Über eine Million Stimmen gegen den Silvester-Wahnsinn
Berlin - Mehr als eine Million Menschen haben genug vom alljährlichen Ausnahmezustand zu Silvester. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) übergab gemeinsam mit dem von ihr initiierten Bündnis #böllerciao 1.035.809 Unterschriften und DAMIT Ihre bisher größte Petition an das deutsche Bundesinnenministerium. Die zentrale Forderung: ein deutschlandweites Verkaufs- und Anwendungsverbot privater Pyrotechnik noch in diesem Jahr – nach dem Vorbild der Niederlande.
Der jüngste Jahreswechsel hatte erneut dramatische Folgen. Mindestens sieben Menschen kamen durch private Feuerwerke ums Leben, zahlreiche weitere wurden schwer verletzt. Hinzu kamen Wohnungsbrände, Angriffe auf Einsatzkräfte, extreme Feinstaubbelastungen sowie massiver Stress für Millionen von Haus- und Wildtieren. Für die DUH ist klar: Diese Schäden sind vermeidbar – und politisch verantwortet.
Entsprechend scharf fällt die Kritik an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt aus. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch wirft ihm ein eklatantes Versagen beim Schutz der Bevölkerung vor. „Nach den Ereignissen und den vielen Toten und Verletzten zu diesem Silvesterfest steht Minister Dobrindt vor seinem persönlichen Debakel. Er hätte es in der Hand gehabt, viele der Todesfälle und der unzähligen verletzten Menschen und zerstörten Wohnungen und Häuser zu vermeiden. Aber er hat versagt. Was muss noch an Silvester passieren, damit der Bundesinnenminister handelt? Es ist sein Versagen, dass zu diesem Jahreswechsel so viele Tote und verletzte Menschen zu beklagen sind. Die Hände von unbeteiligten Kindern zerfetzt, Augen und Ohren zum Teil unwiederbringlich geschädigt, Wohnungen und Häuser ein Raub der Flammen. Millionen Tiere gerieten einmal mehr in Panik und Städte wurden mit neuen Rekordwerten von gesundheitsschädlichem Feinstaub geflutet. "
Besonders brisant: Das Innenministerium lehnte die Annahme des Offenen Briefes auf Minister- oder Staatssekretärsebene ausdrücklich ab – eine „bewusste Entscheidung“, wie ein Vertreter des Hauses erklärte. Auch inhaltlich habe sich die Position des Ministeriums trotz der wachsenden Proteste nicht verändert.
Das zentrale Argument des Innenministeriums gegen ein bundesweites Böllerverbot lautet seit Jahren, ein solches sei „nicht verhältnismäßig“. Doch genau diese Einschätzung stellt die DUH infrage. Denn: Die Bundesregierung verfügt nach eigener Aussage über keine belastbaren Daten zu Verletztenzahlen, zu den Kosten für Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei oder zu den gesamtgesellschaftlichen Folgeschäden.
„Wie eine Abwägung der Verhältnismäßigkeit erfolgen soll, wenn die realen Schäden nicht einmal systematisch erfasst werden, bleibt völlig unklar“, kritisiert die DUH. Auch das Argument fehlender politischer Mehrheiten greife nicht mehr: Zehn von sechzehn Bundesländern sprechen sich inzwischen für strengere Regelungen oder deutlich mehr Handlungsspielraum für Länder und Kommunen aus.
Getragen wird die Petition von einem außergewöhnlich breiten gesellschaftlichen Bündnis. 66 Organisationen aus Umwelt-, Gesundheits-, Tier-, Verbraucher- und Arbeitsschutz stehen inzwischen hinter #böllerciao – darunter die Gewerkschaft der Polizei, die Bundesärztekammer, zahlreiche Fachgesellschaften aus der Augen-, Lungen- und Umweltmedizin sowie große Tier- und Naturschutzorganisationen.
Für die DUH ist das ein klares Signal: Die gesellschaftliche Mehrheit hat sich längst gegen private Silvesterböllerei entschieden – nur das Bundesinnenministerium blockiert weiter.
Das Bündnis will den Druck nun weiter erhöhen und ruft zu zusätzlichen Unterschriften auf. Ziel bleibt ein bundesweites Böllerverbot noch 2026.