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Zahl der Carsharing–Nutzer kann sich in Österreich verzehnfachen

25.06.2011

Carsharing rechnet sich bei unter 12.000 Autokilometern pro Jahr – VCÖ fordert Masterplan Carsharing und dichteres Carsharing–Netz

© Michael Sigmund
© Michael Sigmund
Wien – Rund 12.000 Österreicher nutzen Carsharing. Mit einem Angebot wie in der Schweiz kann die Zahl der Carsharing–Nutzer in Österreich auf rund 120.000 erhöht werden, wie eine aktuelle VCÖ–Studie zeigt. Ein Carsharing–Auto ersetzt bis zu acht Pkw und verringert damit die Parkplatzprobleme in den Städten. Unter 12.000 Autokilometer pro Jahr rechnet sich Carsharing, so die VCÖ–Studie. Der VCÖ fordert die Erstellung eines Masterplan Carsharing und ein dichteres Carsharing–Netz in Österreich.
Im Schnitt ist ein Pkw in Österreich eine Stunde pro Tag im Betrieb, 23 Stunden lang steht das Auto am Parkplatz. "Autos sind zu 95 Prozent des Tages nicht Fahr–, sondern Stehzeuge. Gerade in den Städten ist der Platz sehr knapp. Eine Zunahme der Flächen für Autos geht auf Kosten des Platzes für uns Menschen zum Leben", stellt VCÖ–Experte DI Martin Blum fest.
Mit Carsharing können die Platzprobleme in den Städten verringert werden. Ein Carsharing–Auto ersetzt bis zu acht private Pkw, so eine aktuelle VCÖ–Studie. Derzeit nutzen österreichweit rund 12.000 Personen Carsharing, davon rund 8.000 in Wien. Österreichweit gibt es rund 100 Carsharing–Standorte, 49 in Wien. Der internationale Vergleich zeigt, dass Österreich beim Carsharing noch einiges aufholen kann. So gibt es in der Schweiz rund 100.000 Carsharing Nutzer, denen mehr als 1.250 Carsharing–Standorte zur Verfügung stehen. Allein in Zürich gibt es für rund 400.000 Einwohner 181 Standorte, in Amsterdam (800.000 Einwohner) gibt es mehr als 300 Standorte.
Die VCÖ–Studie sieht für die kommenden Jahre ein Potenzial von 120.000 Carsharing–Nutzern, vorausgesetzt die Zahl der Standorte wird deutlich erhöht. Derzeit wird in Wien durch Carsharing der Pkw–Bestand um 900 verringert, ein Potenzial von 10.000 Pkw ist realistisch. "Die Kosten für den Garagenbau können mit Carsharing deutlich verringert werden. Allein die Förderungen der Stadt Wien für 900 Volksgaragen Parkplätze betragen 20 Millionen Euro", macht VCÖ–Experte Blum aufmerksam.
Ein weiterer Nutzen für die Öffentliche Hand ist das umweltfreundlichere Mobilitätsverhalten von Carsharing–Nutzern. Studien zum Nutzerverhalten in Österreich, Deutschland und Schweiz kommen zum gleichen Ergebnis: Nach dem Umstieg auf Carsharing wird mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren und das Auto seltener genützt. In Österreich nutzen Personen, die vom eigenen Pkw auf Carsharing umsteigen, das Auto um die Hälfte weniger. 43 Prozent fahren häufiger mit Öffentlichen Verkehrsmitteln.
"Carsharing bringt einen anderen Umgang mit dem Auto. Das Auto wird nur dann genutzt, wenn es wirklich gebraucht wird. Damit verringern sich die klimaschädlichen Treibhausgas–Emissionen sowie die gesundheitsschädliche Schadstoffe, wie Feinstaub und Stickoxide", erklärt VCÖ–Experte Blum.
Als Faustregel gilt, dass sich Carsharing für jene finanziell rechnet, die pro Jahr weniger als 12.000 Kilometer mit dem Auto fahren. Die VCÖ–Studie hat für mehrere Varianten die Kosten verglichen. Bei einem Renault Mégane Kombi beispielsweise beträgt die Ersparnis durch Carsharing bei 12.000 Kilometer rund 900 Euro pro Jahr, bei 10.000 Kilometer rund 1.500 Euro und bei 5.000 Kilometer sogar 2.040 Euro pro Jahr.
Der entscheidende Faktor für den Erfolg von Carsharing ist die Anzahl der Standorte, so die VCÖ–Studie. Die Ausweitung der Carsharing–Standorte kann durch die Politik unterstützt werden, indem Parkplätze im öffentlichen Straßenraum für Carsharing–Autos reserviert sind. Dadurch wird die Zugänglichkeit zu Carsharing erleichtert. Der VCÖ fordert zudem die grundlegende Reform der Stellplatzverpflichtung für Wohn– und Bürogebäude. Auch die Errichtung von Sammelgaragen und die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung sind wichtige Maßnahmen.
VCÖ: SCHWEIZ IST BEI CARSHARING VORBILD
Anzahl Carsharing–Standorte
Österreich: 100, davon 49 in Wien
Schweiz: 1.250, davon 181 in Zürich
Carsharing–Nutzer
Österreich: 12.000, davon 8.000 in Wien
Schweiz: 100.000, davon 18.000 in Zürich
Quelle: VCÖ 2011
VCÖ: Bis 12.000 Jahreskilometer rechnet sich Carsharing
Vergleich der Gesamtkosten (Anschaffung, Versicherung, Vignette, Reparaturen, Parkgebühren, Treibstoff, usw.) Modell Renault Mégane (Kombi)
Kosten Carsharing (in Klammer Kosten eigener Pkw)
5.000 Jahreskilometer: 3.460 Euro (5.500 Euro) – Ersparnis 2.040 Euro
10.000 km: 4.920 Euro (6.400 Euro) – Ersparnis 1.480 Euro
12.000 km: 5.940 Euro (6.840 Euro) – Ersparnis 900 Euro
15.000 km: 7.380 Euro (7.350 Euro) – Plus 30,– Euro
Quelle: VCÖ 2011
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25.06.2011 | Autor*in: holler
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