Tempolimit statt Tankrabatt: Die einfachste Antwort auf die fossile Krise
Hamburg - Greenpeace-Aktivist:innen haben diese Woche an allen 26 beschilderten Autobahn-Grenzübergängen die unverbindliche Richtgeschwindigkeit von 130 km/h symbolisch mit roten „Höchstgeschwindigkeit 100“-Schildern überklebt. Hinter der spektakulären Aktion steckt eine einfache Botschaft: Wer weniger schnell fährt, verbraucht weniger Sprit - und macht sich damit unabhängiger von Öl und seinen Preisschocks.
Während die Politik monatelang über Tankrabatte und kurzfristige Entlastungen diskutierte, bleibt die eigentliche Ursache der Krise bestehen: die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Jeder Anstieg des Ölpreises zeigt aufs Neue, wie verletzlich ein auf Benzin und Diesel aufgebautes Verkehrssystem ist.
Weniger Tempo, weniger Verbrauch
Ein generelles Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen könnte den Kraftstoffverbrauch im Straßenverkehr erheblich reduzieren. Schätzungen zufolge ließen sich dadurch allein in Deutschland jährlich rund fünf Milliarden Liter Treibstoff einsparen – etwa acht Prozent des Gesamtverbrauchs.
Das würde nicht nur den CO₂-Ausstoß senken, sondern auch die Spritrechnung vieler Haushalte dauerhaft entlasten. Anders als ein Tankrabatt, der Milliarden an Steuergeld verschlingt und nach kurzer Zeit verpufft, wirkt ein Tempolimit jeden einzelnen Tag.
Fossile Energien sind kein Sicherheitsnetz
Die Vorstellung, man könne steigende Ölpreise einfach mit staatlichen Zuschüssen ausgleichen, greift zu kurz. Solange Gesellschaft und Wirtschaft von fossilen Energien abhängig bleiben, bleiben sie auch abhängig von internationalen Krisen, geopolitischen Konflikten und den Gewinninteressen der Ölindustrie.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die darauf folgenden Energiepreisexplosionen haben genauso wie die Probleme mit der Straße von Hormus eindrucksvoll gezeigt, dass fossile Energien nicht für Sicherheit sorgen sondern Risiken schaffen.
Andere Länder gehen andere Wege
Während Deutschland auf milliardenschwere Entlastungen an der Zapfsäule setzte, wurden in anderen europäischen Staaten strukturelle Maßnahmen ergriffen. Litauen halbierte zeitweise die Preise für Bahnfahrten, Frankreich förderte sozial gestaffelte Leasingmodelle für Elektroautos. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) empfahl Tempolimits als äüßerst wirksames Instrument, um den Ölverbrauch in Krisenzeiten kurzfristig zu senken.
Der eigentliche Wandel beginnt jetzt
Ein Tempolimit allein wird die Klimakrise nicht lösen. Aber es wäre eine der einfachsten, schnellsten und kostengünstigsten Maßnahmen, um Ressourcen zu sparen, Emissionen zu reduzieren und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.
Gleichzeitig braucht es einen konsequenten Ausbau des öffentlichen Verkehrs, bessere Radinfrastruktur, attraktive Alternativen zum Auto und eine beschleunigte Elektrifizierung des Verkehrs. Vor allem aber braucht es den politischen Mut, sich von der Illusion zu verabschieden, dass billigeres Öl die Antwort auf steigende Energiepreise sein kann. Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern.
Die fossile Ära hat ihre Verletzlichkeit längst bewiesen. Jeder Liter Treibstoff, der nicht verbrannt wird, macht Gesellschaft und Wirtschaft ein Stück unabhängiger und ist ein kleiner Schritt in Richtung einer klimafreundlicheren und krisenfesteren Zukunft, mit regionaler Energie.