Ungarn prüft umstrittenes Atomprojekt Paks II neu
Budapest- Die neue Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar hat angekündigt, sowohl die Laufzeitverlängerung des bestehenden Kernkraftwerks Paks als auch die Verträge und Investitionen für das von Russland gebaute Neubauprojekt umfassend zu überprüfen.
Auf der Baustelle südlich von Budapest laufen die Arbeiten derzeit noch weiter. Für die beiden neuen Reaktoren vom Typ WWER-1200 wurden bereits umfangreiche Erdarbeiten durchgeführt, Anfang 2026 begannen die ersten Betonarbeiten. Das Projekt gilt als das erste russische Atomkraftwerksvorhaben in einem EU-Mitgliedstaat, das trotz der Sanktionen gegen Russland fortgesetzt wird.
Die vier bestehenden Reaktoren des Kernkraftwerks Paks liefern weiterhin rund 45 Prozent des ungarischen Stroms. Ihr Anteil ist jedoch in den vergangenen Jahren gesunken, und zwar nicht wegen geringerer Atomstromproduktion, sondern aufgrund des starken Ausbaus der Photovoltaik.
Kritik gibt es vor allem zu den Kosten und der Finanzierung. Die Investitionssumme wird derzeit auf rund 12,5 Milliarden Euro geschätzt, wobei ein Großteil über einen russischen Staatskredit finanziert werden soll. Gegner bemängeln außerdem die fehlende Ausschreibung für den Auftrag an den russischen Staatskonzern Rosatom sowie die mangelnde Transparenz der Verträge.
Einige Experten fordern deshalb, das Projekt einzufrieren und stattdessen in erneuerbare Energien oder neue Technologien wie kleine modulare Reaktoren (SMR) zu investieren. Ein Ausstieg wäre allerdings rechtlich und finanziell äußerst schwierig, da hohe Vertragsstrafen drohen könnten. Daher gilt trotz der politischen Debatte eine Fortsetzung des Projekts derzeit noch als ein wahrscheinlicheres Szenario.