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Studie warnt vor Rohstoff-Abhängigkeit: Kreislaufwirtschaft soll Europas Wirtschaft absichern

14.05.2026

Frage der Rohstoffversorgung ist zentrale wirtschafts- und sicherheitspolitische Herausforderung

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© KONTEXT Institut

KONTEXT und das Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) schlagen Alarm: Die Abhängigkeit Europas und Österreichs von kritischen Rohstoffen entwickelt sich zunehmend zu einem Sicherheitsrisiko für Wirtschaft und Industrie. Besonders betroffen sind strategisch wichtige Branchen wie die Automobil-, Stahl- und Maschinenbauindustrie. Als wirksamsten Ausweg sehen die Autor:innen der aktuellen Analyse einen konsequenten Ausbau der Kreislaufwirtschaft.
 

Laut der am Dienstag präsentierten Studie ist die Versorgung der Europäischen Union bei zwölf von 17 strategischen Rohstoffen „gefährdet bis stark gefährdet“. Bei acht Rohstoffen gilt die Lage sogar als besonders kritisch. Dazu zählen unter anderem Lithium für Batterien, Seltene Erden für Elektromotoren, Windkraftanlagen und Elektronik sowie Magnesium, das unter anderem im Fahrzeugbau und in der Bauwirtschaft eingesetzt wird. 
 

China dominiert die Lieferketten
 

Besonders deutlich zeigt die Analyse die starke Abhängigkeit von China: Für Österreich ist die Volksrepublik bei acht der 17 strategischen Rohstoffe der wichtigste Lieferant. Damit wächst auch die geopolitische Verwundbarkeit der europäischen Industrie.
 

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind erheblich. Mehr als die Hälfte der österreichischen Jahresausfuhren – Waren im Wert von rund 97 Milliarden Euro – hängen direkt von kritischen Rohstoffen ab. Besonders exponiert sind laut Studie die Automobil-, Stahl- und Maschinenbauindustrie. Gemeinsam exportieren diese Branchen Produkte im Wert von rund 24 Milliarden Euro, deren Lieferketten als stark gefährdet gelten.
 

„Die Verwundbarkeit unserer Lieferketten ist keine abstrakte Gefahr, sondern eine strukturelle Herausforderung mit direkten wirtschaftlichen Konsequenzen“, erklärt ASCII-Direktor Peter Klimek. Eine stärkere Kreislaufwirtschaft könne daher „eine doppelte Dividende“ bringen – mehr Nachhaltigkeit und zugleich mehr Versorgungssicherheit.


Kreislaufwirtschaft als strategischer Hebel

 

Die Studie sieht in der Kreislaufwirtschaft den effektivsten Weg, um Europas Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen zu reduzieren und wirtschaftliche Souveränität zurückzugewinnen.

„Die Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen ist für Europa und Österreich nur erreichbar, wenn wir alle Hebel der Kreislaufwirtschaft nutzen“, sagt KONTEXT-Vorständin Katharina Rogenhofer. Dazu zählen neben Recycling auch die Reduktion des Rohstoffverbrauchs, höhere Materialeffizienz, langlebigere Produkte sowie Wiederverwendung und Reparatur.
 

Die bisher diskutierten Lösungsansätze der EU – etwa die Diversifizierung von Lieferländern oder der verstärkte Eigenabbau in Europa – greifen laut Analyse zu kurz. Alternative Lieferquellen seien oft nicht ausreichend verfügbar. Zudem stoße der Rohstoffabbau innerhalb Europas häufig auf politischen Widerstand. Selbst wenn mehr Rohstoffe in Europa gewonnen würden, blieben viele Verarbeitungsschritte weiterhin außerhalb der EU angesiedelt.
 

Auch Recycling allein könne das Problem derzeit noch nicht lösen: Neun der 17 strategischen Rohstoffe würden bislang kaum recycelt. Zusätzlich fehlen vielerorts die nötigen europäischen Verarbeitungskapazitäten.


Fünf zentrale Strategien

 

Die Studie nennt fünf zentrale Ansätze, um die Rohstoffabhängigkeit wirksam zu verringern:

 

  • Reduktion des Rohstoffbedarfs etwa durch Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, Carsharing, thermische Sanierung oder Energieeffizienzmaßnahmen.
  • Höhere Materialeffizienz und der Ersatz durch zirkuläre Materialien, beispielsweise durch Leichtbau oder strengere Ökodesign-Standards.
  • Längere Produktlebensdauer durch Reparierbarkeit, modulare Bauweisen oder Leihmodelle.
  • Wiederverwendung von Produkten und Komponenten, etwa bei Batterien oder Stahlkonstruktionen.
  • Ausbau des Recyclings, insbesondere bei Elektronikschrott, Bauabfällen und seltenen Erden. 

Forderung nach politischem Paradigmenwechsel

Damit diese Potenziale genutzt werden können, brauche es laut den Autor:innen einen grundlegenden politischen Kurswechsel. Notwendig seien unter anderem einheitliche Standards für Materialeffizienz und Kreislauffähigkeit, mehr Recyclingkapazitäten, Reparaturförderungen sowie nachhaltige Kriterien in der öffentlichen Beschaffung.
 

Die Studie macht deutlich: Die Frage der Rohstoffversorgung ist längst nicht mehr nur ein ökologisches Thema, sondern eine zentrale wirtschafts- und sicherheitspolitische Herausforderung für Europa.

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