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Von Bad Ischl nach Tokio

01.01.2005

Gregor Sieböck schreibt für oekonews.at ein spannendes Reisetagebuch über seinen Fußmarsch

Halleluja sog i

Halleluja sog i, es is g‚schofft; a Waunsinn! Ich bin in Quito angekommen: 9730 km bin ich seit Bad Ischl gewandert: das ist ungefähr die Luftlinie zwischen daheim und Ecuador! Endlich Quito, ich habe immer davon geträumt, aber oft schien es nur ein Traum zu sein: nun ist dieser Realität geworden; irgendwie schwer vorstellbar.
Die letzten Wochen des Wanderns, vor allem im Norden Perus, waren gekennzeichnet von unglaublichen Strapazen, die fast meine ganze Kraft kosteten, aber auch von wunderbaren Begegnungen entlang des Weges: Kurz nachdem ich aus Cajamarca aufgebrochen bin und unter dem Gewicht meines Rucksacks beinahe zusammenbrach kam ein Campesino des Weges. Gerardo zeigte mir nicht nur eine Abkürzung sondern lud auch noch den Rucksack auf seinen Gaul und trug ihn drei Stunden lang über hohe Andenpässe, durch Täler und über weite Hochflächen. Ich wanderte daneben her und schien fast zu fliegen; ohne Rucksack auf den Schultern, doch dann folgten schwierige und harte Tage: einmal fragte ich eine Indianerin nach dem Weg und sie antwortete auf meine Frage etwas unerwartet: "Vor ein paar Wochen kam ein Gringo vorbei, genauso wie Du. Er fragte mich nach dem Weg, genauso wie Du. Er hatte eine Landkarte mit dabei, genauso wie Du. Er ging zu den Inkaruinen hinauf, genauso wie Du. Sie schnitten Ihm die Kehle durch…" Ich wartete auf ein "genauso wie Du", doch es blieb aus. Trotzdem hatte ich ein sehr ungutes Gefühl als ich die Inkastrasse in Richtung besagter Ruinen einschlug, manchmal ging ich so schnell, dass ich wie eine alte Dampflok schnaufen musste, dann wieder ließ ich mich erschöpft hinter einem großen Grasbüschel in die Wiese fallen. Ich ging und ging, bis ich nach den Ruinen endlich in ein Dorf kam und dort fand ich Unterkunft bei einer netten Familie: geschafft, ÜBERLEBT! Es ging ähnlich weiter: je näher ich an den Ort las Delicias (die Süßen) kam, umso schauriger wurden die G‚schichteln, die ich darüber hörte: Überfälle und Mord: Tag und Nacht und ich musste dort vorbei, denn der Ort lag in einem Tal um das es keinen Umweg gab. Was tun? Kurzerhand engagierte ich einen "Leibwächter." Ivan kannte nicht nur Gott und die Welt sondern auch alle Schleichwege in der Gegend und so wanderten wir zusammen: um Las Delicias auszuweichen mussten wir zweimal einen reißenden Fluss überqueren und durch stachelige Kakteen hindurch: aber dafür wurden wir nicht überfallen. Als wir schließlich in El Molino ankamen erzählten mir die Bewohner, dass es nun ein bischen ruhiger in der Gegend geworden ist. Nachdem die Polizei nichts gegen die Räuber unternommen hatte griffen die Leute zur Selbsthilfe und erschossen die meisten Übeltaeter selbst, puhhh: ein heißes Pflaster, und ich war froh als ich endlich weiterziehen konnte.

