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Verschläft Österreich seine Klimaziele?

09.07.2022

Österreichs Emissionen stiegen 2021 um 6,5 Prozent

© Photo by freerangestock.com Jack Moreh/  Fossile Energie
© Photo by freerangestock.com Jack Moreh/ Fossile Energie
Anfang dieser Woche präsentierte der österreichische Klimarat der BürgerInnen seine Empfehlungen. Am 12. Juli wird das Nationale Klimaschutzkomitee über weitere Maßnahmen beraten. Wissenschaftlichen Input liefert das Wegener Center der Universität Graz mit einer aktuellen Berechnung der Emissionen für 2021 und zum noch verbleibenden Treibhausgasbudget. „Das Pandemiejahr 2020 war leider nur ein Ausreißer. Österreichs Emissionen sind 2021 neuerlich um etwa 6,5 Prozent auf das seit über 30 Jahren nicht durchbrochene Niveau von 1990 gestiegen. Und am Weg zur Klimaneutralität stehen uns ab 2021 insgesamt nur noch maximal 700 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zur Verfügung“, berichtet Gottfried Kirchengast. „Das bedeutet, dass Österreich bis 2040 eine Reduktion von mindestens 95 Prozent, davon mindestens 90 Prozent primär im Bereich Fossilenergie und Industrie schaffen muss“, so der Klimaforscher der Uni Graz.
Damit dieses Ziel erreicht werden kann, dürfen von 2021 bis 2030 nur mehr maximal 550 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente emittiert werden. „Denn wenn von 2031 bis 2040 weniger als 150 Millionen Tonnen Restbudget verbleiben, würde das Emissionsreduktionsraten von weit über zehn Prozent pro Jahr erfordern, was in der Umsetzung unrealistisch ist“, erklärt Kirchengast.
„Parallel zum Ausstieg aus fossiler Energie muss nachhaltige Kohlenstoffspeicherung in Land- und Forstwirtschaft aufgebaut werden. Damit können voraussichtlich rund fünf Prozent der derzeitigen Emissionsmenge über Boden- und Waldbewirtschaftung ökologisch verträglich und langfristig gebunden werden“, ergänzt der Forscher.
Zur Bestimmung des Budgets, das Österreich für produktionsbasierte Inlandsemissionen im Kreis der Staaten weltweit zur Verfügung steht, haben die WissenschafterInnen neben der Bevölkerungszahl zusätzlich den Aspekt der Klimagerechtigkeit berücksichtigt. Demnach stehen Entwicklungsländern mehr Emissionen zu, weil sie bisher viel weniger als Österreich und andere Industrienationen verbraucht haben. „Selbst bei diesem errechneten Budget müssen im Sinne der Fairness daher zusätzliche Ausgleichsfinanzierungen an wirtschaftlich schwächere Staaten fließen“, betont Kirchengast.
Um die gesteckten Klimaziele tatsächlich zu erreichen und hohe Kosten durch Nicht-Handeln zu vermeiden, sei es entscheidend, das errechnete maximale Treibhausgas-Gesamtbudget sowie die entsprechenden Klimaschutzzielpfade endlich auch im Sinn der Empfehlungen des Klimarats verbindlich gesetzlich festzulegen, sind sich die ForscherInnen einig.
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09.07.2022 | Autor*in: holler
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