Wiederverwendung als Erfolgsmodell für nachhaltiges Wachstum
Mit seinem „Unfinished Business Report 2025“ will das britische Barfußschuh-Unternehmen Vivobarefoot zeigen, dass Nachhaltigkeit kein Marketingversprechen, sondern ein dauerhafter Prozess ist. CEO Galahad Clark, Schuhmacher in siebter Generation, setzt dabei auf Transparenz – und auf ein Geschäftsmodell, das Kreislaufwirtschaft neu denkt.
Ein Bericht, der bewusst „unfertig“ bleibt
Vivobarefoot geht einen anderen Weg und macht messbar, was sonst im Dunkeln bleibt. Der jährliche Unfinished Business Report legt offen, wo das Unternehmen Fortschritte erzielt – und wo es scheitert.
Der Bericht basiert auf 15 strategischen Kennzahlen, darunter:
wirtschaftliche Performance
Materialinnovationen
Lieferkettentransparenz
Produktlebensdauer
Kundenzufriedenheit
„Wir wollen sichtbar machen, was gut läuft – und wo wir besser werden müssen“, sagt Galahad Clark. „Wir nennen den Bericht Unfinished Business, weil Nachhaltigkeit für uns nie abgeschlossen ist.“
Re-Commerce als Gegenentwurf zum Wegwerfmodell
20 Milliarden Paar Schuhe werden weltweit pro Jahr produziert und mehr als 90 Prozent davon landen irgendwann auf der Deponie. Genau hier setzt Vivobarefoot mit ReVivo an, einem Re-Commerce-Projekt, das längst zum Kern des Geschäftsmodells geworden ist.
So funktioniert ReVivo:
Kund*innen schicken getragene Vivobarefoot-Schuhe ein.
Jedes Paar wird geprüft, gereinigt, repariert oder neu besohlt.
Wiederaufbereitete Schuhe werden auf ReVivo.com erneut verkauft.
Nicht mehr tragbare Modelle werden zerlegt und recycelt – Material für neue Produkte inklusive.
Im Geschäftsjahr 2024/2025 gelangten so 62.000 Paar Schuhe zurück in den Verkauf.
Ein weiterer Schritt: Das Take-Back-Programm, das auch Schuhe anderer Marken kostenlos zurücknimmt. Vivobarefoot übernimmt die Recyclingkosten – ein Signal an die Branche, Verantwortung nicht an Verbraucher*innen abzuschieben.
Zwischen Wachstum und ehrlicher Selbstkritik
Der „Unfinished Business Report 2025“ zeigt, dass Nachhaltigkeit wirtschaftlich funktionieren kann. Vivobarefoot verkaufte im Geschäftsjahr 2024/2025 über eine Million Paar Schuhe – 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg auf 91,4 Millionen Pfund (rund 105 Mio. Euro), ein Plus von fünf Prozent.
Doch trotz des Erfolgs bleibt Clark kritisch. Lieferengpässe, verspätete Produkteinführungen und Herausforderungen in der Bestandsplanung zeigen, dass auch ein nachhaltiges Unternehmen nicht frei von Fehlern ist. Genau durch diese Offenheit will Vivobarefoot neue Maßstäbe in der Branche setzen.
„Wirtschaftlicher Erfolg und ökologische Verantwortung müssen zusammenpassen“, betont Clark. „Nur dann kann Kreislaufwirtschaft in der Schuhindustrie zur Norm werden – nicht zur Ausnahme.“
Ein Bericht, der die gesamte Branche herausfordert
Der Unfinished Business Report 2025 ist kein Hochglanzversprechen, sondern ein ehrlicher Statusbericht – mit Erfolgen, Rückschritten und klaren Zielen. Mit ReVivo, Take-Back-Programmen und messbaren Kennzahlen zeigt Vivobarefoot, dass nachhaltiges Wachstum möglich ist, wenn Unternehmen bereit sind, ihre Verantwortung ernst zu nehmen.