Meine Waldviertler Schuhe waren bald um ein Kilo schwerer

Doch es wurde nicht viel besser, zu den Überfallwarnungen kamen nun auch noch der Regen und die Moskitos: diese Biester stachen auf jeden freien Hautflecken, den sie finden konnten und der Regen verwandelte die Inkastrasse in eine rutschige und glitschige Schlammpiste: meine Waldviertler–Schuhe waren bald um ein Kilo schwerer, soviel Schlamm klebte an den Sohlen, und ich schlitterte und rutschte: doch es ging weiter: immer weiter, und endlich raus aus diesem Peru: das war die einzige Devise; doch es sollte noch dauern. Vorerst galt es mal den reißenden Rio Huancabamba entlang zu wandern. Die Wege waren abschüssig, rutschig und oft wanderte ich einen steilen Abhang entlang: allein nur begleitet von duzenden Moskitos. Dann galt es wieder den Fluss zu überqueren, das Wasser stand mir bis zum Bauchnabel, die Strömung riss mich fast weg und ich versuchte den Rucksack ans andere Ufer hinüber zu balanzieren. Ich war am Rande des Nervenzusammenbruchs und manchmal schrie ich in meiner Verzweiflung "SCHEEEEIIIISSSSSSSS PERUUUU!" Irgendwann war mir dann alles egal: da ich den Fluss immer wieder überqueren musste wanderte ich einfach in der Unterhose weiter; dann blieb ich plötzlich wie angewurzelt stehen: der vermeintliche Ast bewegte sich: eine Schlange, einen halben Meter vor mir, oben braun, am Bauch giftig gelb, ein Biss abseits von jeglicher Zivilisation wäre wohl das Ende gewesen, doch sie verschwand schnell im Busch.
Am Tag des Peruanischen Arztes aß ich Spiegelei und ein paar Stunden später war mir so schlecht, dass ich unmöglich weiterwandern konnte: mein Gesicht war kreidebleich und ich war völlig geschwächt; so schlief ich am Fußboden der Dorfschule von Huamin ein. Mitten in der Nacht kamen dann der Doktor und eine Krankenschwester vorbei: unter Anteilnahme des halben Ortes verabreichte mir letztere eine Spritze in den Hintern, dann ging‚s wieder besser und am nächsten Tag wanderte ich wieder einen "Vierziger": bergauf, bergab,…endlos: immer nur der Grenze entgegen, doch je näher ich dieser kam umso unwegsamer wurde das Gelände. Ich hatte auch keine Karten mehr, denn aus militärischen Gründen werden diese von der Gegend nicht veröffentlicht: so irrte ich umher: Verzweigungen, Kreuzungen der Wege, Dornenbüsche, Moskitos, Hitze. Vorwärts, weiter, weiter: ECUADOR…Der Ecuadorianische Zöllner hielt Siesta: "Ya mismo va a llegar" (er kommt gleich) und ich wartete. Nach 2 1/2 Stunden wachte er endlich auf und drückte mir den Stempel in den Pass: endlich draußen aus Peru. Nicht, dass mir Peru nicht gefallen hätte, nein, es waren einfach die Strapazen des Weges, die Ungewissheit und die Überfälle, die mir alle Kraft gekostet hatten: ja und ich träumte von einem Bett, gutem Essen und einer Dusche, doch es sollte noch eine Weile dauern.

Als ich nach San Antonio de las Aradas kam waren fast alle Männer des Ortes stockbesoffen

