Studie: Positive Alltagserlebnisse prägen junge Menschen stärker als Krisen
Die Forschenden analysierten offene Antworten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Zürcher Langzeitstudie z-proso, die im Alter von 15, 17, 20 und 24 Jahren nach besonders bedeutsamen Erlebnissen gefragt wurden. Das Ergebnis ist eindeutig: Rund 83 Prozent der genannten Ereignisse - also etwa 8 von 10 - waren positiv.
Besonders häufig nannten die Befragten Erfahrungen rund um Schule, Ausbildung und Lehre. Fast jede zweite Nennung fiel in diesen Bereich. Freundschaften und erste Liebesbeziehungen folgten mit rund zwölf Prozent. Auch persönliche Entwicklung, psychisches Wohlbefinden, Reisen und Auslandsaufenthalte wurden oft als prägende Erfahrungen beschrieben.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Jugend nicht primär aus Krisen besteht“, erklärt der klinische Entwicklungspsychologe David Bürgin von der Universität Zürich. Viele junge Menschen würden vor allem positive Entwicklungsschritte, Beziehungen und persönliche Erfolge als entscheidend für ihren Lebensweg wahrnehmen.
Die Studie zeigt jedoch auch, dass psychische Gesundheit einen großen Einfluss darauf hat, welche Ereignisse als besonders wichtig erlebt werden. Jugendliche und junge Erwachsene mit stärkeren Symptomen von Angst oder Depression berichteten deutlich häufiger von Konflikten, Verlusten, belastenden Beziehungserfahrungen oder persönlichen Misserfolgen. Positive Erlebnisse wie Reisen, Ausbildungserfolge oder sportliche Aktivitäten wurden von ihnen seltener genannt.
Für die Forschenden unterstreicht dies die Bedeutung eines breiten Blicks auf die Förderung junger Menschen. Unterstützungsangebote sollten sich nicht nur auf die Bewältigung von Problemen konzentrieren, sondern auch positive Erfahrungen, stabile Beziehungen und das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken.
Mit zunehmendem Alter verschieben sich die Prioritäten. Während in der Jugend Schule, Freundschaften und Freizeitaktivitäten dominieren, gewinnen später Ausbildung, Beruf, Partnerschaft und Selbstständigkeit an Bedeutung. Themen wie Sport oder Ausgehen treten in den Hintergrund, während Wohnen, Arbeit und Familiengründung wichtiger werden.
Trotz gewisser Unterschiede nach Geschlecht, sozialem Hintergrund oder Migrationserfahrung ähnelten sich die wichtigsten Lebensthemen über alle Gruppen hinweg erstaunlich stark.
Für die Auswertung nutzte das Forschungsteam moderne Methoden der automatisierten Sprachverarbeitung. Dadurch konnten tausende frei formulierte Antworten systematisch analysiert werden, ohne die individuelle Sichtweise der Jugendlichen zu verlieren.
Die Studie zählt zu den ersten großen Langzeituntersuchungen weltweit, die solche Verfahren einsetzen. Sie liefert damit nicht nur neue Erkenntnisse über die Lebenswelt junger Menschen, sondern zeigt auch, dass die prägenden Erinnerungen der Jugend weit häufiger von positiven Erfahrungen als von Krisen bestimmt werden.
David Bürgin, Christina Haag, Lynn Alison Büeler, Laura Bechtiger, Clarissa Janousch, Elena Feldmann, Denis Ribeaud, Manuel Eisner, Viktor von Wyl, Lilly Shanahan. Personally meaningful life events from adolescence to young adulthood: A longitudinal natural language processing analysis. Journal of Child Psychology and Psychiatry. 22 June, 2026. DOI: 10.1111/jcpp.70169
Die Studie ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Jacobs Center for Productive Youth Development und dem Institut für Epidemiologie, Biostatistik & Prävention der Universität Zürich. Das Projekt wurde durch das UZH Population Research Center im Rahmen seines Seed Grants Programms unterstützt.