Zivilgesellschaft kritisiert Japans Energiepolitik: „Keine Fossilen auf Kosten der Zukunft Asiens“
Rund 30 zivilgesellschaftliche Organisationen haben Japan scharf kritisiert und die Regierung aufgefordert, die aktuelle Energiekrise rund um die Straße von Hormus nicht zu nutzen, um den Ausbau fossiler Energien im asiatisch-pazifischen Raum voranzutreiben.
Im Zentrum der Kritik steht die japanische Premierministerin Sanae Takaichi. Die Organisationen werfen ihrer Regierung vor, die Krise als politisches Argument für fossile Energie- und Rüstungsprojekte zu nutzen – und damit die Energiewende in der Region auszubremsen.
Auslöser der Debatte ist die japanische Initiative „POWERR Asia“, ein 10-Milliarden-Dollar-Programm zur Sicherung von Energieimporten – darunter Öl, Flüssigerdgas (LNG), Biokraftstoffe und Kernenergie. Laut den Organisationen soll das Programm jährlich bis zu 1,2 Milliarden Barrel Öl für die Region absichern.
Kritiker sehen darin jedoch absolut keinen Beitrag zur Energiesicherheit, sondern eine Vertiefung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Besonders problematisch sei, dass die Initiative im Rahmen der regionalen Plattform AZEC (Asia Zero Emission Community) vorangetrieben werde, die eigentlich auf Dekarbonisierung ausgerichtet ist. Laut den NGOs beziehen sich jedoch bereits über 30 Prozent der AZEC-Projekte auf fossile Energien.
Die Organisationen warnen, dass Japan unter dem Deckmantel der Zusammenarbeit eine neue Welle fossiler Infrastruktur in Asien etabliere. Dies gefährde nicht nur Klimaziele, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität der Region.
„Öl und Gas haben keine sichere Zukunft für Asien geschaffen, sondern Abhängigkeit und Instabilität verstärkt“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Stattdessen fordern die Gruppen den vollständigen Stopp öffentlicher Finanzierungen für fossile Projekte und eine Umlenkung der Mittel in erneuerbare Energien und Energieeffizienz.
Vorwurf der politischen Verknüpfung mit Rüstungsgeschäften
Zusätzlich kritisieren die Organisationen eine zunehmende Verknüpfung von Energie- und Sicherheitspolitik. Japan habe zuletzt Beschränkungen für Waffenexporte gelockert und ein milliardenschweres Rüstungsgeschäft mit Australien abgeschlossen. Die Zivilgesellschaft spricht von einer „koordinierten Industriepolitik zugunsten fossiler Konzerne und der Rüstungsindustrie“.
Statt auf LNG-Importe und fossile Großprojekte zu setzen, fordern die Organisationen einen schnellen Ausbau dezentraler erneuerbarer Energien in der Region. Diese seien nicht nur klimafreundlicher, sondern auch weniger anfällig für geopolitische Krisen und Preisschocks.
„Die Lösung liegt nicht in mehr fossiler Infrastruktur, sondern in einem gerechten, erneuerbaren Energiesystem, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt“, so die zentrale Botschaft der Erklärung.
Der Widerstand aus der Zivilgesellschaft wächst zunehmend. Die kommenden Wochen gelten als entscheidend dafür, ob sich der asiatisch-pazifische Raum stärker in Richtung fossiler Expansion oder erneuerbarer Transformation bewegt.