Es waren Wahlen angesagt in Ecuador und als ich nach San Antonio de las Aradas kam waren fast alle Männer des Ortes stockbesoffen: die Wahlkandidaten verteilen Gratisschnaps, um die Bevölkerung von ihrem tollen Wahlprogramm zu überzeugen: dazu noch die Wahlkampflieder: 6 verschiedene Parteien: jeder hatte ein anderes Lied. Der schlimmste war: Raul Aquilla, der Kandidat zur Präfektur: in seinem Wahlkampflied sang er "Kampf gegen die Korruption, Bau von Schulen und Strassen: Raul Aquilla für das Leben…" (ja ich hör auch schon auf…keine Angst) Immer wieder das gleiche Lied, es dröhnte über den Hauptplatz und ich war auf der Suche nach dem einzigen nicht betrunkenen Bewohner, der mich am nächsten Tag über den Berg begleiten konnte, da ich wieder mal keine Ahnung hatte wo der Weg verlief: Manuel, 74 Jahre alt, nüchtern und sehr nett: um 6 Uhr in der Früh brachen wir auf: es ging einen Grat entlang, wir kamen am magischen "Plaza de los Incas" vorbei, wir trafen eine Freundin von Manuel, eine Sennerin die hoch oben in den Bergen Kühe hütete: sie war barfuss unterwegs und lud uns in ihre Almhütte ein: ich schlief sofort völlig erschöpft auf der Hausbank ein, doch ich musste weiter. Manuel ließ mich schließlich alleine weiterziehen, denn er wollte in einem Nachbardorf seinen Sohn besuchen und ich wollte unbedingt noch nach Vilcabamba: es musste sein: eine Dusche nach 16 Tagen (die unzähligen Flussdurchquerungen waren meine einzige "Dusche" unterwegs) und 640 km Marsch seit Cajamarca. Auf dem letzten Passübergang vor Vilcabamba wurde es plötzlich finster und ich stolperte den steinigen Weg hinunter, Schweiß lief mir in die Augen, Spinnenweben klebten in meinem Gesicht, in der Ferne hörte ich Schüsse und ich fühlte mich so unglaublich allein…und ich dachte an ein Lied von Reinhard Mey:
allein – wir sind allein
wir kommen und wir gehen ganz allein
wir mögen noch so sehr geliebt, von Zuneigung umgeben sein
die Kreuzwege des Lebens gehen wir immer ganz allein
allein – wir sind allein
wir kommen und wir gehen ganz allein
Ich fühlte mich so unglaublich allein, doch dann war ich plötzlich dort:
Vilcabamba: eine Dusche, nur kaltes Wasser, egal, Hauptsache Wasser, ein frisches T–Shirt, und dann auf in die Bar: ein warmes Essen, einen Krug
Rotwein, gute Musik, nette Menschen rundherum: die El Punto Bar am Hauptplatz wurde zu meinem Zuhause, zumindest für ein paar Tage; es war wie im Traum. Dann kamen auch noch Miriam und Philippe vorbei: zwei Radler, die vor einigen Monaten in Ushuaia aufgebrochen sind; Ziel: Prudhoe Bay, Alaska (werft doch mal einen Blick auf ihre tolle Homepage: www.macximum.ch/ms2p) "Die Zukunft gehört denen, die an ihre Träume glauben" haben sie groß auf ihre Homepage geschrieben und ich stimme voll und ganz zu!
Ecuadorianer gehen nicht! So haben sie oft auch nicht die geringste Ahnung wie weit es noch ins nächste Dorf ist. "wie weit ist es noch nach Vilcabamba?" die prompte Antwort: "eine Stunde" und dann doch die zögerliche Frage "Wo willst du eigentlich hin…?" Hmmm, er hatte also geantwortet noch bevor er richtig wusste wohin ich wollte: interessant. Dann ein anderer "hier geht‚s nicht nach Vilcabamba!" worauf ich einwarf: "Nein? Der Nachbar hat mir aber gesagt, dass dies der richtige Weg sei." Die energische Antwort "Der Weg ist nicht geeignet zum Autofahren." Nun war ich derjenige der ihn völlig entgeistert anblickte. Ich war mit meinem Rucksack unterwegs, hatte meine Wanderschuhe an und so genau ich auch schauen konnte, ich fand kein Auto rundherum… schließlich leuchtete es auch meinem Sportsfreund ein "AH, Du bist zu Fuß unterwegs…ja, das ist der Fußweg nach Vilcabamba." Schließlich fragte mich im Stillen ob der Dummheit der Menschen Grenzen gesetzt sind, oder ist die Dummheit einfach grenzenlos? (Wenn ich mir die Wahlergebnisse in den USA anschaue könnte man fast zu so einem Schluss kommen.)
Eine auch typische Antwort in Ecuador wenn ich sagte ich wäre in den nächsten Ort oder nach Quito unterwegs: "Nunca vas a llegar." (das schaffst Du nie) Das ist nicht gerade motivierend! Dann auch immer wieder die vielen Fragen. Hier folgt nun eine Auswahl der besten:
– Warum fährst Du nicht mit dem Bus? (die häufigste aller Fragen, und mit der Zeit ging sie mir so auf die Nerven, dass ich antwortete: Der Wanderer wandert und die Weicheier sind mit dem Bus unterwegs…)
– Was verkaufst Du? (was sollte sonst jemanden dazu bewegen einen riesigen Rucksack durch die einsamsten Gegenden zu schleppen)
– Wozu sind die Wanderstöcke? (hmmmm…fast so nervend wie die Frage nach dem Bus, vor allem wenn man Sie pro Tag 10 Mal beantworten muss.)
– Wo ist Dein Fahrrad? a good one :)
– Isst Du auch was anderes als Tabletten und Dosenfutter? (meine Gegenfrage: glaubst du ich komme vom Mars?) ich aß keines von beiden, aber in den Augen der Menschen scheint es so unvorstellbar zu sein, dass jemand jeden Tag wandern kann und da muss er natürlich auch was "Ordentliches" essen. Wie weit sind wir doch schon von der Realität und von unseren Wurzeln entfernt. Wir wurden mit zwei Füssen geboren und wir nützen sie nur dazu auf die Bremse und das Gaspedal zu steigen…was für eine verrückte Welt!

