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Trendforum: Eigener Strom statt importiertes Risiko

12.05.2026

Investitionen senken Abhängigkeit und stärken den Standort

TrendforumMai26.jpg
Oesterreichs Energie Trendforum am 11. Mai 2026 Personen v.l.n.r.: Michael Strugl, Präsident Oesterreichs Energie; Benedikt Ennser, Leiter Sektion Energie im BMWET; Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie; Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin EEÖ – Dachverband Erneuerbare Energie Österreich; Christian Helmenstein, Mitglied des Vorstands/Geschäftsführer Economica Institut für Wirtschaftsforschung © Martin Hörmandinger Oesterreichs Energie

Wien -  Österreichs Energiezukunft entscheidet sich an Investitionen, Verfahrenstempo und klaren Rahmenbedingungen. Das war die zentrale Botschaft des Trendforums von Oesterreichs Energie bei dem über ein unabhängigeres und leistbares Energiesystem diskutiert wurde.
 

„Energie ist das Thema unserer Zeit, die Transformation unumkehrbar. Energie entscheidet über Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand“, sagte Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie im Zuge des Trendforums. Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verletzlich internationale Energiemärkte sind. „Die weitere Umsetzung der Transformation und der Elektrifizierung ist eine No-regret-Maßnahme und wir sind alle gefordert dafür zu werben, um die notwendige Akzeptanz zu schaffen.“
 

Eine Frage der Freiheit
 

Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie, betonte die strategische Dimension der Energieversorgung: „Ein Energiesystem, das stark auf fossile Importe angewiesen ist, importiert nicht nur Energie, es importiert auch Risiko. Jede Krise auf internationalen Märkten zeigt uns, wie schnell Abhängigkeit bei Preisen, Unternehmen und Haushalten ankommt. Deshalb ist der Umbau unseres Energiesystems keine abstrakte Klimafrage, sondern eine strategische Frage der Handlungsfähigkeit Österreichs. Und letztlich auch eine Frage der Freiheit unseres Landes.“
 

Strugl verwies darauf, dass in der energiepolitischen Debatte nicht nur die Kosten der Transformation betrachtet werden dürfen: „Heute müssen wir ebenso klar über den Preis der Abhängigkeit sprechen. Milliarden für Ölimporte fließen Jahr für Jahr ins Ausland. Geld, das hier keine Wertschöpfung schafft, keine Arbeitsplätze sichert und nicht in die Zukunft unseres Standorts investiert wird.“
 

Kosten der Abhängigkeit unterschätzt
 

Diese Einschätzung teilte auch Ökonom Christian Helmenstein, Geschäftsführer des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung: „Die aktuelle Krise unterstreicht, dass die Kosten der Energieabhängigkeit systematisch unterschätzt, die Kosten der Transformation hingegen sehr präsent diskutiert werden.“ Dabei gehe es nicht nur um Versorgungssicherheit. „Jede Importabhängigkeit bei fossilen Energieträgern bedeutet zugleich einen kontinuierlichen Abfluss inländischer Realeinkommen. Daher gehört die Logik der Debatte umgekehrt: Die Transformation ist teuer, aber Nicht-Handeln und Zuwarten kommen uns noch teurer – in Form von Krisenanfälligkeit, Preisschocks und überlangen Einkommensabflüssen.“
 

Neben der Importabhängigkeit wurden beim Trendforum auch die offenen Aufgaben im Energiesystem angesprochen. Benedikt Ennser, Leiter der Sektion Energie im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET), verwies auf die Stärken Österreichs ebenso wie auf Handlungsfelder: „Auch die Internationale Energieagentur IEA bestätigt: Österreich bringt für die Energiewende viel mit. Einen sehr hohen Anteil erneuerbarer Stromerzeugung und mit dem Netzausbauplan ÖNIP ein gutes Beispiel für integrierte Planung. Gleichzeitig bleiben Herausforderungen, etwa bei der Wärmeversorgung und bei der Elektrifizierung der Mobilität.“
 

