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Weltrekord: 1631,5 km mit einem Elektrofahrzeug ohne Nachladen

12.08.2011

Das elektrische Experimentalfahrzeug „Schluckspecht„ der Hochschule Offenburg bricht den japanischen Streckenweltrekord für Batteriefahrzeuge

© Boxberg_
© Boxberg_
Am vergangenen Wochenende ist das Team Schluckspecht mit seinem Batteriefahrzeug „Schluckspecht E„ 1631,5 km weit gefahren, ohne dass die Batterie aufgeladen werden musste.
Die Fahrt fand auf der Teststrecke der Firma Bosch in Boxberg statt. Eine Fahrerin und 3 Fahrer wechselten sich dabei ab. Der Schluckspecht wurde von einem Verfolgerfahrzeug begleitet, auf dem eine Kamera montiert war. So konnte der Rekord lückenlos dokumentiert werden. Der Versuch wurde vom TÜV Süd überwacht . Die Fahrzeit betrug 36 Stunden und 12 Minuten. Das Wetter war wechselhaft/regnerisch, die Fahrbahn der Teststrecke in hervorragendem Zustand. Die innere Spur der Rundstrecke, die meist gefahren wurde, hat eine Länge von 2,945 km.
Mit diesem Weltrekord knüpft das Team an die erfolgreiche Teilnahme an der South–African Solar Challenge 2010 an, bei der 626,6 Kilometer erreicht wurden. Damals fuhr der Schluckspecht auf öffentlichen Straßen weiter als jedes andere Fahrzeug zuvor.
Der Rekord ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass das Fahrzeug ein einsitziges Experimentalfahrzeug ohne viel Komfort ist, sondern auch darauf, dass dieses Fahrzeug von Anfang an als reines Batteriefahrzeug konzipiert worden ist. Das E–Fahrzeug wurde aufbauend eine Designerstudie von Frau Sunmin Lee (HS Pforzheim) entwickelt. Die Form der Karosserie ist besonders windschlüpfrig, weil kein Platz für Motor und Getriebe benötigt wird: das Fahrzeug hat zwei Radnabenmotoren, die in die Räder integriert sind. Das Chassis ist neu: es wurde in Zusammenarbeit mit dem Fraunhoferinstitut EMI speziell für E–Fahrzeuge konzipiert – eine im Fahrzeugbereich neuartige Tragstruktur ermöglicht eine deutliche Gewichtsreduktion. Und mit dem an der Hochschule Offenburg entwickelten Batteriemanagementsystem wurde die Last optimal auf insgesamt 14 Lithium–Cobalt–Batterieblöcke verteilt.
So konnte der aktuelle Rekord des derzeitige Weltrekordinhaber, das Team des Japan Electric Vehicle Clubs, von 1003 km mit den erzielten 1631,5 km deutlich überboten werden, obwohl die Batteriekapazität nur bei 23 kWh lag und die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 45 km/h (zum Vergleich: die Batteriekapazität des japanischen Teams lag bei 50 kWh, die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 40 km/h).
„Dieser Erfolg ist ein Zeichen des hohen Niveaus, auf dem sich die Lehre und die Forschung und Entwicklung an der Hochschule Offenburg befindet„, freut sich Professor Dr. Ulrich Hochberg. Seit 14 Jahren entwickelt die Hochschule Offenburg mit ihrem Schluckspecht Modelle für sparsame Fahrzeuge und nutzt dabei ihre Freiräume für Forschung und Entwicklung, um schon weit vor dem Marktbedarf neue Konzepte konsequent zu durchdenken und Zukunftsmodelle für Niedrigenergiefahrzeuge zu erproben. Ob Maschinenbau, Elektro– und Verfahrenstechnik, Werkstofftechnik, Mechatronik oder Informatik, Studierende und Professoren aller Fakultäten bringen Ideen für die Weiterentwicklung ein. Diese werden dann in den Werkstätten und Laboren der Hochschule umgesetzt. Da die Arbeiten nicht kurzfristig wirtschaftlichen Erfolg zeigen müssen, können diese Konzepte auch vollkommen neuartig und zunächst auch wirtschaftlich (noch) wenig interessant sein. Vor nunmehr 5 Jahren hat die Hochschule einen Radnabenmotor mit integrierter Leistungselektronik vorgestellt, wohl wissend, dass für derartige Motoren zur damaligen Zeit kein Markt war. Heute entwickeln mehrere Firmen parallel einen derartigen Motor zur Serienreife, darunter auch die Hochschule Offenburg in Zusammenarbeit mit der Firma Evomotiv. So ist ein optimaler Wissenstransfer in Sachen Elektromobiliät garantiert. Für den Radnabenmotor wurde der Schluckspecht 2006 mit dem Innovationspreis des Shell Eco–marathons ausgezeichnet. An diesen Erfolg knüpfte das Schluckspecht–Team dieses Jahr mit dem Innovationspreis des South West Research Instituts (San Antonio, Texas) für das neue Rahmenkonzept BSS (BowStringStructure) an. Das Konzept, bei dem man sich Ideen aus dem Brückenbau entlehnt hat, um Lasten optimal zu verteilen, wurde mit dem Freiburger Fraunhofer Institut EMI entwickelt. Die erste Bewährungsprobe für dieses neue Chassiskonzept wurde letztes Jahr in Südafrika auf öffentlichen Straßen durchgeführt und danach konsequent weiterentwickelt.
Dieser Kombination aus Forschungsleistung, technischem Können und studentischem Engagement und Begeisterungsfähigkeit ist der Weltrekord des Schluckspecht zu verdanken.
Schluckspecht.net
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12.08.2011 | Autor*in: holler
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