Ecuador ist schon ein tolles Land. Aber!

Ecuador ist schon ein tolles Land und für mich ist es fast wie ein Zuhause nachdem ich hier vor Jahren meinen Zivildienst mit Straßenkindern absolviert habe, doch da sind einige Dinge, die für einen Europäer etwas schwer verständlich sind: Ich kam an einen Fluss und die Brücke war weggerissen: also Schuhe ausziehen und rein in die schlammigen Fluten, es blieb mir nichts anderes übrig. Am anderen Ufer fragte ich einen Bauer ob die Brücke gerade erst mal eingestürzt sein und er meinte: "ah, das ist schon mindestens 25 Jahre her." Seiher kam niemand auf die Idee sie wieder aufzubauen? oder wenigsten einen Holzpfosten von einem Ufer zum anderen zu legen? Nun ich war naiv, denn ich kam zum nächsten Fluss, wieder keine Brücke aber es wäre einfach gewesen ein paar Holzpfosten von einem Ufer zum anderen zu legen. Ein Bauer antwortete auf diesem Vorschlag nur "die Brücke wurde vor ein paar Monaten gestohlen" Ja nun stehlen sie auch schon Brücken…
Eines Morgens als ich das Zelt ausputzte, spürte ich plötzlich einen Stich im Daumen. Wohl ein Dorn, ich schenkte dem Vorfall weiters keine Beachtung bis ich das Zelt abbaute und unter dem Zeltboden einen Skorpion entdeckte: das war also der Übeltäter. Nun war guter Rat teuer, ich war weit weg von einem Arzt und so fragte ich einfach den nächsten Bauer, den ich traf, ob man von einem Skorpionstich sterben konnte (ich hatte ja keine Ahnung), er verneinte, doch bald darauf war mein ganzer Arm gelähmt und tat höllisch weh. Ich nahm homöopathische Medizin: und es half; genial. Dann kam mir ein voll beladener Jeep entgegen: sie hatten wohl 10 Matratzen mit dabei und wollten mir eine verkaufen: Ich dachte, vielleicht gar nicht so schlecht, denn da sticht der Skorpion wenigstens nicht durch. Ich ging weiter, in eine Schlucht hinunter. Kurz passte ich nicht auf und schon rutschte ich ab und landete mit voller Wucht auf meiner Schulter, der Wanderstockt wurde 5 Meter weit durch die Luft geschleudert. Ich raffte mich wieder auf und ging weiter, nur um wenige Minuten später festzustellen, dass aufgrund der Felswände entlang des Flussufers ein Durchkommen unmöglich war. Nach längerem Suchen fand ich schließlich die Reste einer Inkabrücke und daneben eine "moderne" Brücke aus Lehm und Zweigen. Sie schien sehr fragil und wackelig und 10 Meter unterhalb floss der reißende Wildbach durch. Ich versuchte den Fluss zu durchqueren, doch das war unmöglich, also doch über die Brücke: volle Konzentration und ja keine weichen Knie bekommen! An der anderen Seite angekommen schrie ich laut auf, vor Lebensfreude: nicht abgestürzt! Ja und es ging weiter, rauf und runter, rauf und runter, schließlich begann es auch noch zu schütten, die Wege waren glitschig und ich rutschte und fiel…dann endlich Nabon: ein Zimmer, ein Bett, ein warmes Abendbrot…ein Paradies auf Erden.
Nach all den Strapazen traf ich wieder Miriam und Philippe in Cuenca und an einem Morgen machten wir ein legendäres Frühstück: ein Schokofondue mit frischen Früchten und zwei Kilo Schokolade: nur für uns drei. Charlie saß daneben und konnte nicht glauben wie wir das alles essen konnten. Das Schöne am Wandern und Radfahren ist, dass man sich nie Gedanken machen muss ob man dies oder das nun essen darf, vielmehr ist das Problem genug Kalorien zu essen, um die Hose nicht zu verlieren.
