VCÖ-Mobilitätspreis NÖ: Einfach nachhaltig unterwegs zur Verkehrswende
Der VCÖ-Mobilitätspreis NÖ wird vom VCÖ in Kooperation mit den ÖBB durchgeführt und vom Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) unterstützt. Das diesjährige Motto lautete „nachhaltig.effizient.innovativ“. Insgesamt wurden 48 Projekte eingereicht.
IKW ZT macht nachhaltige Mobilität zum Unternehmensprinzip
Beim Siegerprojekt zeigt sich, dass betriebliches Mobilitätsmanagement weit mehr sein kann als ein paar Fahrradständer vor dem Büro. Das Ziviltechnikbüro IKW ZT kombiniert öffentlichen Verkehr, Radmobilität, Elektromobilität und Sharing zu einem umfassenden Angebot für seine Beschäftigten.
Der Standort liegt nur sieben Gehminuten vom Bahnhof entfernt. 29 der rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ein vom Unternehmen bereitgestelltes Klimaticket. 19 Beschäftigte nutzen ein Leasingrad.
Auch der Fuhrpark wurde konsequent elektrifiziert: Die 23 Fahrzeuge des Unternehmens sind vollständig elektrisch. Am Firmenparkplatz stehen 19 Ladepunkte zur Verfügung. Der benötigte Strom stammt aus der eigenen Photovoltaikanlage oder wird als Ökostrom von den Stadtwerken Amstetten bezogen.
Für Dienstwege müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außerdem nicht zwingend ins Auto steigen. Vier Elektrofahrräder, zwei konventionelle Fahrräder und vier E-Scooter stehen zur Verfügung. Fünf Elektroautos können als Sharing-Fahrzeuge sogar privat von den Beschäftigten genutzt werden.
„Gerade das Radfahren zur Arbeit oder auf Dienstwegen ist auch eine Form von betrieblicher Gesundheitsförderung“, betont VCÖ-Sprecher Christian Gratzer.
Die Auszeichnung wurde von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Rudolf Wroblewski von der ÖBB-Infrastruktur, VOR-Geschäftsführer Alexander Schierhuber und Christian Gratzer an IKW-ZT-Geschäftsführer Wolfgang Voglauer überreicht.
Wiener Neudorf: Kinder sollen selbstständig unterwegs sein
Ein zweites ausgezeichnetes Projekt setzt bereits bei den Jüngsten an. Die Marktgemeinde Wiener Neudorf arbeitet daran, Kindern und Jugendlichen sichere und selbstständige Wege zu ermöglichen.
Dazu wurden Geh- und Radwege verbessert, Querungen sicherer gestaltet und Sichtbeziehungen optimiert. Bei Schulen und Kindergärten wurden außerdem die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Roller deutlich erweitert.
Ein wichtiger Baustein sind Workshops für Schülerinnen und Schüler der vierten Volksschulklasse. Dort lernen die Kinder unter anderem, wie sie öffentliche Verkehrsmittel sicher nutzen, Fahrpläne lesen und ihren späteren Schulweg zur weiterführenden Schule selbstständig zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen können.
Der Ansatz geht dabei über Verkehrssicherheit hinaus. Kindgerechte Mobilität ist auch barrierefreie Mobilität: Was für ein Kind mit dem Fahrrad oder zu Fuß gut funktioniert, erleichtert häufig auch die Mobilität für Menschen mit Kinderwagen oder Rollator.
Zugleich kann eine sichere Infrastruktur dazu beitragen, sogenannte Elterntaxis zu reduzieren. Wenn Kinder ihre Wege selbstständig zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn zurücklegen können, bedeutet das nicht nur weniger Autoverkehr vor Schulen, sondern auch mehr Bewegung im Alltag.
Bürgermeister Herbert Janschka und Vizebürgermeister Norman Pigisch nahmen die Auszeichnung für Wiener Neudorf entgegen.
Amstetten fährt elektrisch
Auch beim Stadtbus Amstetten steht die Kombination aus Klimaschutz und besserem Verkehrsangebot im Mittelpunkt. Seit Juli 2025 sind dort Elektrobusse statt Dieselbusse unterwegs. Betrieben werden sie mit regional produziertem Ökostrom.
Nach Angaben der Stadt können dadurch jährlich rund 190.000 Kilogramm CO₂ vermieden werden. Gleichzeitig bleiben die Fahrzeuge deutlich leiser als Dieselbusse und verursachen im Stadtgebiet keine Abgase.
Auch für die Fahrgäste wurde das Angebot verbessert. Mit der Umstellung auf Elektrobusse wurde das Netz auf sieben Linien ausgeweitet. Auf den drei Hauptrouten verkehren die Busse zu den Hauptverkehrszeiten im 20-Minuten-Takt.
Die eingesetzten Niederflurbusse sind barrierefrei. Im Innenraum ist ausreichend Platz für Rollstühle, Kinderwagen und Rollatoren. Für Amstetten hat die Elektrifizierung außerdem eine wirtschaftliche Komponente: Statt Geld für fossile Treibstoffe auszugeben, die importiert werden müssen, fließt die Wertschöpfung stärker in die Region, wenn der Stadtverkehr mit regional erzeugtem Ökostrom betrieben wird.
Vizebürgermeister Markus Brandstetter und Nina Godderidge von den Stadtwerken Amstetten nahmen die Auszeichnung entgegen.
Nachhaltige Mobilität wird konkret
Für VCÖ-Sprecher Christian Gratzer zeigen die drei ausgezeichneten Projekte, wie unterschiedlich die Stellschrauben für eine nachhaltigere Mobilität sein können. „Wenn wir die Effizienz im Verkehrssystem erhöhen, dann reduzieren wir die Staus auf den Straßen, den Spritverbrauch und damit die Spritkosten und verbessern die Luftqualität und die Umweltbilanz der Mobilität“, so Gratzer.
Auch LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf sieht in den Projekten einen praktischen Nutzen: „Wenn wir mit innovativen Ideen und Maßnahmen den Energieverbrauch und die Kosten minimieren bzw. die Sicherheit erhöhen, dann hilft das der Umwelt und macht das tägliche Leben der Menschen leichter und besser.“
Rudolf Wroblewski von der ÖBB-Infrastruktur betonte die Innovationskraft Niederösterreichs im Mobilitätsbereich. VOR-Geschäftsführer Alexander Schierhuber verwies darauf, dass die ausgezeichneten Projekte konkrete Verbesserungen für die Menschen vor Ort schaffen.
Ob im Unternehmen, auf dem Schulweg oder im öffentlichen Verkehr: Die drei Siegerprojekte zeigen, dass Verkehrswende nicht nur eine Frage großer Infrastrukturprojekte ist. Sie kann dort beginnen, wo Menschen täglich unterwegs sind – am Arbeitsplatz, auf dem Weg zur Schule und beim nächsten Bus.