Wien–Bratislava: Acht E-Busse machen grenzüberschreitenden Fernverkehr elektrisch
Wien und Bratislava trennen nur rund 80 Kilometer. Künftig verbindet die beiden Hauptstädte eine der ersten grenzüberschreitenden Fernbuslinien Europas, die überwiegend elektrisch betrieben wird. FlixBus und der österreichische Busunternehmer Blaguss setzen dafür ab 1. Oktober 2026 acht Elektro-Reisebusse im täglichen Regelbetrieb ein.
Insgesamt umfasst die Verbindung 66 Kursfahrten täglich zwischen Wien, dem Flughafen Wien, Bratislava und dem Flughafen Bratislava. Von den täglich rund 6.086 gefahrenen Kurskilometern entfallen 5.568 Kilometer auf die E-Busse. Lediglich 518 Kilometer werden weiterhin mit einem Dieselbus gefahren. Damit werden 91 Prozent der Kurskilometer elektrisch zurückgelegt.
Zum Einsatz kommen Elektro-Reisebusse des Typs Yutong T12E. Blaguss hat im September 2025 insgesamt zwölf Fahrzeuge dieses Typs bestellt. Die Busse verfügen über eine Batteriekapazität von 466 kWh und sollen nach Angaben des Unternehmens rund 500 Kilometer Reichweite erreichen.
Für den Betrieb wurde auch die Ladeinfrastruktur ausgebaut. In Wien entstand eine zentrale Schnellladestation, in Bratislava eine weitere Station für Nachtladungen und als Backup. Besonders interessant: Beide Standorte wurden mit Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern ausgestattet. Die E-Busse sollen damit vollständig mit erneuerbarer Energie geladen werden.
Die vergleichsweise kurze und flache Strecke durch das Marchfeld bietet günstige Voraussetzungen für den Einsatz von Elektrobussen. Gleichzeitig zeigt die Verbindung, dass elektrische Antriebe nicht nur im Stadtverkehr, sondern auch auf längeren internationalen Busverbindungen eingesetzt werden können.
Für die Strecke zwischen den beiden Hauptstädten spielt der Bus auch als Alternative zum privaten Pkw eine Rolle. Nach Angaben von FlixBus verursacht eine Reise mit dem Unternehmen in Europa durchschnittlich mindestens fünfmal weniger CO₂ pro Fahrgast als eine Fahrt im privaten Auto. Auf der neuen, überwiegend elektrischen Verbindung soll die CO₂-Bilanz nochmals verbessert werden.
Allein durch den Wechsel vom Diesel- zum Elektroantrieb sollen auf der Strecke rund 66 Kilogramm CO₂ pro 100 Kilometer eingespart werden. Die tatsächliche Klimawirkung hängt dabei auch von der eingesetzten Energie und der Auslastung der Busse ab.
„E-Mobilität kommt bei immer mehr Menschen und in immer mehr Bereichen an“, erklärt Mobilitätsminister Peter Hanke. Gerade der Bus sei wichtig, weil er klimafreundliche Mobilität in die Breite bringe. Die internationale Verbindung zeige zudem, dass Elektromobilität auch über Stadt- und Landesgrenzen hinweg funktioniere.
Auch Wiens Vizebürgermeisterin Barbara Novak sieht in der Verbindung einen Beitrag zur engeren Vernetzung der beiden Regionen. Wien und Bratislava seien eng miteinander verflochtene Wirtschafts- und Lebensräume.
Für Blaguss ist die Linie ein weiterer Schritt bei der Elektrifizierung der Busflotte. Geschäftsführer Paul Blaguss betont, dass Elektromobilität künftig eine zentrale Rolle im klimafreundlichen Busverkehr spielen soll. Das Familienunternehmen wolle die Transformation dort vorantreiben, wo die Technologie zuverlässig eingesetzt werden könne.
FlixBus-Geschäftsführer Daniel Packenius bezeichnet die Verbindung als eine der ersten grenzüberschreitenden E-Bus-Linien Europas. Sie zeige, dass Elektromobilität im Fernverkehr „unter den richtigen Umständen“ bereits zuverlässig eingesetzt werden könne.
Tickets für die Verbindung Wien–Bratislava sind ab 5,99 Euro erhältlich.
Die Linie wird aus Mitteln des österreichischen BMIMI, der Europäischen Union und der FFG teilgefördert.
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