Studie schlägt Alarm: Bis zu 70 Lithiumbatterien in jedem Müllwagen als potentielle Brandgefahr
Wien - Eine aktuelle Untersuchung der Montanuniversität Leoben zeigt, dass die Zahl der im Restmüll falsch entsorgten Lithiumbatterien innerhalb von zehn Jahren um 300 Prozent gestiegen ist. Experten warnen vor einer deutlichen Zunahme von Brandrisiken in Müllfahrzeugen, Sortieranlagen und Entsorgungsbetrieben.
Die Studie kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Pro Tonne Restmüll werden durchschnittlich acht Lithiumbatterien gefunden. Da ein Müllwagen rund 8,5 Tonnen Restmüll transportiert, befinden sich darin im Schnitt etwa 70 potenzielle Brandherde.
Lithiumbatterien stecken heute in einer Vielzahl von Alltagsprodukten – von Smartphones und elektrischen Zahnbürsten über Kinderspielzeug bis hin zu Einweg-E-Zigaretten oder sogar singenden Grußkarten. Mit der steigenden Verbreitung dieser Geräte wächst auch die Zahl der falsch entsorgten Batterien.
Laut den Forschern landen hochgerechnet jährlich rund 17 Millionen Lithiumbatterien im österreichischen Restmüll. Die Folgen sind gravierend: Werden Batterien beim Sammeln, Pressen oder Sortieren beschädigt, können sie sich entzünden und Brände auslösen.
„Das ist für die Abfallwirtschaft eine Katastrophe“, sagt Thomas Nigl von der Montanuniversität Leoben. Besonders besorgniserregend sei der starke Anstieg von Brandereignissen in den vergangenen zwei Jahren. Neben einer höheren Zahl von Bränden würden auch Schadenssummen, Branddauer und die betroffene Abfallmenge deutlich zunehmen.
Auch der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) sieht die Entwicklung mit Sorge. Allein im vergangenen Jahr dokumentierte der Verband 36 größere Brandereignisse in Betrieben der Abfall- und Ressourcenwirtschaft.
VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly spricht von einer ernsten Gefahr: „Falsch entsorgte Lithiumbatterien sind eine tickende Zeitbombe für unsere Beschäftigten, für die Umwelt, für den Fortbestand ganzer Betriebe und für die Entsorgungssicherheit in Österreich.“
Obwohl viele Unternehmen in moderne Brandschutzsysteme investiert haben, sieht der Verband die Ursache des Problems vor allem in der mangelhaften Rückgabe der Batterien.
Während Lithiumbatterien mittlerweile fast die Hälfte aller in Österreich verkauften Gerätebatterien ausmachen, werden nur vergleichsweise wenige ordnungsgemäß gesammelt. Im Jahr 2024 lag ihr Anteil an den in Verkehr gebrachten Gerätebatterien bereits bei rund 46,5 Prozent. Die Sammelquote betrug jedoch lediglich etwa 13 Prozent.
Auch insgesamt bleibt Österreich hinter den europäischen Vorgaben zurück. Bis 2030 muss die Sammelquote für Gerätebatterien laut EU auf 73 Prozent steigen. Derzeit werden österreichweit lediglich rund 53 Prozent erreicht.
Dabei enthalten Lithiumbatterien wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt oder Mangan, die durch Recycling zurückgewonnen und wiederverwendet werden könnten.
Besonders häufig fanden die Wissenschaftler Produkte mit fest verbauten Akkus im Restmüll. Dazu zählen Einweg-E-Zigaretten, elektronisches Spielzeug, elektrische Zahnbürsten sowie kleinere Elektrogeräte.
Nach Ansicht der Studienautoren reichen die bestehenden Sammelsysteme für Batterien und Elektroaltgeräte nicht mehr aus. Sie fordern daher zusätzliche Maßnahmen, darunter bessere Informationskampagnen, strengere Regelungen für Einweg-E-Zigaretten, eine stärkere Verantwortung der Hersteller sowie eine kontinuierliche Überwachung der Risiken.
„Lithiumbatterien zählen mittlerweile zu den zentralen Sicherheitsrisiken der österreichischen Abfall- und Kreislaufwirtschaft“, betont Studienautor Nigl. Ohne zusätzliche Maßnahmen sei mit einer weiteren Verschärfung der Situation zu rechnen.
Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe setzt sich deshalb für ein sogenanntes Cashback-System ein. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen bei der korrekten Rückgabe von Lithiumbatterien oder Geräten mit integrierten Akkus einen finanziellen Anreiz erhalten.
Nach Ansicht des VOEB könnte ein solches System dazu beitragen, die Zahl der Fehlwürfe deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die Sammelquote zu erhöhen.
Experten raten dringend dazu, Lithiumbatterien niemals über den Restmüll, die Altpapiertonne oder die Gelbe Tonne zu entsorgen. Stattdessen sollten sie bei Altstoffsammelzentren, Problemstoffsammelstellen oder im Handel abgegeben werden.
Vor der Rückgabe empfiehlt es sich, die Pole mit Klebeband abzukleben, um Kurzschlüsse zu verhindern. Beschädigte oder aufgeblähte Akkus sollten besonders vorsichtig behandelt werden. Zudem sollten Lithiumbatterien weder großer Hitze noch extremer Kälte ausgesetzt und nicht in der Nähe brennbarer Materialien gelagert werden.
Die neue Studie macht deutlich: Mit der zunehmenden Verbreitung von Akkus wächst auch die Verantwortung von Konsumenten, Herstellern und Politik. Andernfalls könnten die kleinen Energiespeicher für die österreichische Abfallwirtschaft zu einem immer größeren Sicherheitsrisiko werden.