Reibungsverluste bremsen Transformation
 

Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin von EEÖ – Dachverband Erneuerbare Energie Österreich, machte deutlich, dass es insgesamt mehr Ambition braucht: „Viele Maßnahmen gehen in die richtige Richtung, reichen aber noch nicht aus. Auch beim EABG (Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz) vermissen wir, dass Ziele verbindlich genug abgebildet sind. Die Vorgaben für die Bundesländer sind unzureichend. Im Mix fehlt uns die Windkraft.“
 

Ein zentrales Problem seien weiterhin Reibungsverluste zwischen Bund und Ländern. „Für den Ausbau der Windkraft brauchen wir aber die Bundesländer. Entscheidend ist, dass Zuständigkeiten, Flächen und Ziele klar ineinandergreifen“, so Prechtl-Grundnig.

 

Investitionen statt Wunschdenken

 

„Leistbare Energie entsteht nicht durch Wunschdenken, sondern durch Investitionen, Planungssicherheit und den effizienten Einsatz unserer Mittel. Die Arbeit ist noch nicht geschafft: Schnellere Verfahren, stärkere Netze, Speicher und Flexibilität bleiben zentrale Aufgaben“, betonte Schmidt.
 

Strugl unterstrich die Investitionsbereitschaft der Branche: „Wir haben die Möglichkeiten, die Technologien und das Know-how. Und die Energieunternehmen sind bereit, zu investieren. Jetzt geht es um Umsetzung, um Tempo und ums Tun. Denn 2040 klingt nach ferner Zukunft, ist für ein Energiesystem aber übermorgen. Was dann funktionieren soll, muss heute vorbereitet und morgen gebaut werden. Dafür brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen: klare Gesetze, eine praxistaugliche Regulierung, schnellere Verfahren und Rechtssicherheit.“

 

Mehr Tempo und Sicherheit für den Ausbau

 

Auch Ennser sieht in klareren Verfahren und verbindlicheren Ausbauzielen einen wesentlichen Hebel: „Mit dem EABG schaffen wir mehr Tempo, mehr Sicherheit bei Flächen und Verfahren. Und erstmals die Grundlage dafür, dass Bund und Länder gemeinsam an klaren Ausbauzielen arbeiten.“
 

Für Prechtl-Grundnig ist insbesondere die Windkraft ein zentraler Baustein für Versorgungssicherheit. „Der Ausbau der Erneuerbaren ist dort besonders gut akzeptiert, wo er bereits sichtbar ist. Gerade in Regionen mit Windrädern ergeben Befragungen eine hohe Zustimmung der Bevölkerung. Das zeigt: Windkraft ist kein abstraktes Projekt, sondern gelebte Krisenvorsorge.“

 

„Groß-Chance“ Energietransformation

 

Die Transformation des Energiesystems ist dabei nicht nur energiepolitische Notwendigkeit, Helmenstein sprach von einer „volkswirtschaftlichen Groß-Chance“. Sein Fazit: „Wenn es gelingt, die vorhandenen Potenziale konsequent auszuschöpfen, winkt eine doppelte Dividende: vorübergehend durch einen expansiven wirtschaftlichen Impuls, langfristig und dauerhaft durch eine geringere Importabhängigkeit und eine höhere Versorgungssicherheit.“
 

Das Trendforum zeigte damit klar: Österreich verfügt über gute Voraussetzungen für die Transformation des Energiesystems. Damit aus Potenzial aber Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und wirtschaftliche Stärke entstehen, braucht es konsequente Umsetzung, effizientere Strukturen und verlässliche Rahmenbedingungen.


Quelle: Österreichs Energie

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12.05.2026
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Tageszeitung für Erneuerbare Energie und Nachhaltigkeit. Dienstag, 16. Juni 2026, 69.405 Artikel Online

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