Wärmenetze unter Druck: BUND fordert klare Leitplanken für den Umbau weg von Fossilen
Berlin - Deutschlands Wärmenetze stehen vor einer gewaltigen Transformation - und zugleich unter erheblichem Zeitdruck. Eine neue Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt, dass derzeit noch rund 71 Prozent der Wärme in Fernwärmesystemen aus fossilen Energieträgern wie Erdgas, Kohle und Öl stammen. Nur ein sehr kleiner Teil wird bereits durch erneuerbare Quellen wie Großwärmepumpen, Solar- oder Geothermie gedeckt.
Da rund 3.800 Wärmenetze in Deutschland bis 2045 klimaneutral werden sollen, sieht der BUND dringenden politischen Handlungsbedarf.
Die vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) im Auftrag des BUND erstellte Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass Wärmenetze künftig eine deutlich größere Rolle in der Wärmeversorgung spielen werden. Ihr Anteil könnte laut Szenarien von heute etwa 11 Prozent auf bis zu 31 Prozent steigen.
Gleichzeitig bleibt die Erzeugung jedoch stark fossil geprägt. Tina Löffendsed, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND, warnt: „Fossile Energie hat keinen Platz in der Wärmeversorgung der Zukunft. Der Umstieg auf erneuerbare Energien muss jetzt massiv beschleunigt werden.“
Die Studie zeigt, dass die klimaneutrale Wärmeversorgung technisch klar umrissen ist: Großwärmepumpen, Solarthermie und Geothermie sollen künftig den Hauptanteil der Energie liefern. Ergänzend kann unvermeidbare Abwärme eine Rolle spielen.
Derzeit machen diese Quellen jedoch nur etwa zwei Prozent der Fernwärme aus. Der Umbau müsse daher nicht nur beschleunigt, sondern auch strategisch neu ausgerichtet werden, so die Studie.
Besonders kritisch bewertet der BUND lokale Wärmeplanungen. In vielen Kommunen werde weiterhin stark auf Biomasse, Biomethan oder Müllverbrennung gesetzt, also auf begrenzt verfügbare oder ökologisch umstrittene Energiequellen.
„Es besteht ein massives Risiko für teure und ökologisch nicht tragfähige Fehlinvestitionen“, warnt Irmela Benz Colaço, Leiterin Wohn- und Gebäudepolitik beim BUND. Holzverbrennung sei nicht klimaneutral und verschärfe zudem den Druck auf Wälder und Böden.
Auch Biomethan müsse reguliert werden, um Flächenkonkurrenz und ökologische Schäden zu vermeiden.
Um den Umbau der Wärmenetze auf Klimakurs zu bringen, fordert der BUND klare bundespolitische Vorgaben. Dazu gehören unter anderem:
- eine deutlich erhöhte und langfristig gesicherte Förderung für Wärmenetze
- stärkere Elektrifizierung durch bessere Strompreissignale
- verbindliche Obergrenzen für den Einsatz fossiler und ressourcenintensiver Energieträger
- strengere Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse und Biomethan
Ziel sei ein System, das Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Ressourcenschutz gleichzeitig gewährleistet.
Große Transformation bis 2045
Die Studie macht deutlich: Der Umbau der Wärmenetze ist eine der zentralen Aufgaben der Energiewende. Während der Energieverbrauch insgesamt sinken soll, wird die Infrastruktur für Fernwärme weiter wachsen müssen, allerdings auf deutlich nachhaltigerer Basis.
Ohne klare politische Steuerung drohen jedoch falsche Weichenstellungen, die langfristig teuer werden könnten. Der BUND sieht deshalb die deutsche Bundesregierung in der Pflicht, jetzt den Rahmen zu setzen, damit aus fossilen Wärmenetzen tatsächlich klimaneutrale Systeme werden.