USA: Neuer Bericht warnt vor Risiken von gentechnisch verändertem Weizen
Washington – Ein aktueller Bericht der Umweltorganisation Friends of the Earth USA schlägt Alarm: Die kürzlich erfolgte Zulassung des gentechnisch veränderten Weizens HB4 in den USA könnte weitreichende Folgen für Gesundheit, Umwelt und Landwirtschaft haben.
Der von dem argentinischen Unternehmen Bioceres Crop Solutions entwickelte Weizen ist so verändert, dass er gegen das Herbizid Glufosinat-Ammonium resistent ist. Diese Chemikalie ist in der Europäischen Union aufgrund gesundheitlicher Risiken verboten. Kritiker warnen nun, dass mit HB4 erstmals herbizidtoleranter Weizen in die Lebensmittelkette gelangen könnte – ein Novum nach jahrzehntelangem Widerstand gegen gentechnisch veränderten Weizen.
Laut Bericht drohen erhebliche gesundheitliche Risiken. Glufosinat wird mit schweren Folgen wie Fehlgeburten, Entwicklungsstörungen und neurologischen Auffälligkeiten in Verbindung gebracht. Da das Herbizid direkt auf die Pflanzen gesprüht wird, könnten Rückstände künftig verstärkt in Lebensmitteln wie Brot oder Nudeln auftreten. Besonders gefährdet seien Schwangere und Kinder.
Auch ökologisch sehen die Autorinnen und Autoren große Gefahren. Glufosinat schade Bodenorganismen, Bestäubern und Wasserlebewesen und könne langfristig die Biodiversität und Widerstandsfähigkeit von Agrarsystemen beeinträchtigen. Zudem bestehe ein erhöhtes Risiko für Boden- und Gewässerverschmutzung.
Der Bericht kritisiert darüber hinaus das Zulassungsverfahren in den USA. Die Behörden hätten sich stark auf von der Industrie bereitgestellte Daten gestützt, ohne umfassende unabhängige Prüfungen vorzunehmen. Damit seien potenzielle Risiken nicht ausreichend untersucht worden.
Neben Umwelt- und Gesundheitsfragen stehen auch wirtschaftliche Sorgen im Raum. Weizen zählt zu den wichtigsten Exportgütern der USA, doch viele Handelspartner lehnen gentechnisch veränderten Weizen ab. Bereits geringe Verunreinigungen könnten daher zu Exportverlusten führen und Landwirte finanziell unter Druck setzen – selbst wenn sie keinen HB4-Weizen anbauen.
Die Autorinnen und Autoren sehen in HB4 zudem keine echte Innovation, sondern eine Fortsetzung eines bereits kritisierten Modells chemieintensiver Landwirtschaft. Ähnliche gentechnisch veränderte Pflanzen hätten in der Vergangenheit zu einem steigenden Einsatz von Herbiziden und zur Entstehung resistenter „Superunkräuter“ geführt.
Als Alternative fordert der Bericht verstärkte Investitionen in ökologische Landwirtschaft und traditionelle Pflanzenzüchtung. Diese Ansätze könnten klimaresiliente Erträge sichern, ohne die Risiken synthetischer Pestizide und gentechnischer Eingriffe.
Das Ergebnis des Berichts ist klar: Die Einführung von HB4-Weizen könnte bestehende Probleme der industriellen Landwirtschaft verschärfen – mit äußerst ungewissen Folgen für Umwelt, Gesundheit und globale Agrarmärkte.