Gewitter können auch Vorteile haben: In Ecuador zogen diese regelmäßig am Nachmittag auf und einmal flüchtete ich mich in die alte Eisenbahnstation von "La Urbina" auf einem einsamen Gebirgspass am Fuße des höchsten Berges Ecuadors, des Chimborazo. Rodrigo hatte den einst verfallenen Bahnhof in eine Pension umgebaut und bereits als ich eintrat wusste ich, dass dies ein magischer Ort war: Ich träumte und ruhte mich aus, spielte Schach, schaute in die weite Ferne des Andenhochlandes und plauderte stundenlang mit Rodrigo bei Rotwein und am offenen Kamin. Er gab mir wieder Hoffnung, die völlig erschüttert war nachdem ich erfahren hatte, dass einige tausend Kilometer weiter nördlich ein Präsident wieder gewählt wurde, der die Welt in den sicheren Abgrund führen wird. DOCH noch ist nicht alles verloren, als wir über die Auswirkungen des Wahlergebnisses in den USA diskutierten tönte plötzlich die Stimme von Mercedes Sosa aus dem Radio. Mit fester und sicherer Stimme sang sie: "Todo cambia…" Alles verändert sich, nichts dauert ewig… und wir lachten bis uns der Bauch wehtat!
Rodrigo träumt nicht nur von einer anderen, gerechteren und nachhaltigeren Welt sondern er lebt die Veränderung. Vor ein paar Jahren hat er die Comicfigur des Condorman ins Leben gerufen. Condorman ist ein Held der im Andenhochland lebt und gegen die Umweltzerstörung ankämpft: gegen den Müll, die Verwendung von Chemikalien im Garten und auf den Feldern, gegen das Abholzen der Wälder und gegen den uneingeschränkten Konsum. Nächstes Jahr wird der Condorman quer durch ganz Ecuador laufen und jeden Abend ein Marionettentheater vorführen, um die Kinder Ecuadors zum Umdenken zu bewegen. Seine Kampagne ist so unglaublich genial und voller Kraft und Energie, dass er damit sicher Erfolg haben wird: (Schaut doch mal auf der Homepage des Condorman vorbei – es ist ein wirklich geniales Projekt!).
"Utopien von heute sind die Realität von morgen." Diese Worte stammen von Henry Dunant und sie gaben mir immer wieder Kraft, den Glauben an eine andere Welt, an ein Leben im Einklang der Natur nicht aufzugeben. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Strukturen, die derzeit unsere Welt definieren, nicht fix und ewig sind: wir haben die die Möglichkeit diese zu verändern: Vor ein paar Monaten traf ich Joe in El Chalten am Fuße des Cerro Torro inmitten von Patagonien. Ich kam dort nach einem viertägigen Gewaltmarsch von 220 km völlig erschöpft an und träumt nur noch Pizza und Bier: Joe lud mich ein und wir saßen stundenlang beisammen, philosophierten und träumten von einer anderen Welt. Ein paar Wochen später kehrte Joseph heim in sein kleines Dorf in Ohio/USA und dort setzte er dann unsere Gedanken in die Tat um: er gründetet die Lakeside Environmental Stewardship Society (LESS): Consume LESS, waste less (konsumiere weniger, werfe weniger weg). Er initiierte ein örtliches Recyclingprogramm und überzeugte die Gemeinde, dass zukünftig, die elektrische Energie des Ortes gänzlich aus nachhaltiger Windenergie erzeugt werden soll! Was für ein großartiges Projekt: als ich diese Zeilen las wusste ich wieder mal, dass meine Wanderung rund um die Welt nicht umsonst ist. DANKE Joseph!

