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Steiermark auf Kurs bei der Energiewende: Ökostrom-Ziel für 2030 bereits erreicht

23.06.2026

Bioenergie überholt Erdgas - Herausforderungen bleiben bei Verkehr und Industrie

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© Österreichischer Biomasseverban

Graz- Die Steiermark zählt zu den Vorreitern der Energiewende in Österreich. Das zeigt der aktuelle Energiewende-Check des Österreichischen Biomasse-Verbandes. Demnach hat das Bundesland seinen Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch innerhalb von nur zwei Jahren von 32 auf 40 Prozent gesteigert. Das in der Klima- und Energiestrategie Steiermark (KESS) 2030 plus festgelegte Ziel von 55 Prozent erneuerbarer Energie bis 2030 rückt damit in greifbare Nähe.
 

Energielandesrätin Simone Schmiedtbauer sieht die Entwicklung als Bestätigung des eingeschlagenen Weges: Die Steiermark setze konsequent auf regionale Energiequellen wie Biomasse, Photovoltaik, Wasserkraft und Windenergie, um Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Klimaschutz miteinander zu verbinden.
 

Deutlicher Rückgang der Emissionen

 

Besonders erfolgreich war die Steiermark in den Bereichen Energieversorgung und Gebäude. Seit 1990 sanken die Treibhausgasemissionen im Energiesektor um 82 Prozent. Hauptgrund ist der nahezu vollständige Ausstieg aus der Kohle bei der Strom- und Fernwärmeerzeugung. Im Gebäudesektor gingen die Emissionen um 64 Prozent zurück - dank besserer Wärmedämmung, milderer Winter und der verstärkten Nutzung erneuerbarer Heizsysteme.

Weniger positiv fällt die Bilanz bei Industrie und Verkehr aus. Beide Bereiche verursachen gemeinsam rund 71 Prozent der steirischen Treibhausgasemissionen und gelten als größte Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität.
 

Steirische Haushalte sparen am meisten CO₂

 

Bei den Emissionen für Heizung, Warmwasser und Kochen verzeichnen steirische Haushalte österreichweit den stärksten Rückgang. Seit 1990 sanken die CO₂-Emissionen um 65 Prozent. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten Holzheizungen, Wärmepumpen und erneuerbare Fernwärme.
 

Holz bleibt dabei ein zentraler Energieträger. Rund 126.000 Haushalte nutzen eine Holzheizung als Hauptsystem. Besonders stark wächst die Nachfrage nach Pelletsheizungen. Zwischen 2021 und 2025 wurden mehr als 17.000 neue Pelletskessel installiert. Gleichzeitig gewinnen kombinierte Scheitholz-Pellet-Anlagen an Bedeutung. Auch Wärmepumpen sind auf dem Vormarsch: Rund 69.000 Anlagen sind bereits in Betrieb.
 

Zahl der Ölheizungen halbiert

 

Trotz der Fortschritte spielt Heizöl in der Steiermark weiterhin eine wichtige Rolle. Mit einem Anteil von 21 Prozent ist es nach Biomasse noch immer einer der bedeutendsten Energieträger für die Raumwärme. Allerdings hat sich die Zahl der Ölheizungen in den vergangenen 20 Jahren nahezu halbiert und liegt heute bei rund 87.000 Anlagen.
 

Die Zahl der Gasheizungen blieb dagegen mit etwa 41.000 Geräten weitgehend konstant. Erst seit 2022 ist ein deutlicher Rückgang bei Neuinstallationen fossiler Heizsysteme zu beobachten.
 

Biomasse dominiert die Fernwärme

 

Besonders dynamisch entwickelt sich die Fernwärmeversorgung. Während im Jahr 2005 nur rund ein Viertel der Fernwärme aus Biomasse stammte, lag ihr Anteil 2024 bereits bei 61 Prozent. Kohle und Heizöl wurden nahezu vollständig verdrängt.
 

Rund 600 Biomasseheizwerke sorgen mittlerweile für einen Großteil der erneuerbaren Fernwärme. Seit 2022 wurden zusätzliche Anlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 75 Megawatt errichtet oder erweitert.
 

