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Wie kann weltweite Fairness finanziert werden?

04.07.2006

Finanzexperten diskutieren in der soeben erschienen Ausgabe der Agrarischen Rundschau die „Tobin–Tax„

Auf unserem Planeten gibt es himmelschreiende Ungerechtigkeiten und maßlose Ressourcenausbeutung: Die vier reichsten Amerikaner besitzen mehr Vermögen als eine Milliarde der ärmsten Menschen; alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria; tagtäglich gehen 200 Tier– und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren. Die Menschheit steuert auf den Kollaps zu. Als Antwort darauf wurde im Mai 2003 der „Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft„ aus der Taufe gehoben. Durch die Verknüpfung von (Co–)Finanzierung und weltweiter Etablierung ökologischer und sozialer Standards können „Süden„ und „Norden„ gewinnen.
Die neue Ausgabe der Agrarischen Rundschau steht ganz im Zeichen des Global Marshall Plan. Neben der Vorstellung des Projektes bildet die Aufbringung finanzieller Mittel einen Schwerpunkt des Heftes. Hierzu kommen herausragende Wirtschaftsfachleute zu Wort. Der Generaldirektor der Investkredit, Wilfried Stadler, fordert eine internationale Finanzmarktarchitektur, die die Wertschöpfungsprozesse in Ländern unterschiedlicher Entwicklungsstufen fördert. Als interessantes „Top–down„–Instrument sieht er die Devisentransaktionssteuer, die so genannte „Tobin–Tax„. Eine sehr wichtige „Bottom–up„–Strategie ist laut Stadler das Instrument der Mikro–Kredite. „Die zunehmende Verflechtung der nationalen Volkswirtschaften sowie die steigende Bedeutung grenzüberschreitender Transaktionen legen es nahe, die derzeit auf die nationale Ebene beschränkten Abgaben zur Finanzierung öffentlicher Güter um internationale Steuern zu ergänzen„, so die WIFO–Steuerexpertin Margit Schratzenstaller. Sie sieht in der Einführung einer Devisentransaktionssteuer eine interessante Option.
Lorenz Jarass und Gustav Obermair kritisieren die Privilegierung von global wirtschaftenden Konzernen gegenüber mittelständischen, auf den heimischen Markt konzentrierten Unternehmen.
Darüber hinaus findet sich im Heft auch die Aufsehen erregende Grundsatzrede des schwedischen Ministerpräsidenten Göran Persson anlässlich der Welt–Bioenergiekonferenz in Jönköping. Schweden will sich bis 2020 von der Fessel der Fossilenergie befreien und voll auf erneuerbare Energiequellen setzen. Die Loslösung von der Ölabhängigkeit ist ein Gebot der Stunde. Der wichtigste Grund ist die Bedrohung durch den Klimawandel. Aber es ist auch eine Frage der Sicherheits– und Wirtschaftspolitik. Der Ersatz fossiler Ressourcen durch Bioenergie
ist ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft, der auf neuen Technologien und neuen Lösungen fußt. Die Politik muss die politischen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Aber Bioenergie wird erst dann wirklich in Schwung kommen, wenn sie auf guten Geschäften aufgebaut ist.
Agrarische Rundschau 2/2006: Balance the World – Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft, zu bestellen beim Ökosozialen Forum Österreich, [dworak@oesfo.at@] (Preis: Euro 8,90 inkl. Mehrwertsteuer, zuzügl. Versandspesen)
Tel: 01/533 07 97–29
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04.07.2006 | Autor*in: holler
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