Sonnenboom stoppt fossile Stromexpansion
Die globale Energiewende erreicht einen historischen Meilenstein: Der Boom der Solarenergie hat 2025 erstmals verhindert, dass die Stromerzeugung aus fossilen Quellen, prozentuell gesehen, weiter wächst. Gleichzeitig haben erneuerbare Energien die Kohle als wichtigste Stromquelle überholt. Das zeigt der aktuelle Global Electricity Review 2026 der Denkfabrik Ember.
Der Bericht liefert eine der umfassendsten Analysen des weltweiten Stromsystems. Er wertet Daten aus 215 Ländern aus, darunter aktuelle Zahlen für 91 Staaten, die zusammen 93 Prozent des globalen Strombedarfs abdecken. Ergänzt wird die Analyse durch regionale Auswertungen – etwa für Afrika, Asien, die EU oder die G7 – sowie vertiefende Einblicke in die größten Stromverbraucher der Welt, die gemeinsam rund 72 Prozent der Nachfrage ausmachen. Erstmals stellt Ember zudem einen frei zugänglichen globalen Datensatz zur Stromerzeugung bereit.
Die zentrale Erkenntnis: Der gesamte Zuwachs des weltweiten Strombedarfs im Jahr 2025 wurde durch saubere Energie gedeckt. Damit blieb die fossile Stromproduktion anteilig gesehen erstmals seit 2020 ohne Wachstum – und erst zum fünften Mal in diesem Jahrhundert überhaupt.
Vor allem Solarenergie treibt diese Entwicklung an. Sie allein deckte rund drei Viertel des zusätzlichen Strombedarfs. Ihr Ausbau war 18-mal so groß wie jener von Erdgas, dem einzigen fossilen Energieträger mit leichtem Zuwachs. Inzwischen erzeugt Solarstrom weltweit so viel Energie wie die gesamte Europäische Union verbraucht.
Ein besonders starkes Signal kommt aus China und Indien – zwei Ländern, die lange als Haupttreiber des fossilen Wachstums galten. Beide verzeichneten 2025 erstmals einen Rückgang der fossilen Stromerzeugung, obwohl der Strombedarf weiter stieg. Grund dafür ist der massive Ausbau erneuerbarer Energien, der das Nachfragewachstum übertraf.
China dominierte erneut den globalen Solarausbau und war für mehr als die Hälfte des weltweiten Zuwachses verantwortlich. Indien wiederum installierte erstmals mehr neue Solarkapazität als die USA und verdoppelte den bisherigen Rekord beim Ausbau erneuerbarer Energien.
2025 markiert auch einen symbolisch bedeutenden Umbruch: Erneuerbare Energien – darunter Solar-, Wind- und Wasserkraft – lieferten erstmals mehr als ein Drittel des weltweiten Stroms und überholten damit die Kohle. Deren Anteil fiel gleichzeitig erstmals unter ein Drittel.
Dieser Moment gilt als Wendepunkt: Saubere Energie ist nicht mehr nur Ergänzung, sondern zunehmend tragende Säule des globalen Energiesystems.
Parallel zum Solarboom wächst auch die Bedeutung von Batteriespeichern. Sinkende Kosten – minus 20 Prozent im Jahr 2024 und weitere 45 Prozent im Jahr 2025 – sowie ein starker Ausbau (plus 46 Prozent auf etwa 250 GWh) ermöglichen eine neue Phase: Strom aus Sonnenenergie wird zunehmend unabhängig von Tageszeiten nutzbar.
Weltweit konnten bereits 14 Prozent der neuen Solarstromproduktion zeitlich verschoben werden. Vorreiterländer wie Chile und Australien erreichen sogar Werte von über 50 Prozent – mit spürbaren Effekten wie sinkenden Strompreisen und weniger Energieverlusten.
Im Vorwort des Berichts betont Bryony Worthington, Gründerin und Vorstandsvorsitzende von Ember, dass das fossile Energiesystem zunehmend unter Druck gerät. Preisschwankungen, geopolitische Risiken und Lieferunsicherheiten seien keine vorübergehenden Probleme, sondern strukturelle Schwächen.
Die Alternative sei jedoch längst sichtbar: ein Energiesystem, in dem saubere Technologien nicht nur wachsen, sondern zunehmend die Nachfrage bestimmen.
Trotz aller Fortschritte bleibt die Transformation unvollständig. Fossile Energien spielen weiterhin eine bedeutende Rolle, und der Ausbau erneuerbarer Energien verläuft regional unterschiedlich schnell.
Doch der Trend ist eindeutig: Die Technologien der Energiewende skalieren rasant – allen voran die Solarenergie. Was lange als Zukunftsvision galt, wird zunehmend zur globalen Realität.