Studie warnt: EU-Regeln könnten klimafreundliche Flugtreibstoffe unnötig verteuern
Doch neue EU-Vorgaben könnten genau das Gegenteil bewirken: Laut einer aktuellen Studie der Technischen Hochschule Chalmers in Schweden drohen die Regeln die Produktion von fossilfreien Flugtreibstoffen unnötig teuer und energieintensiv zu machen.
Die Forschenden warnen davor, dass die derzeitige Regulierung ineffiziente Herstellungsverfahren bevorzugt und damit wertvolle Ressourcen verschwendet werden könnten.
Seit 2025 gelten in der EU verbindliche Quoten für nachhaltige Flugtreibstoffe an Flughäfen. Der Anteil soll schrittweise steigen und bis 2050 mindestens 70 Prozent betragen. Die Hälfte davon muss aus sogenannten RFNBO-Kraftstoffen bestehen – also synthetischen Treibstoffen, die aus erneuerbarem Wasserstoff und abgeschiedenem Kohlendioxid hergestellt werden.
Um den künftig enormen Bedarf decken zu können, müssten weltweit tausende neue Produktionsanlagen gebaut werden. Umso wichtiger sei laut den Forschenden, dass die effizientesten Technologien gefördert werden.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Herstellung von synthetischem Methanol, einem wichtigen Ausgangsstoff für nachhaltigen Flugtreibstoff. Die Forschenden verglichen dabei drei verschiedene Produktionsmethoden.
Besonders effizient erwies sich die sogenannte Biomasse-Vergasung. Dabei wird Biomasse direkt in ein Synthesegas umgewandelt, das sowohl Kohlenstoff als auch Wasserstoff enthält und unmittelbar weiterverarbeitet werden kann.
Im Vergleich zu Verfahren, bei denen Biomasse zunächst verbrannt und das entstehende CO₂ später wieder mit Wasserstoff zu Treibstoff zusammengesetzt wird, benötigt die Vergasung deutlich weniger Energie und Strom. Gleichzeitig sind die Produktionskosten laut Studie um bis zu 46 Prozent niedriger.
Trotz dieser Vorteile werden Vergasungsverfahren durch die derzeitigen EU-Regeln benachteiligt. Denn die RFNBO-Kategorie erlaubt Treibstoffe nur dann, wenn der Kohlenstoff nicht direkt aus Biomasse stammt.
Dadurch werden Verfahren bevorzugt, bei denen Biomasse zunächst verbrannt wird, um anschließend das entstehende CO₂ wieder einzufangen und weiterzuverwenden – obwohl dieser Umweg laut Studie deutlich mehr Energie verbraucht.
„Anstatt Innovation in Richtung der effizientesten Lösungen zu fördern, riskieren wir, uns auf weniger ressourceneffiziente Produktionsmethoden festzulegen“, warnt Henrik Thunman, Professor für Energietechnik an der Chalmers University.
Eigentlich sollen die EU-Regeln den Ausbau erneuerbarer Energien fördern und die Abhängigkeit von Biomasse reduzieren. Doch laut den Forschenden könnte das Gegenteil passieren: Die Nachfrage nach CO₂ aus Biomasseverbrennung könnte stark steigen, obwohl Biomasse eine begrenzte Ressource ist.
Die Wissenschaftler kritisieren deshalb, dass die Regulierung wichtige Aspekte wie Energieeffizienz und Ressourcenschonung bislang nicht ausreichend berücksichtigt.
„Die Regulierung droht gegen ihre eigenen Ziele zu arbeiten“, erklärt Thunman. „Definitionen nachhaltiger Treibstoffe sollten stärker an grundlegenden Energieprinzipien und an der effizienten Nutzung von Ressourcen ausgerichtet werden.“
Die Autorinnen und Autoren der Studie plädieren deshalb für eine Überarbeitung der EU-Vorgaben. Nur wenn Klimaziele, Energieeffizienz und wirtschaftliche Umsetzbarkeit besser aufeinander abgestimmt würden, könne der notwendige Ausbau nachhaltiger Flugtreibstoffe gelingen.
Die Studie wurde im Fachjournal Fuel veröffentlicht und entstand an der Chalmers University of Technology in Schweden.