„Wir können Teil einer besseren Zukunft werden“
„Die Große Transformation ist überlebensnotwendig“
Schellnhuber, Generaldirektor des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) und einer der international einflussreichsten Klimaexperten, machte deutlich, dass die Menschheit am Wendepunkt steht: „Die Natur kann ohne uns existieren, aber wir Menschen nicht ohne die Natur. Wenn wir beim Klimaschutz weiter abwarten, überschreiten wir Kipppunkte, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.“
Er sprach von der Notwendigkeit einer „Großen Transformation“ – des Übergangs von einer linearen, fossilen Wirtschaft zu einer intelligenten, zirkulären Bioökonomie. Diese Wende sei nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch eine Chance auf ein besseres Leben: „Diese Transformation wird unser Leben besser, schöner und schmackhafter machen – vor allem aber ist sie überlebensnotwendig.“
Besonderes Augenmerk legte Schellnhuber auf die Rolle der Bauwirtschaft, die weltweit rund 40 Prozent der Treibhausgasemissionen verursacht. „Wir müssen das Bauen völlig neu denken“, forderte er. Die neue Firmenzentrale der Windkraft Simonsfeld bezeichnete er als „Gesamtkunstwerk“ und als beispielhafte Verbindung von Energie- und Materialwende.
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierte Schellnhuber mit den Vorständen der Windkraft Simonsfeld, Markus Winter und Alexander Hochauer, über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Winter betonte, dass die Windkraft Simonsfeld seit ihrer Gründung mehr sei als ein Energieerzeuger: „Wir sehen es als unseren Auftrag, Bewusstsein zu schaffen und Verantwortung zu übernehmen. Die Zukunftsgespräche sollen Wissen, Haltung und Handeln miteinander verbinden.“
Für Winter ist die Energiewende nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Aufgabe. Sie erfordere Mut, Offenheit und ein gemeinsames Ziel. „Wir müssen unsere bestehenden Möglichkeiten nutzen, jede Windkraftanlage mit Photovoltaik kombinieren und ein unabhängiges, zukunftsfähiges Energiesystem schaffen“, sagte er.
Vorstand Alexander Hochauer hob die ökonomische Seite der Transformation hervor. Die Energiewende, betonte er, sei kein Kostenfaktor, sondern „die Basis einer modernen Volkswirtschaft“. „Wer heute in erneuerbare Energien investiert, sichert Wohlstand und Beschäftigung von morgen und senkt langfristig Klimarisiken.“
Neben wirtschaftlicher Stabilität gehe es auch um regionale Wertschöpfung und Unabhängigkeit von fossilen Importen. Hochauer forderte klare Rahmenbedingungen und ein Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: „Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, mehr erneuerbare Energie zu erzeugen, sondern auch, Ressourcen verantwortungsvoll und effizient zu nutzen.“
Das 10. Zukunftsgespräch der Windkraft Simonsfeld machte deutlich, dass Energiewende und gesellschaftlicher Wandel untrennbar verbunden sind. Die Diskussion endete mit einem Appell Schellnhubers, den Wandel nicht als Last, sondern als Chance zu begreifen:
„Wir können Teil einer besseren Zukunft werden – wenn wir sie jetzt mutig gestalten.“