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Solarpark Varel setzt neue Maßstäbe: Drei Photovoltaik-Konzepte auf einer Fläche vereint

15.04.2026

Moor-PV, Agri-PV und klassische Freiflächenanlagen

varel.jpg
© Wi Energy

Varel – In nur zwölf Monaten Bauzeit ist im niedersächsischen Varel ein Photovoltaikprojekt entstanden, das in Deutschland bislang einzigartig ist: Auf rund 40 Hektar vereint der neue Solarpark erstmals Moor-PV, Agri-PV und klassische Freiflächenanlagen auf einem zusammenhängenden Standort. Mit einer installierten Leistung von 38,8 Megawatt-Peak zählt die Anlage zu den innovativsten ihrer Art bundesweit.

Realisiert wurde das Projekt von der WI Energy GmbH, der emt²gruppe sowie den Landwirten Andreas Rengstorf und Lars Kaper. Gemeinsam entwickelten sie ein Konzept, das ökologische und wirtschaftliche Interessen eng miteinander verzahnt.
 

Doppelter Klimanutzen auf Moorflächen
 

Im Zentrum des Projekts steht die Nutzung entwässerter Moorböden – eine der größten Quellen für Treibhausgasemissionen in Deutschland. Durch die gezielte Wiedervernässung dieser Flächen wird die Freisetzung von CO₂ deutlich reduziert. Gleichzeitig erzeugt die installierte Photovoltaik klimafreundlichen Strom. So entsteht ein doppelter Effekt für den Klimaschutz.
 

Ein weiterer innovativer Baustein ist die Agri-PV-Nutzung: Auf einer Teilfläche von etwa einem Hektar sind die Solarmodule so hoch aufgeständert, dass sie landwirtschaftlich nutzbar bleibt. Mit einer Mindesthöhe von 2,10 Metern können dort nicht nur Schafe, sondern auch Rinder unter den Modulen grasen. Landwirtschaft und Energieproduktion greifen hier ineinander – ohne Flächenkonkurrenz.
 

Regionale Partnerschaft als Erfolgsfaktor
 

Die Umsetzung des Projekts basiert auf enger regionaler Zusammenarbeit. Die beteiligten Landwirte stellten nicht nur eigene Flächen zur Verfügung, sondern banden auch weitere Grundstückseigentümer ein. So konnte eine zusammenhängende Fläche gesichert werden. Langfristige Pachtverträge über 30 Jahre schaffen Planungssicherheit für alle Beteiligten.
 

Während die emt²gruppe als Generalunternehmen die bauliche Umsetzung verantwortete, übernahm WI Energy Planung, Finanzierung und Betrieb. „Das Projekt hat von Beginn an vom intensiven Austausch aller Beteiligten profitiert“, betont Landwirt Andreas Rengstorf.
 

Technische Herausforderungen gemeistert

 

Die Bauarbeiten stellten das Projektteam vor erhebliche Herausforderungen. Der saure Moorboden mit einem pH-Wert von etwa 4,2 erforderte spezielle Beschichtungen und besonders tiefe Gründungen von bis zu 4,5 Metern. Auch der Transport der bis zu 25 Tonnen schweren Trafostationen gestaltete sich auf dem weichen Untergrund anspruchsvoll – teilweise kamen Traktoren zum Einsatz.
 

Trotz dieser Bedingungen konnte der Netzanschluss bereits im Dezember 2025 erfolgen – mehr als ein halbes Jahr früher als ursprünglich geplant. Möglich wurde dies durch parallelisierte Bauabläufe, bei denen Installation und Netzinfrastruktur gleichzeitig vorangetrieben wurden.
 

Auch technologisch setzt die Anlage Maßstäbe: Zum Einsatz kommen bifaziale Solarmodule, die neben direkter Sonneneinstrahlung auch reflektiertes Licht nutzen. Gerade die feuchten Moorflächen erhöhen diesen Effekt und steigern den Energieertrag zusätzlich.
 

Strom für tausende Haushalte – Beteiligung für die Region

 

Mit einer erwarteten Jahresproduktion von rund 40 Millionen Kilowattstunden kann der Solarpark rechnerisch über 9.000 Haushalte mit grünem Strom versorgen. Die jährliche CO₂-Einsparung liegt bei mehr als 23.000 Tonnen – ohne die zusätzlichen Effekte der Moorwiedervernässung.
 

Die wirtschaftliche Struktur des Projekts setzt auf breite Beteiligung: Bürgerinnen und Bürger sowie regionale Landwirte konnten sich frühzeitig finanziell einbringen – über Direktbeteiligungen, Realeigentum oder Crowdfunding. Ergänzt wird dieses Modell durch eine Bürgerenergiegenossenschaft, an der sich auch eine regionale Bank und die Stadt Varel beteiligen. So wird die Energiewende vor Ort mitgetragen.

Ein digitales Smart-Metering-System sorgt zudem für Transparenz: Jede beteiligte Einheit kann ihre Stromproduktion in Echtzeit nachvollziehen.
 

Für Michael Reichert, Geschäftsführer von WI Energy, ist das Projekt ein Modell für die Zukunft: „Der Solarpark in Varel zeigt, dass Klimaschutz, wirtschaftliche Wertschöpfung und regionale Identität keine Gegensätze sind – sondern sich gegenseitig stärken.“

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15.04.2026 | Autor*in: Doris Holler-Bruckner
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