WWF stellt Bundesländern schlechtes Zeugnis aus: Artenschutz weist gravierende Mängel auf
Der Schutz bedrohter Wildtiere in Österreich weist nach Einschätzung des WWF erhebliche Defizite auf. Das aktuelle WWF-Bundesländerbarometer zeichnet ein ernüchterndes Bild: Kein einziges Bundesland erreicht beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf eine gute Gesamtbewertung. Von insgesamt 35 Einzelbewertungen fallen lediglich vier positiv aus – und zwar ausschließlich beim Schutz des Seeadlers.
„Geschützte Wildtiere landen in Österreich viel zu schnell auf der Abschussliste, während bei Monitoring, Prävention und Konfliktmanagement große Lücken bestehen“, kritisiert WWF-Expertin Sarah Layendecker.
Mehr als 1.200 Abschüsse seit 2020
Besonders kritisch sieht der WWF die Entwicklung bei Biber, Fischotter und Wolf. Nach Angaben der Naturschutzorganisation wurden seit 2020 mehr als 1.200 Tiere dieser geschützten Arten auf Grundlage von Verordnungen getötet, die aus Sicht des WWF nicht mit dem europäischen Naturschutzrecht vereinbar sind.
Gleichzeitig fehle es vielerorts an grundlegenden Instrumenten eines modernen Wildtiermanagements – etwa an umfassendem Monitoring, aktuellen Managementplänen oder ausreichenden Ressourcen für Prävention und Konfliktlösung.
Kritik an fehlender bundesweiter Strategie
Ein weiteres zentrales Problem sieht die Studie in der föderalen Struktur des Artenschutzes. Während Wildtiere selbstverständlich keine Landesgrenzen kennen, würden Schutzmaßnahmen und Managementkonzepte häufig isoliert auf Ebene der einzelnen Bundesländer umgesetzt.
Der WWF fordert deshalb eine bundesweit abgestimmte Strategie, die den Anforderungen des EU-Naturschutzrechts entspricht und einheitliche Standards für Monitoring, Prävention und den Umgang mit Konflikten schafft.
Besonders scharfe Kritik an fünf Bundesländern
Vor allem Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und die Steiermark schneiden im WWF-Barometer schlecht ab.
Kritisiert werden unter anderem umfangreiche Abschussverordnungen für Biber, Fischotter und Wolf, unzureichende Präventionsmaßnahmen sowie lückenhafte oder fehlende Managementpläne. In Kärnten bemängelt der WWF zusätzlich den Einsatz umstrittener Conibearfallen beim Fischotter, während in Salzburg insbesondere anlasslose Wolfsabschüsse und weitreichende Entnahmeregelungen für Fischotter kritisiert werden.
Auch in Niederösterreich und Oberösterreich sieht die Naturschutzorganisation trotz vorhandener Fördermaßnahmen erhebliche Defizite im Umgang mit geschützten Arten.
Positivere Ansätze in den anderen Bundesländern
Etwas besser bewertet der WWF jene Bundesländer, die verstärkt auf Prävention, Beratung und wissenschaftliche Begleitung setzen.
Im Burgenland stehen Förderungen und Aufklärungsarbeit im Vordergrund, während Wien Biber und Fischotter grundsätzlich als erwünschte Wildtiere betrachtet und auf konfliktarme Lösungen setzt. Vorarlberg erhält Lob für Verbesserungen beim Monitoring und die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg, während Tirol mit transparenter Information und Förderungen für Herdenschutz punktet, gleichzeitig jedoch ebenfalls Kritik für weitreichende Wolfsabschüsse einstecken muss.
Seeadler als positives Beispiel
Ein Lichtblick im Bundesländervergleich ist der Seeadler. Sein Management in Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und im Burgenland wird durchgehend positiv bewertet.
Für den WWF zeigt dieses Beispiel, dass erfolgreicher Artenschutz möglich ist, wenn Behörden, Wissenschaft und Naturschutzorganisationen eng zusammenarbeiten und auf konsequentes Monitoring sowie gezielte Schutzmaßnahmen setzen.
Artenschutz als gesellschaftliche Aufgabe
Die Studie zeigt deutlich auf, dass der Umgang mit geschützten Wildtieren in Österreich weiterhin ein Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und regionalen Interessen bleibt. Aus Sicht des WWF braucht es künftig weniger Abschussdebatten und deutlich mehr Investitionen in Prävention, wissenschaftliche Datenerhebung und einheitliche Strategien.
Denn letztlich, so die Botschaft des Bundesländerbarometers, entscheidet sich der Erfolg des Artenschutzes nicht an Landesgrenzen, sondern daran, ob es gelingt, Mensch und Wildtier dauerhaft miteinander in Einklang zu bringen.