Weltrekord aus Beton und Stahl: Höchste serielle Onshore-Windkraftanlage der Welt entsteht in Bayern
Mit dem Abschluss der Fundamentarbeiten im Frühjahr 2026 hat das Projekt einen zentralen Meilenstein erreicht. Die Inbetriebnahme ist für Herbst 2026 geplant.
Rekordhöhe für die Energiewende im Binnenland
Die neue Anlage vom Typ Vestas EnVentus V172 verfügt über eine installierte Leistung von 7,2 Megawatt und nutzt einen speziell entwickelten Hybridturm aus Beton- und Stahlsegmenten. Die außergewöhnliche Höhe ermöglicht es, deutlich stärkere und konstantere Windströmungen in größeren Höhen zu nutzen – ein entscheidender Vorteil insbesondere an Binnenstandorten.
„Wir bringen industrielle Fertigung in neue Dimensionen und verschieben die Grenzen des technisch Machbaren“, sagt Michael Bögl, Vorstand der Firmengruppe Max Bögl. Das Projekt sei ein Beweis dafür, dass große Bauhöhen inzwischen wirtschaftlich in Serie realisierbar seien.
Serienbau trifft auf Extremdimensionen
Besonders bemerkenswert: Der Turm basiert nicht auf einem Einzelprototyp, sondern auf einem seriengefertigten Baukastensystem, das bereits typengeprüft ist. Einzelne Komponenten wurden für die Rekordhöhe angepasst, das Grundprinzip bleibt jedoch standardisiert.
Damit zeigt das Projekt, dass selbst extreme Bauhöhen nicht mehr nur Speziallösungen sind, sondern in industrielle Prozesse überführt werden können.
Fundament auf schwierigem Untergrund
Die technischen Herausforderungen beginnen bereits am Boden: Der Standort im Ortsteil Winnberg ist von verkarstetem Kalkstein geprägt. Um die Stabilität zu sichern, wurde der Baugrund mit Bohrpfählen verstärkt.
Das Fundament selbst wurde in Ortbetonbauweise errichtet und misst 26,5 Meter im Durchmesser bei einer Höhe von 3,4 Metern.
Projektleiter Markus Brandmüller betont: „Die Kombination aus anspruchsvollem Baugrund und großen Dimensionen erfordert präzise Planung. Der Baufortschritt zeigt, dass solche Projekte sicher und termingerecht umsetzbar sind.“
Mehr Strom durch größere Höhe
Die Anlage soll jährlich rund 17 bis 18 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen – genug für etwa 5.000 Haushalte. Ein Teil der Energie wird direkt im Werk der Firmengruppe in Sengenthal genutzt, der Rest ins öffentliche Netz eingespeist.
Gerade die enorme Höhe ist dabei entscheidend: Je höher der Rotor, desto stärker und konstanter die Windverhältnisse – und desto höher die Energieausbeute. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit insbesondere in Regionen mit schwächerem Windaufkommen am Boden.
Windkraft aus der Fabrik
Mit dem Projekt verfolgt Max Bögl einen klaren industriellen Ansatz: Windkraftanlagen sollen nicht mehr als Einzelbauwerke entstehen, sondern als skalierbare Serienprodukte.
Der eingesetzte Hybridturm wurde gemeinsam mit Turbinenhersteller Vestas entwickelt und soll künftig Teil des Standardportfolios werden. Damit könnte die Technologie in größerem Maßstab zum Einsatz kommen – ein möglicher Schub für den Ausbau der Windenergie in Europa.
Ein Signal für die Energiewende
Mit 285 Metern Gesamthöhe setzt das Projekt nicht nur einen technischen Rekord, sondern auch ein strategisches Zeichen: Windenergie im Binnenland soll effizienter, wirtschaftlicher und stärker standardisiert werden.
Oder anders gesagt: Die Energiewende wächst hier nicht nur weiter – sie wächst in neue Höhen.