Tschechien: Liberec startet Bürgerenergieprojekt
Liberec – Die Stadt Liberec, mit rund 108.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Tschechiens, ist seit 2022, als einzige Stadt in Tschechien Mitglied beim Projekts NetZeroCities der EU und will die CO2-Emissionen der Stadt die CO₂-Emissionen bis 2030 um mindestens 40 % reduzieren und im Vergleich zu 2019 um mehr als 80% senken. Ein zentraler Punkt ist die Verbesserung der Energiebilanz von Gebäuden und die Umsetzung von Energieeffizienzprojekten, die den Verbrauch vehement reduzieren sollen. Ein wichtiges Ziel ist außerdem die Dekarbonisierung der Heizsysteme, wozu auch die Abschaffung alter Kohlekessel in privaten Haushalten gehört.
Nun will die Stadtverwaltung mit einem neuen Bürgerenergieprojekt überschüssigen Strom aus Photovoltaikanlagen künftig mit Einwohnerinnen und Einwohnern teilen. Parallel dazu plant Liberec einen deutlichen Ausbau der Elektromobilität - sowohl im privaten Bereich als auch im öffentlichen Verkehr.
Seit Ende September sind zehn Photovoltaikanlagen auf den Dächern städtischer Gebäude in Betrieb. Bereits im ersten Monat erzeugten sie rund 30 Megawattstunden Strom. Ein Großteil wurde direkt von den angeschlossenen Gebäuden genutzt, rund sieben Megawattstunden flossen innerhalb der neuen städtischen Energiegemeinschaft weiter.
Wie Vizebürgermeister Vojtěch Prachař berichtet, sparte die Stadt mit Photovoltaik rund 80.000 Kronen ein. Derzeit läuft die Energiegemeinschaft ausschließlich zwischen städtischen Gebäuden, doch das soll sich rasch ändern: Eine spezielle Software zur automatisierten Verteilung wird aktuell getestet.
Bereits im kommenden Jahr sollen auch Privatpersonen sowie kleine und mittlere Unternehmen Teil der Energiegemeinschaft werden können. Allerdings setzt das Gesetz derzeit noch klare Grenzen: Maximal 50 Verbraucher dürfen sich zu einer Energiegemeinschaft zusammenschließen. Sollte dies nicht geändert werden, so ist geplant, im kommenden Jahr weitere Gruppen zu gründen, denn bereits jetzt liegen der Stadt mehr als 50 weitere Anträge zur Beteiligung vor, was zeigt, wie groß das Interesse ist.
2026 startet die zweite Ausbauphase des Pojekts: Neun weitere Photovoltaikanlagen sollen auf ausgewählten städtischen Standorten errichtet werden. Damit will Liberec seine lokale Stromproduktion deutlich ausweiten und Schritt für Schritt unabhängiger werden.
Parallel zur eigenen Energieerzeugung setzt die Stadt verstärkt auf Elektromobilität, um den lokal produzierten Strom optimal zu nutzen. 2026 plant Liberec die Installation von 20 neuen E-Ladestationen. Gleichzeitig soll im öffentlichen Nahverkehr die Elektrifizierung vorangetrieben werden.