Wissenschaft trotzt Trump: „Climate.us“ rettet staatliche Klimaforschung ins freie Netz
In Zeiten politischer Umbrüche geraten wissenschaftliche Fakten in Washington schnell ins Visier. Weil der freie Zugang zu staatlichen Klima-Ressourcen zunehmend gefährdet oder politisch instrumentalisiert wird, hat ein Kollektiv aus US-Spitzenforschern die Reißleine gezogen. Das Team hinter der renommierten, behördlichen Website Climate.gov (betrieben von der US-Ozeanografie- und Wetterbehörde NOAA) hat sich selbstständig gemacht und die unabhängige, gemeinnützige Plattform Climate.us gestartet.
Der offizielle Launch der Vollversion markierte vor kurzem den Übergang von einer digitalen Rettungsaktion hin zu einem langfristigen, zivilgesellschaftlichen Informationsdienst.
Crowdfunding für die Wahrheit
Das Projekt zeigt, wie groß der Rückhalt für die Klimaforschung in der US- Bevölkerung ist. Ein Drittel des Startkapitals – rund 250.000 US-Dollar – kam durch mehr als 2.500 Kleinspenden aus der Bevölkerung zusammen. Zusätzlich arbeiten bereits über 80 namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ehrenamtlich als Gutachter, um die absolute Exaktheit der Daten zu garantieren.
„Verlässliche Klimainformationen dürfen nicht einfach verschwinden, nur weil sich die politischen Mehrheiten ändern“, erklärt Rebecca Lindsey, geschäftsführende Direktorin von Climate.us.
„Wir bauen eine unabhängige, dauerhafte Plattform, damit Menschen weiterhin die Daten finden, die sie zum Lehren, Planen und für fundierte Entscheidungen brauchen.“
Was bietet die neue Plattform?
Die Kerninhalte im Überblick:
Der Gerettete Klimabericht: Der vollständige Zugang zum Fifth National Climate Assessment (dem umfassenden US-Klimastatusbericht), der auf Bundesebene politisch unter Druck geriet.
Klima-Indikatoren & Daten: Visuelle Dashboards, interaktive Karten und messbare Datenpfade zu globalen Temperaturtrends, Meeresspiegel und Extremwetter.
- Bildungsmaterialien: Lehrpläne, verständliche Erklärstücke (Plain-Language) und grafische Tools für Schulen, Universitäten und Medienhäuser.
Stimmen aus der Forschung: Ein Schutzwall gegen Desinformation
Die Resonanz aus der wissenschaftlichen Community ist enorm. Führende Köpfe sehen in dem Launch ein wichtiges Signal des Widerstands gegen die Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit.
Dr. Katharine Hayhoe (Atmosphärenwissenschaftlerin, Texas Tech University):
„In einem Moment, in dem die Sozialwissenschaft zeigt, dass öffentliche Aufklärung der wichtigste Hebel für Klimaschutz ist, führt Climate.us dieses Erbe nicht nur fort – es legt die Messlatte höher.“
Dr. Richard Spinrad (Ehemaliger Leiter der NOAA):
„Die Bedeutung der Daten von Climate.gov kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Climate.us sichert diese kritische Funktion – selbst angesichts der politischen Manipulation des wissenschaftlichen Betriebs.“
Dr. Amanda Townley (National Center for Science Education):
„Climate.us ist ein Beweis für die Macht des Einzelnen, wenn es darum geht, Wissenschaft zu schützen, Fehlinformationen zu bekämpfen und in Zeiten, in denen die Wissenschaft selbst angegriffen wird, für das Richtige einzustehen.“
Vom Rettungsboot zum Dauerdienst
Mit dem Launch macht die Plattform klar: Es geht nicht mehr nur darum, Daten vor dem Löschen auf Regierungsservern zu bewahren. Das Ziel ist der proaktive Ausbau. Climate.us soll zur zentralen, unzensierbaren Anlaufstelle für Journalisten, Kommunalpolitiker, Lehrkräfte und die breite Öffentlichkeit werden, um den Klimawandel auf Basis nackter, wissenschaftlicher Fakten zu diskutieren, und zwar ganz ohne parteipolitische Filter und Einflüsse.