Warum Küssen gesund macht - und Beziehungen stärkt
76 Tage unseres Lebens verbringen wir mit Küssen
Nach Schätzungen verbringen Menschen im Laufe ihres Lebens rund 76 Tage mit Küssen. Damit nimmt die Zärtlichkeit einen überraschend großen Platz im Alltag ein, sogar mehr Zeit als viele Menschen insgesamt mit Lachen verbringen.
Doch warum küssen sich Menschen überhaupt?
Der Kuss als evolutionärer Partnertest
Eine Erklärung liefert die Evolutionsforschung. Küssen könnte entstanden sein, um soziale Bindungen zu festigen und die Partnerwahl zu erleichtern. Beim Küssen werden Speichel und chemische Botenstoffe ausgetauscht, die Hinweise auf Gesundheit und genetische Kompatibilität geben können.
"Der Austausch von Pheromonen und anderen chemischen Signalen könnte bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle spielen", erklärt Zwank. Studien hätten zudem gezeigt, dass sich DNA-Spuren eines Partners nach einem intensiven Kuss noch bis zu einer Stunde im Mund nachweisen lassen.
Lippen sind besonders empfindlich
Dass ausgerechnet die Lippen beim Küssen im Mittelpunkt stehen, ist kein Zufall. Sie gehören zu den empfindlichsten Körperregionen überhaupt und sind mit einer besonders hohen Zahl an Nervenenden ausgestattet. Auch Lippen und Zunge verfügen über zahlreiche sensorische Rezeptoren, die Berührungen besonders intensiv wahrnehmen.
Diese hohe Sensibilität macht das Küssen zu einer Form körperlicher Nähe, die starke emotionale Reaktionen auslösen kann.
Ein Feuerwerk an Glückshormonen
Während eines Kusses schüttet der Körper gleich mehrere Botenstoffe aus. Dazu zählen Dopamin, Serotonin und vor allem Oxytocin – auch als "Kuschelhormon" bekannt. Sie fördern Glücksgefühle, Vertrauen und emotionale Bindung zwischen Partnern.
Gleichzeitig wird das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Anders als der kurzfristige Glückseffekt eines Einkaufs halte das positive Gefühl durch körperliche Nähe oft länger an, erklärt die Psychologin.
Training für das Immunsystem
Küssen hat auch biologische Effekte. Bei einem innigen Kuss werden nach wissenschaftlichen Schätzungen rund 80 Millionen Bakterien übertragen. Das klingt zunächst wenig appetitlich, kann jedoch auch Vorteile haben.
Der Speichel enthält Enzyme und Antikörper, die zur Stabilisierung der Mundflora beitragen. Der Austausch von Mikroorganismen kann das Immunsystem trainieren und die Anpassungsfähigkeit des Körpers unterstützen.
Weniger Stress durch einen sechs Sekunden langen Kuss
Besonders empfehlenswert sei der sogenannte Sechs-Sekunden-Kuss. Forschende gehen davon aus, dass bei dieser Dauer besonders viel Oxytocin ausgeschüttet wird. Das fördere Gefühle von Sicherheit, Nähe und Verbundenheit.
Gleichzeitig kann Küssen den Spiegel des Stresshormons Cortisol senken. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolwert wird mit Angstzuständen und chronischem Stress in Verbindung gebracht. Regelmäßige Zärtlichkeit könnte deshalb helfen, das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
Mehr als Romantik
Für Julia Zwank zeigt die Forschung, dass Küssen weit mehr ist als Ausdruck von Liebe oder Leidenschaft. Es stärkt Partnerschaften, fördert das emotionale Wohlbefinden und aktiviert zahlreiche körperliche Prozesse, die sich positiv auf Gesundheit und Psyche auswirken können.
Ob als Begrüßung, Zeichen der Zuneigung oder romantischer Moment: Ein Kuss ist damit nicht nur schön, sondern aus wissenschaftlicher Sicht auch eine kleine Investition in das eigene Wohlbefinden.