Vier von zehn Kindern fahren noch nicht sicher Rad
Zwar können 96 Prozent der 4- bis 12-jährigen Kinder in Deutschland Fahrrad fahren. Doch bei den 7- bis 9-Jährigen beherrschen laut Einschätzung ihrer Eltern 38 Prozent weder den sicheren Schulterblick noch das einhändige Fahren und damit auch keine eindeutigen Handzeichen. Selbst bei den 10- bis 12-Jährigen liegt der Anteil noch bei mehr als 20 Prozent.
Dabei sind genau diese Fähigkeiten entscheidend, wenn Kinder selbstständig am Straßenverkehr teilnehmen. Beim Abbiegen, Anfahren oder an Kreuzungen müssen sie gleichzeitig das Gleichgewicht halten, den Verkehr beobachten, Verkehrsregeln beachten und gegebenenfalls ein Handzeichen geben.
Die ADAC Stiftung empfiehlt Eltern deshalb, die Sommerferien zu nutzen, um gemeinsam mit ihren Kindern zu üben – und so den Start in den neuen Schulweg sicherer zu machen.
„Radfahren ist für Kinder mehr als Fortbewegung. Es ist ein Stück Selbstständigkeit und eine wichtige Etappe auf dem Weg, sich sicher in der eigenen Umgebung zu bewegen“, sagt Christina Tillmann, Vorständin der ADAC Stiftung. Kinder brauchten dafür Übung und Vorbilder – „und die finden sie zuerst bei den eigenen Eltern“.
Statt Kinder für den Schulweg dauerhaft ins Auto zu setzen, könne gemeinsames Training helfen, ihnen Schritt für Schritt mehr Sicherheit zu geben. Geübt werden sollte möglichst zunächst in einer geschützten Umgebung und anschließend auf zunehmend anspruchsvolleren Strecken.
Dass Verkehrssicherheit nicht allein Aufgabe der Schule ist, sehen auch die Eltern so. 52 Prozent sehen sich selbst zuerst in der Pflicht, ihren Kindern sicheres Verhalten im Straßenverkehr beizubringen. Weitere 36 Prozent sehen die Verantwortung gleichermaßen bei Eltern und Schule. Nur rund zehn Prozent ordnen sie hauptsächlich der Schule zu.
Die schulische Radfahrausbildung erhält dabei ein überwiegend positives Zeugnis: 83 Prozent der Eltern sind der Meinung, dass sie wesentliche Kompetenzen für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr vermittelt.
Gleichzeitig bestätigen die Ergebnisse eine bereits im Mai von der ADAC Stiftung durchgeführte Befragung von Lehrkräften. Demnach beobachten 47 Prozent der Lehrkräfte erhebliche Aufmerksamkeitsdefizite bei Kindern im Straßenverkehr. 36 Prozent stellen fest, dass Kinder in entscheidenden Situationen Schwierigkeiten haben, richtig zu reagieren.
Wie wichtig sichere Fähigkeiten und Aufmerksamkeit sind, zeigt auch die Unfallstatistik. 2025 starben in Deutschland 74 Kinder unter 15 Jahren bei Verkehrsunfällen, 13 davon waren mit dem Fahrrad unterwegs. Rund 29.200 Kinder wurden bei Verkehrsunfällen verletzt.
Gerade für ältere Kinder ist der morgendliche Schulweg ein kritischer Zeitraum: Nach Daten des Statistischen Bundesamtes verunglücken sie besonders häufig werktags zwischen 7 und 8 Uhr.
Sicheres Radfahren sollte deshalb nicht erst kurz vor der Radfahrprüfung beginnen. Schulterblick, kontrolliertes einhändiges Fahren, Handzeichen und das richtige Verhalten an Kreuzungen müssen regelmäßig geübt werden, damit sie auch in einer stressigen Verkehrssituation funktionieren.
Die ADAC Stiftung will mit einer deutschlandweiten Schulstartkampagne zum Beginn des neuen Schuljahres Eltern, Kinder, Pädagoginnen und Pädagogen sowie andere Verkehrsteilnehmende für einen sicheren Schulweg sensibilisieren. Informationsmaterialien und praktische Vorschläge werden kostenlos zur Verfügung gestellt.
Die Botschaft ist dabei durchaus auch eine Absage an das „Elterntaxi“: Kinder brauchen Gelegenheit, Verkehrskompetenz selbst zu entwickeln. Wer die Ferien für gemeinsame Fahrradtouren und gezieltes Üben nutzt, kann dazu beitragen, dass aus dem Fahrrad nicht nur ein Freizeitgerät, sondern ein sicheres Verkehrsmittel für den täglichen Schulweg wird.