausgelöst hätten.

Große Unterschiede zeigen sich auch beim Müdigkeitswarner, einem weiteren seit Juli 2024 verpflichtenden System. Je nach Hersteller reagiert das System unterschiedlich – manche analysieren das Lenkverhalten, andere die Augen- und Lidbewegungen. Seidenberger betont: „Der beste Schutz gegen Sekundenschlaf ist immer noch, auf seinen Körper zu hören. Wer müde ist, sollte eine Pause machen – Technik kann warnen, aber sie ersetzt keine Erholung.“
 

Assistenz ja, Bevormundung nein
 

Die Mehrheit der Befragten wünscht sich, dass die Systeme nur in Gefahrensituationen aktiv eingreifen. „Fahrer:innen möchten unterstützt, aber nicht bevormundet werden“, so Seidenberger. Kritik gibt es zudem an uneinheitlichen Symbolen und fehlender Möglichkeit, individuelle Einstellungen dauerhaft zu speichern.
 

Praxistests mit der ÖAMTC Fahrtechnik
 

Zusätzlich zur Befragung testeten Proband:innen Mittel- und Oberklassefahrzeuge in Fahrtechnikzentren. Dabei zeigte sich: Die Personalisierung der Assistenten dauerte oft acht bis zwölf Minuten, viele klagten über unübersichtliche Menüs und komplizierte Einstellungen. Häufig konnten erst Instruktor:innen der Fahrtechnik Fragen beantworten – ein Hinweis, dass die Systeme nicht intuitiv bedienbar sind.
 

Fazit: Technik verstehen statt blind vertrauen
 

„Unsere Untersuchung zeigt, dass Lenker:innen die Kontrolle behalten wollen und die Unterstützung der Systeme im Ernstfall schätzen – aber nicht bevormundet werden wollen“, fasst Seidenberger zusammen. Assistenzsysteme seien wertvolle Begleiter, solange sie den Menschen unterstützen und nicht ersetzen.
 

Der ÖAMTC empfiehlt daher, sich mit den Funktionen vertraut zu machen, die Systeme praxisnah zu testen und sich im Idealfall von Händler:innen oder Fahrtechnik-Instruktor:innen erklären zu lassen. Sicherheit entsteht nicht allein durch Technologie, sondern durch das Verständnis und die Erfahrung der Nutzer:innen.

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