Studie: KI macht Rechenzentren deutlich klimaschädlicher
Die rasante Verbreitung von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) verändert nicht nur die digitale Wirtschaft, sondern auch den Energiebedarf weltweit. Laut einer aktuellen Studie des Kreditversicherers Allianz Trade verursachen Rechenzentren bereits heute deutlich mehr Treibhausgasemissionen als bislang angenommen. Ohne zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen könnte sich ihre CO₂-Belastung bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als verdoppeln.
Schon heute entfallen nach Angaben der Studie 15 bis 20 Prozent des Stromverbrauchs von Rechenzentren auf KI-Anwendungen. Bis 2030 könnte dieser Anteil auf rund 40 Prozent steigen. Gleichzeitig erwarten die Studienautoren, dass sich die weltweit installierte Kapazität von Rechenzentren bis dahin verdoppelt. Damit wachsen nicht nur der Strombedarf, sondern auch der Wasserverbrauch erheblich.
Standort entscheidet über Klimabilanz
Wie klimafreundlich KI tatsächlich ist, hängt laut der Studie maßgeblich davon ab, wo die Rechenzentren betrieben werden. Der Grund: Der CO₂-Ausstoß variiert je nach Strommix erheblich.
Während in Ländern wie Indien, Indonesien oder Malaysia bei der Stromerzeugung mehr als 600 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde entstehen, liegen die Werte in Norwegen und Schweden dank eines hohen Anteils erneuerbarer Energien bei weniger als 30 Gramm.
Europa verfüge deshalb grundsätzlich über gute Voraussetzungen für eine klimafreundliche KI-Infrastruktur. Deutschland schneidet jedoch vergleichsweise schlecht ab. Mit 329 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde liegt die Bundesrepublik zwar unter den Werten der USA (384 Gramm) und Chinas (526 Gramm), innerhalb Europas gehört sie aber zu den emissionsintensiveren Ländern. Als Ursache nennt die Studie unter anderem den weiterhin hohen Anteil von Kohlekraft sowie Biomasse an der Stromerzeugung.
Emissionen deutlich höher als bisher geschätzt
Besonders auffällig ist die neue Berechnung der Klimabelastung. Für das Jahr 2025 gehen die Autoren von weltweit rund 286 Millionen Tonnen CO₂ aus – etwa 57 Prozent mehr, als frühere Schätzungen vermuten ließen.
Über 70 Prozent dieser Emissionen entstehen durch den Stromverbrauch der Rechenzentren. Rund ein Viertel entfällt auf Herstellung und Bau der notwendigen Hardware und Infrastruktur. Allein KI-Anwendungen verursachen demnach bereits heute zwischen 43 und 60 Millionen Tonnen CO₂ jährlich.
Rund 70 Prozent der gesamten Emissionen entstehen derzeit in den USA und China. Ohne einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien könnten die Emissionen bis 2030 auf 643 Millionen Tonnen CO₂ anwachsen. In einem ambitionierten Klimaschutzszenario ließen sie sich hingegen auf rund 329 Millionen Tonnen begrenzen.
Auch Wasserverbrauch steigt massiv
Neben dem Strombedarf wächst auch der Wasserverbrauch der digitalen Infrastruktur. Nach Berechnungen der Studie verbrauchten Rechenzentren im Jahr 2025 weltweit rund 814 Milliarden Liter Wasser. Bis 2030 könnte sich dieser Wert auf bis zu 1,8 Billionen Liter erhöhen.
Auch die volkswirtschaftlichen Kosten der Emissionen steigen deutlich. Die durch Rechenzentren verursachten Klimaschäden beziffert Allianz Trade derzeit auf rund 68 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Bis Ende des Jahrzehnts könnten sie auf 154 Milliarden US-Dollar anwachsen.
KI kann auch Teil der Lösung sein
Trotz der ernüchternden Zahlen sehen die Studienautoren KI nicht nur als Teil des Problems. Richtig eingesetzt könne sie helfen, Energie effizienter zu nutzen, Stromnetze zu optimieren oder Industrieprozesse klimafreundlicher zu gestalten.
Ob KI langfristig zu einer Senkung der Emissionen beiträgt, hänge jedoch entscheidend von der Energieversorgung der Rechenzentren ab. Der Schlüssel zu einer wirklich nachhaltigen "Green AI" liege in einem konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien und einer klugen Standortwahl für neue Rechenzentren.
Europa habe dafür grundsätzlich gute Voraussetzungen. Ohne einen beschleunigten Ausbau sauberer Energiequellen könnte dieser Vorsprung jedoch schnell verloren gehen.
Quelle: Studie "Code, Carbon, Kilowatts" von Allianz Trade (30. Juni 2026).