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Wo fremde Pflanzen Wurzeln schlagen

21.08.2015

BiologInnen erarbeiten erstmals globalen Überblick über die Ausbreitung nicht–heimischer Pflanzenarten

©   Pieter Pelser / Die Stechginster (Ulex europaeus) in Neuseeland wurde in den frühen Phasen der europäischen Besiedlung eingeführt. Millionen Dollar werden zur Beseitigung aufgebracht
©  Pieter Pelser / Die Stechginster (Ulex europaeus) in Neuseeland wurde in den frühen Phasen der europäischen Besiedlung eingeführt. Millionen Dollar werden zur Beseitigung aufgebracht
Immer mehr Pflanzenarten werden durch den Menschen in neue Gebiete eingeschleppt. Eine wissenschaftliche Erhebung gibt nun erstmalig eine Übersicht über die vom Menschen verursachte Ausbreitung von Pflanzenarten auf andere Kontinente. Ein internationales ForscherInnenteam um Franz Essl und Dietmar Moser vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien und am Umweltbundesamt zeigt dass durch den Menschen bereits 13.168 Pflanzenarten verschleppt wurden – das entspricht 3,9 Prozent der weltweiten Artenzahl an Pflanzen. Ihre Forschungsergebnisse erscheinen aktuell in der Ausgabe des renommierten Wissenschaftsjournals "Nature".
Im Rahmen des vierjährigen Forschungsprojekts sammelten die BiologInnen regionale Listen von eingeführten Pflanzen auf der ganzen Welt und führten sie in einer globalen Datenbank "GloNAF" (Global Naturalized Alien Flora) zusammen. Die Daten aus 481 Festlandgebieten und 362 Inseln decken rund 83 Prozent der Landoberfläche der Erde ab. "Die größte Herausforderung bestand darin, Daten aus wenig erforschten Gebieten der Welt zu bekommen, wo es keine oder nur sehr spärliche Informationen zu gebietsfremden Arten gibt", erklärt Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien.
Bis dato mussten WissenschafterInnen aus eher unvollständigen Datensätzen Rückschlüsse auf globale Muster ziehen, und vieles, was wir über die Verbringung von Pflanzenarten wussten, basierte zu einem gewissen Teil auf Spekulationen. "Die ausführliche Analyse von tatsächlichen Daten macht unsere Studie einzigartig", erklärt Franz Essl. Mit dieser Datengrundlage lassen sich nun viele Fragen nach den Ursachen der Verschleppung von Pflanzenarten beantworten. So sind z.B. die Eigenschaften der Pflanzen, die ihre Ansiedlung in neuen Gebieten begünstigen, im globalen Kontext nur ansatzweise verstanden.
Die globalen Hotspots nicht–heimischer Pflanzenarten
Die Studie zeigt, dass weltweit bereits 13.168 Pflanzenarten durch den Menschen verschleppt wurden – das entspricht rund 3,9 Prozent der weltweiten Flora. Zum Vergleich: In ganz Europa sind nur etwa 12.000 Pflanzenarten heimisch, in Österreich sind es etwa 3.000 Arten. Mit beinahe 6.000 nicht–heimischen Arten weist Nordamerika die größte Zahl an eingebürgerten Pflanzenarten auf, gefolgt von Europa mit über 4.000 eingeschleppten Arten. Im Verhältnis zu ihrer Fläche verzeichnen allerdings Inseln den größten Zuwachs an eingeschleppten Pflanzenarten.
Die Länder der nördlichen Hemisphäre sind die größten "Pflanzenexporteure", allen voran Europa und der nicht–tropische Teil Asiens. "Im Zuge der Kolonialisierung anderer Erdteile haben EuropäerInnen viele ihnen vertraute Pflanzen in anderen Erdteilen eingeführt, häufig mit dramatischen Folgen für die dortigen heimischen Arten", erläutert Franz Essl und ergänzt: "Unsere Studie zeigt, dass die biologische Globalisierung ein weltweites Phänomen geworden ist – mit oftmals unabsehbaren Auswirkungen auf heimische Arten, aber auch auf Land– und Forstwirtschaft."
Publikation in "Nature":
van Kleunen M, Dawson W, Essl F, Pergl J, Winter M, Weber E, Kreft H, Weigelt P, Kartesz J, Nishino M, Antonova La, Barcelona JF, Cabezas FJ, Cárdenas D, Cárdenas–Toro J, Castaño N, Chacón C, Chatelain C, Ebel AL, Figueiredo D, FuentesN, Groom QJ, Henderson L, Inderjit, Kupriyanov A, Masciadri S, Meerman J, MorozovaO , Moser D, Nickrent D, Patzelt A, Pelser PB, Baptiste MP, Poopath M, Schulze M, Seebens H, Shu W, Thomas J, Velayos M, Wieringa JJ & Pyšek P (2015) Global exchange and accumulation of non–native plants. in Nature
DOI:10.1038/nature14910.
Quelle: UNIVERSITÄT WIEN
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21.08.2015 | Autor*in: holler
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