Fernwärme versorgt heute bereits 206.000 Haushalte. Allein in Graz beziehen mehr als 90.000 Wohnungen Wärme aus dem Netz. Die Landeshauptstadt verfolgt das Ziel, ihre Fernwärmeversorgung bis 2040 vollständig klimaneutral zu gestalten. Geothermie, Solarwärme und neue Großprojekte sollen dabei eine wichtige Rolle spielen.
 

Erneuerbare Energien auf Rekordniveau

 

Der gesamte Energieverbrauch der Steiermark sank 2024 auf 209 Petajoule und damit auf den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2000. Gleichzeitig erreichten die erneuerbaren Energien mit 83 Petajoule einen historischen Höchststand.
 

Bioenergie nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Mit 54 Petajoule deckt sie mehr als ein Viertel des gesamten Energiebedarfs des Bundeslandes und stellt rund 65 Prozent aller erneuerbaren Energien. Damit hat die Bioenergie mittlerweile Erdgas als Energieträger deutlich überholt.
 

Besonders stark zugenommen haben die Nutzung von Hackgut, Pellets und industriellen Nebenprodukten aus der Papier- und Zellstoffindustrie. Biomasse liefert zudem knapp neun Prozent des steirischen Stroms.
 

Ökostrom-Ziel für 2030 bereits übertroffen

 

Ein besonderer Erfolg ist die Entwicklung bei der Stromerzeugung. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromaufkommen stieg innerhalb von fünf Jahren von 50 auf 66 Prozent. Damit wurde das ursprünglich für 2030 angestrebte Ziel von 65 Prozent bereits 2024 überschritten.
 

Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die Photovoltaik. Nach dem Rekordausbau von mehr als 520 Megawatt im Jahr 2023 kamen 2024 weitere 340 Megawatt hinzu. Die Solarstromproduktion hat sich innerhalb von fünf Jahren vervierfacht und erreicht inzwischen 1,5 Terawattstunden. Bis 2030 soll sie auf 2,8 Terawattstunden steigen.

Auch die Windkraft wächst kontinuierlich. Die derzeit 121 Anlagen erzeugten 2024 rund 0,6 Terawattstunden Strom. Bis 2030 sollen 250 Windräder mit einer Gesamtleistung von 1.000 Megawatt in Betrieb sein.
 

Wasserkraft bleibt unverzichtbar – und verletzlich

 

Mit knapp 1.000 Megawatt installierter Leistung bleibt die Wasserkraft das Rückgrat der steirischen Stromversorgung. Doch die zunehmende Trockenheit stellt die Branche vor Herausforderungen. Nach einem Rekordjahr 2024 brach die österreichische Wasserkraftproduktion 2025 aufgrund extremer Trockenheit um rund ein Viertel ein. Auch für 2026 rechnen Experten mit schwierigen Bedingungen.
 

Industrie und Verkehr bremsen die Klimabilanz

 

Während die Energiewende im Strom- und Wärmesektor große Fortschritte macht, bleiben Industrie und Verkehr die Problemfelder der steirischen Klimapolitik.
 

Die Industrie verursacht 43 Prozent der Treibhausgasemissionen, insbesondere durch die Eisen- und Stahlerzeugung. Der Einsatz von Kohle in Hochöfen sowie der hohe Erdgasverbrauch erschweren die Dekarbonisierung. Künftig sollen Biomethan und erneuerbarer Wasserstoff fossile Energieträger ersetzen.
 

Auch der Verkehr entwickelt sich bislang zu langsam. Die Emissionen liegen heute um 48 Prozent höher als 1990. Zwar sank der Dieselverbrauch zuletzt deutlich, doch reine Elektroautos machen mit rund 33.800 Fahrzeugen erst 4,2 Prozent des Pkw-Bestands aus. Der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor beträgt lediglich zwölf Prozent.
 

Gute Ausgangsposition, aber noch großer Handlungsbedarf

 

Die Bilanz der Steiermark zeigt, dass die Energiewende bereits deutliche Erfolge erzielt. Der Ausbau von Biomasse, Photovoltaik, Windkraft und erneuerbarer Fernwärme hat das Bundesland bei Strom und Wärme auf einen vielversprechenden Kurs gebracht. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 nur gelingen kann, wenn insbesondere Industrie und Verkehr deutlich schneller transformiert werden.

Die Steiermark hat damit zwar wichtige Etappenziele erreicht, aber die entscheidenden Herausforderungen der Energiewende liegen  trotzdem noch vor ihr.

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