Solarpark im Damwildgatter: In Sötern verbindet ein neues Projekt Tierhaltung und Energiewende
Die Anlage wurde am 1. September 2026 gemeinsam mit der saarländischen Umweltministerin Petra Berg offiziell eröffnet. Nach Angaben von Perigus Energy handelt es sich um die erste großflächige Freiflächen-Solaranlage Deutschlands in einem Damwildgatter.
„Die Eröffnung der WildparkPV-Anlage ist ein saarländischer Meilenstein für den Umwelt- und Klimaschutz und die Wirtschaft“, erklärte Berg bei der Eröffnung. Der Weiherhof zeige, wie nachhaltige, moderne und zukunftsorientierte Landwirtschaft funktionieren könne.
9,5 Millionen Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr
Die aufgeständerte Photovoltaikanlage kommt auf eine Leistung von 8,3 Megawattpeak (MWp). Erwartet wird eine jährliche Stromproduktion von rund 9,5 Millionen Kilowattstunden. Damit könnte rechnerisch der Jahresstrombedarf von etwa 3.200 Haushalten gedeckt werden.
Gleichzeitig sollen jährlich rund 5.530 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Das Besondere liegt allerdings weniger in der reinen Solarleistung als in der Nutzung der Fläche: Die Photovoltaik soll die Damwildhaltung nicht verdrängen, sondern mit ihr kombiniert werden.
Module aufgeständert: Tiere bleiben auf der Fläche
Damit das funktioniert, wurden die Solarmodule deutlich über dem Boden montiert. Die Bodenfreiheit beträgt je nach Bereich 1,60 bis 1,80 Meter. Dadurch können sich die Tiere unter den Modulreihen bewegen und die vorhandenen Weideflächen weiterhin nutzen.
Gleichzeitig können die Solarmodule einen zusätzlichen landwirtschaftlichen Nutzen bieten: Sie spenden Schatten und schützen die Tiere bei intensiver Sonneneinstrahlung und großer Hitze. Auch für die Vegetation unter den Modulen kann die Teilbeschattung Vorteile haben. Gerade in trockenen Sommerperioden könnte sie dazu beitragen, die Bedingungen auf den Weideflächen zu stabilisieren.
Für die Sicherheit wurden unter anderem ein spezieller Wildschutzzaun sowie an die Tierhaltung angepasste Lösungen für Kabel und Wechselrichter installiert.
Rund 150 Damhirsche sind bereits zurück
Die Bauarbeiten dauerten rund neun Monate. Während dieser Zeit wurde die etwa 150 Tiere umfassende Damwildherde auf andere Gatterflächen gebracht. Nach Abschluss der Arbeiten Ende Juli konnten die Tiere wieder auf die umgestaltete Fläche zurückkehren.
Die ersten Erfahrungen stimmen die Betreiber positiv. „Die Tiere nehmen die umgestalteten Flächen gut an und bewegen sich selbstverständlich unter und zwischen den Modulreihen“, berichtet Wolfgang Welter, Inhaber und Betreiber des Weiherhofs.
Das Verhalten der Tiere soll weiterhin beobachtet und dokumentiert werden. Die Erkenntnisse aus dem laufenden Betrieb könnten auch für weitere Projekte interessant sein, bei denen Photovoltaik mit Tierhaltung kombiniert werden soll.
Flächennutzung statt Flächenkonkurrenz
Das Projekt zeigt einen Ansatz, der für den weiteren Ausbau der Photovoltaik zunehmend an Bedeutung gewinnen könnte: Solaranlagen müssen landwirtschaftliche Nutzung und Energieerzeugung nicht gegeneinander ausspielen.
Bei der WildparkPV-Anlage wird die Fläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt, während gleichzeitig Solarstrom erzeugt wird. Durch die Aufständerung entsteht zudem eine zusätzliche Funktion der Module als Schattenspender für die Tiere.
Annemarie Röbl, Leiterin Projektmanagement und Prokuristin bei Perigus Energy Deutschland, betont, dass bei der Planung sowohl die Bedürfnisse der Tiere als auch die Anforderungen an eine leistungsfähige Energieerzeugung berücksichtigt worden seien.
Ob sich das Konzept tatsächlich auf andere Tierhaltungen übertragen lässt, wird sich allerdings erst mit den Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb zeigen. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Tierart, Haltungssystem, Standort und Ausgestaltung der PV-Anlage erheblich.
Auch Gemeinde Nohfelden profitiert
Neben der Landwirtschaft und der Stromerzeugung soll auch die Standortgemeinde Nohfelden finanziell profitieren. Über den im Erneuerbare-Energien-Gesetz vorgesehenen Kommunalbonus nach § 6 EEG erhält die Gemeinde für den eingespeisten Solarstrom bis zu 0,2 Cent pro Kilowattstunde.
Bei einer erwarteten Jahresproduktion von 9,5 Millionen Kilowattstunden entspräche das, sofern die Voraussetzungen für die vollständige Zahlung erfüllt sind, rechnerisch bis zu rund 19.000 Euro pro Jahr.
Damit verbindet das Projekt mehrere Ebenen: landwirtschaftliche Nutzung, erneuerbare Stromproduktion, Tierwohl, regionale Wertschöpfung und eine finanzielle Beteiligung der Standortgemeinde.
Ein Modell für die nächste Generation der Agri-PV?
Die WildparkPV-Anlage Sötern ist damit mehr als ein weiterer Solarpark. Sie ist ein Praxistest dafür, wie Photovoltaik und Landwirtschaft auf derselben Fläche funktionieren können, wenn die Anlage konsequent an die landwirtschaftliche Nutzung angepasst wird.
Ob sich aufgeständerte PV-Anlagen in Tiergehegen wirtschaftlich und ökologisch breiter durchsetzen, werden die Erfahrungen der kommenden Jahre zeigen. In Sötern ist dafür nun der praktische Test gestartet.
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