Wärmepumpen-Branche warnt vor Förderloch beim Kesseltausch
Mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter der heimischen Wärmepumpen-Branche kamen auf Einladung des Verbandsmitglieds Windhager – BHT in Seekirchen zusammen, um aktuelle Entwicklungen in der Energie- und Klimapolitik sowie deren Auswirkungen auf die Branche zu diskutieren.
Den Auftakt machte Andreas Weißenbacher, CEO der BWT Holding GmbH. Unter dem Leitgedanken „For You and Planet Blue“ betonte er die zentrale Rolle innovativer Wärmepumpentechnologien für das Gelingen der Wärmewende und die Erreichung der österreichischen Klimaziele.
Im Rahmen mehrerer Fachvorträge wurden Zukunftsthemen der Branche beleuchtet. Präsentiert wurden unter anderem die Ergebnisse der Studie „Netzdienliche Wärmepumpe der Zukunft“, Qualitätsanforderungen bei Wärmepumpeninstallationen sowie Herausforderungen im Bereich Fachkräftesicherung und Generationenwechsel.
1,3 Millionen Wärmepumpen bis 2040 notwendig
Die vorgestellte Studie zeigt deutlich, dass Österreich seinen Wärmesektor konsequent von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Heizsysteme umstellen muss, um die nationalen Klimaziele zu erreichen. Bis 2040 werden demnach rund 1,3 Millionen zusätzliche Wärmepumpen benötigt, darunter mehr als eine Million Heizungswärmepumpen. Dafür wäre ein jährlicher Ausbau von etwa 60.000 Anlagen erforderlich.
Die Auswirkungen reichen weit über den Klimaschutz hinaus. Durch den Austausch fossiler Heizsysteme könnten rund 19 Terawattstunden Erdgas und Heizöl ersetzt, mehrere Millionen Tonnen CO₂ eingespart und die Energieunabhängigkeit Österreichs deutlich gestärkt werden. Gleichzeitig würden regionale Wertschöpfung und Beschäftigung profitieren.
„Mit der Umsetzung der geplanten Klimaziele – rund 1,3 Millionen Wärmepumpen bis 2040 – können die heutigen nationalen Gasimporte um bis zu 24 Prozent beziehungsweise 19 Terawattstunden reduziert werden. Das stärkt die Energieunabhängigkeit, die Versorgungssicherheit und ermöglicht eine leistbare Wärmeversorgung“, betonte Verbandspräsident Richard Freimüller.
Sorge um Förderlücke nach Ausschöpfung des Kesseltausch-Budgets
Im weiteren Verlauf der Generalversammlung zog Freimüller Bilanz über die Aktivitäten des Verbandes im vergangenen Jahr und stellte die Schwerpunkte für 2026 vor. Ein zentrales Thema war dabei die Marktentwicklung nach dem Auslaufen des Förderbudgets für den Kesseltausch.
Der Verband sieht die Gefahr eines deutlichen Marktrückgangs, sollte es zu einer Förderlücke kommen. Gleichzeitig betont Freimüller, dass die Branche langfristig unabhängig von Förderprogrammen werden müsse.
„Es muss uns gelingen, die zahlreichen Vorteile der Technologie noch stärker im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern und die Wärmepumpe als wirtschaftlich attraktive, zukunftssichere und nachhaltige Lösung zu positionieren“, erklärte er.
Aus diesem Grund plant der Verband gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen eine abgestimmte Marketinginitiative. Ziel ist es, die Vorteile der Technologie stärker hervorzuheben, von Heizung, Kühlung und Warmwasser aus einer Hand über niedrige Betriebs- und Energiekosten bis hin zur Nutzung kostenlos verfügbarer Umweltenergie und selbst erzeugten Photovoltaik-Stroms.
Klimaziele nur mit klaren Rahmenbedingungen erreichbar
Der Verband Wärmepumpe Austria verweist zudem auf den aktuellen Bericht „Umweltinvestitionen des Bundes – Klima- und Umweltschutzmaßnahmen 2025“, der die Bedeutung öffentlicher Investitionen für die Energiewende unterstreicht.
Aus Sicht der Branche sind drei Voraussetzungen entscheidend, um die nationalen Energie- und Klimaziele zu erreichen:
- Verbindliche ordnungspolitische Maßnahmen, insbesondere eine verpflichtende Prüfung erneuerbarer Alternativen beim Ersatz fossiler Heizungen.
- Eine kontinuierliche Verteuerung fossiler Energieträger durch die CO₂-Bepreisung und die Ausweitung des europäischen Emissionshandels auf den Gebäudebereich ab 2027.
- Langfristig verlässliche und ausreichend dotierte Förderprogramme, die Investitionen in erneuerbare Heizsysteme unterstützen und Marktverwerfungen vermeiden.
Nach Einschätzung des Verbandes würden die nationalen Klima- und Energieziele nicht nur CO₂-Emissionen und Gasimporte reduzieren, sondern auch Arbeitsplätze sichern, regionale Wertschöpfung stärken und Strafzahlungen von bis zu zwei Milliarden Euro jährlich vermeiden helfen, die bei einer Verfehlung europäischer Klimaziele drohen könnten.
„Die Wärmepumpe verbindet Klimaschutz, Versorgungssicherheit, niedrige Betriebskosten und heimische Wertschöpfung. Jetzt gilt es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Haushalte und Unternehmen weiterhin in erneuerbare Heizsysteme investieren können“, so Freimüller.