Auf nach Amerika…

Meine Wanderung durch Lateinamerika ist hier in Quito beendet und der Abschied von diesem Kontinent wird wohl sehr schwer fallen: In den letzten Wochen und Monaten zog mich die Faszination der einsamen Andenhochflächen in Peru und in Ecuador, der Schneeberge und Pampas Patagoniens in ihren Bann. Ich traf wunderbare Menschen entlang des Weges und lernte die einfache Kultur und Lebensweise in Lateinamerika zu schätzen: kurzum, ich verliebte mich in Lateinamerika und eines Tages werde ich wohl hierher zurückkommen. All dies ging mir durch den Kopf als ich in Quito ankam, ich flog richtiggehend in diese Stadt hinein und ich war voller Energie und Tatendrang, hatte ich doch die schwierige Wanderung entlang der Inkastrasse erfolgreich beendet. Am Plaza de San Francisco wartete Katia, die in den letzten Tagen seit Cuenca mit mir gewandert ist, mit einer bunten Girlande auf mich. Bald darauf waren wir umringt von einer Schar Schuhputzer und wir luden sie kurzerhand zu Fruchtsaft und Kuchen ein. Ihre Augen leuchteten und ich war glücklich, dass ich die Ankunft in Quito mit ihnen feiern konnte: es ist schön das Glück zu teilen. Abends kaufte ich mir dann eine große, kubanische Zigarre und bestellte an der Bar einen Whiskey Sour: das war der Beginn eines wunderbaren Abends zusammen mit Katia und Paula aus Kolumbien: wir philosophierten über Gott und die Welt und freuten uns über das Leben!
Nun geht es mit dem Boot weiter in die USA und dann die ganze kalifornische Küste entlang, zu Fuß gen Norden. Neue Herausforderungen, neue Ziele; doch ich freue mich schon. Ja und irgendwann kam es mir in den Sinn in Tokio nicht aufzuhören und stattdessen "einmal rundherum" zu wandern: noch quer durch Neuseeland und Südafrika und dann durch Italien zu Fuß heim: noch ist es nur ein Traum, doch was wäre das Leben schon ohne Träume!
Ich hoffe Ihr seid wohlauf und ich wünsche Euch eine wunderschöne Zeit; gebt nicht auf an eine andere Welt zu glauben, die Veränderung zu leben und denkt an Joe und die Worte Henry Dunants: "Utopien von heute sind die Realität von morgen." Wir sind alle ein Teil davon und können diesen Satz leben…
Viele liebe Grüße aus dem fernen Quito!
el caminante
Gregor Sieböck
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