Windindustrie blickt vorsichtig nach vorn: Stimmung trübt sich weltweit ein
Deutschland und Europa verlieren an Schwung
Die Ergebnisse der aktuellen Erhebung zeichnen ein insgesamt verhaltenes Bild. Sowohl im Onshore- als auch im Offshore-Bereich werden die Marktchancen zwar weiterhin positiv bewertet, allerdings deutlich zurückhaltender als noch vor einem halben Jahr.
Vor allem in Deutschland und Europa haben sich die Einschätzungen zu den Marktbedingungen und politischen Rahmenbedingungen merklich verschlechtert. Mehrere Indikatoren liegen nur noch knapp über dem neutralen Bereich. Die Branche rechnet zwar weiterhin mit Wachstum, sieht die Voraussetzungen dafür jedoch zunehmend kritisch.
Asien bleibt führend – Nordamerika fällt weiter zurück
Im internationalen Vergleich bleibt Asien die Region mit den besten Bewertungen. Allerdings zeigt sich auch dort eine deutliche Abschwächung der Erwartungen. Ähnliches gilt für den sogenannten „Rest der Welt“, der zwar weiterhin positiv eingeschätzt wird, jedoch ebenfalls an Optimismus eingebüßt hat.
Besonders negativ wird dagegen Nordamerika bewertet. In nahezu allen untersuchten Bereichen liegen die Einschätzungen unter dem neutralen Indexwert. Als wesentliche Ursachen nennen die Befragten veränderte energie- und umweltpolitische Rahmenbedingungen, die den weiteren Ausbau der Windenergie erschweren.
Genehmigungen, Netze und Lieferketten bleiben zentrale Hürden
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass politische Zielsetzungen allein nicht ausreichen, um den Ausbau der Windenergie voranzutreiben. Als größte Herausforderungen nennen die Teilnehmenden weiterhin langwierige Genehmigungsverfahren, den Ausbau der Stromnetze, mangelnde Investitionssicherheit sowie belastbare Lieferketten.
Diese Faktoren gelten aus Sicht der Branche als entscheidende Bremsen für die weitere Entwicklung des Windenergiesektors.
Turbinengrößen stabilisieren sich
Auch bei den erwarteten Leistungsgrößen neuer Windenergieanlagen zeigt sich ein Wandel. Während in den vergangenen Jahren immer größere Anlagen prognostiziert wurden, flacht dieser Trend inzwischen ab.
Für das Jahr 2030 erwarten die Befragten im Onshore-Bereich durchschnittliche Leistungen von rund 8,3 Megawatt pro Anlage. Offshore werden durchschnittlich 19,1 Megawatt erwartet, das ist etwas weniger als in früheren Befragungen prognostiziert wurde. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass sich die Branche zunehmend auf wirtschaftlich und technisch bewährte Anlagengrößen konzentriert.
Regionale Wertschöpfung gewinnt an Bedeutung
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung war die Frage nach dem Anteil regionaler Wertschöpfung. Dabei werden Europa und Asien deutlich stärker eingeschätzt als Nordamerika oder andere Weltregionen. Für Deutschland erwarten die Befragten ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis zwischen inländischer und ausländischer Wertschöpfung.
Die Ergebnisse unterstreichen den wachsenden Stellenwert regionaler Lieferketten und lokaler Produktion für die Wettbewerbsfähigkeit der Windenergieindustrie.
Breite Beteiligung aus der Branche
An der aktuellen WEtix-Befragung nahmen zwischen Mitte März und Anfang Mai 2026 insgesamt 718 Personen teil, von denen 399 den Fragebogen vollständig oder nahezu vollständig beantworteten. Die Teilnehmenden repräsentieren die gesamte Wertschöpfungskette der Onshore- und Offshore-Windenergie und liefern damit ein breit abgestütztes Meinungsbild der internationalen Branche.
Insgesamt zeigt die Studie: Die Windenergiebranche hält an ihren langfristig positiven Wachstumserwartungen fest, bewertet die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen jedoch deutlich vorsichtiger als noch vor wenigen Monaten. Besonders die Themen Planungssicherheit, Infrastruktur und stabile Lieferketten werden als entscheidende Voraussetzungen für einen erfolgreichen weiteren Ausbau angesehen.
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Die Befragung fokussiert dabei die Untersuchung der Potenziale in der Windenergie im On- und Offshore-Bereich. Im Rahmen der aktuellen Umfrage haben von Mitte März bis Anfang Mai 2026 mehr als 700 Personen ihre Einschätzung zu den Entwicklungen der weltweiten On- und Offshore-Windindustrie abgegeben. Der WEtix umfasst alle weltweiten On- und Offshore-Regionen. Als Marktregionen wurden Deutschland, Europa (inkl. DE), Nordamerika, Asien und der „Rest der Welt“ definiert. Rund 19 % der Teilnehmenden arbeiten ausschließlich im Offshore-Bereich, während ca. 42 % überwiegend im Onshore-Bereich aktiv sind. Etwa 32 % fokussieren sich sowohl auf Onshore als auch Offshore. Unternehmen, die in dem Bereich „Sonstige“ (5 %) angesiedelt sind, stammen z.B. aus den Branchen Wasserstoff und Photovoltaik. Der WEtix findet seit der 15. Ausgabe zusätzlich in spanischer Sprache statt.