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Solarenergie: Der Retter für Europas Stromnetz

03.09.2026

Rekordhitze und Dürre haben Europas Energiesystem im Sommer 2026 massiv unter Druck gesetzt. Der Strombedarf stieg, während Atomkraftwerke, Gas- und Kohlekraftwerke sowie Wasserkraftwerke mit den Folgen der extremen Temperaturen und niedrigen Wasserstände kämpften. Eine Energiequelle erwies sich jedoch als besonders zuverlässig: Photovoltaik.

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Photovoltaik © Rayyân unsplash.com
Europa hat im Sommer 2026 erlebt, wie eng Klimawandel und Stromversorgung inzwischen miteinander verbunden sind. Mehrere Hitzewellen ließen die Temperaturen in weiten Teilen Europas  auf über 40 Grad steigen. Gleichzeitig verschärfte eine lang anhaltende Dürre die Situation. Klimaanlagen trieben den Stromverbrauch nach oben, während ausgerechnet jene Kraftwerke, die traditionell einen großen Teil der Versorgung absichern, teilweise viel weniger leisten konnten.
 

Solarenergie wurde in dieser Situation zum entscheidenden Stabilitätsfaktor.
 

Eine aktuelle Analyse des Energie-Thinktanks Ember zeigt: Während andere Erzeugungsarten unter der Hitze litten, erreichte die Sonnenstromproduktion neue Rekordwerte. Im Juni und Juli 2026 deckte Photovoltaik erstmals in beiden Monaten jeweils 25 Prozent des EU-Stromverbrauchs.  


Strombedarf steigt bei 40 Grad deutlich

Die Hitzewellen sorgten auch, vor allem durch den zunehmenden Einsatz von Klimaanlagen,  für einen erheblichen Mehrverbrauch.

In Italien lag der tägliche Strombedarf während der Hitzewellen bis zu 28 Prozent über dem Niveau der Vergleichswoche des Vorjahres. In Ungarn waren es bis zu 23 Prozent, in Frankreich 14 Prozent und in Spanien 13 Prozent. Auch die Spitzenlast stieg deutlich: In Ungarn um bis zu 17 Prozent, in Italien um 14 Prozent.

Damit entstand genau jene Situation, die für Stromnetze besonders problematisch ist: Der Verbrauch steigt stark, während gleichzeitig Kraftwerke aufgrund der Hitze und Trockenheit mit starken Einschränkungen kämpfen. 

Atomkraft gerät durch Hitze und Wassermangel unter Druck

Besonders deutlich wurde das bei der Atomkraft. Viele thermische Kraftwerke,  genauso wie  Kernkraftwerke,  benötigen  große Mengen Wasser zur Kühlung. Bei extrem hohen Fluss- und Wassertemperaturen oder niedrigen Wasserständen wird die Kühlung  weit schwieriger.
 

In Ungarn und Rumänien führten rekordniedrige Wasserstände der Donau zu deutlichen Einschränkungen der beiden nationalen Atomkraftwerke. Diese Anlagen liefern normalerweise rund 40 beziehungsweise 15 Prozent der jeweiligen Stromproduktion.
 

Auch in der Schweiz musste im Juni ein Reaktor vorübergehend abgeschaltet werden, weil die Temperatur des Flusswassers zu hoch war.
 

In Frankreich, Europas größtem Atomstromproduzenten, gelten zusätzlich strenge Umweltauflagen für die Einleitung von erwärmtem Kühlwasser in Flüsse. Am 12. Juli waren dort  rund  29 GW beziehungsweise 43 Prozent der französischen Nuklearkapazität nicht verfügbar. 


Auch Gas und Kohle sind nicht immun gegen Hitze

Nicht nur Atomkraftwerke sind von Hitzeproblemen betroffen. Auch Gas- und Kohlekraftwerke benötigen Kühlwasser.
 

Während der Rekordhitze im Juni meldeten in Großbritannien fünf Gaskraftwerke Leistungseinbußen. Dadurch standen rund 2,5 GW weniger Leistung zur Verfügung. In Italien könnten die niedrigen Wasserstände des Po laut den analysierten Daten bis zu 32 Prozent der thermischen Kraftwerkskapazität beeinträchtigt haben.
 

In Polen mussten auch Kohlekraftwerke ihre Leistung reduzieren, weil die Wasserstände der Weichsel kritisch niedrig waren. Auch in Serbien führten niedrige Pegelstände der Donau zu Einschränkungen bei Kohlekraftwerken. 


Wasserkraft auf niedrigstem Juli-Niveau seit mindestens zehn Jahren
 

Die Kombination aus Hitze und Dürre traf auch die Wasserkraft hart.
 

Die EU-Wasserkraftproduktion lag im Mai, Juni und Juli 2026 jeweils auf dem niedrigsten Niveau seit mindestens einem Jahrzehnt. Im Juli produzierten sieben der acht größten Wasserkraftländer der EU weniger Wasserkraft als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
 

Damit fehlte ausgerechnet in einer Phase hoher Nachfrage eine weitere wichtige Säule der Stromversorgung. 


Photovoltaik produziert genau dann, wenn sie gebraucht wird

Die große Ausnahme war Solarenergie.

Während der Hitzewellen stieg die durchschnittliche tägliche Solarstromproduktion beispielsweise in Frankreich und Ungarn um 17 Prozent gegenüber anderen Tagen im Juni und Juli. In Spanien lag sie um fünf Prozent höher.
 

Noch wichtiger als die zusätzliche Strommenge war jedoch der Zeitpunkt: Solarstrom wird vor allem während des Tages erzeugt, also genau dann, wenn Klimaanlagen besonders stark laufen.

Im Juni erreichte die Solarstromproduktion in der EU mit 52 TWh einen neuen Rekord. Im Juli folgte mit 55 TWh ein weiterer Höchstwert. In beiden Monaten stammte damit ein Viertel des gesamten EU-Stroms aus Solarenergie. 


Solarstrom kann Klimaanlagen direkt versorgen
 

Das Zusammenspiel von Hitze und Photovoltaik ist deshalb besonders interessant. Die Wetterlagen, die Hitzewellen bringen, sorgen häufig gleichzeitig für wolkenarmen Himmel und damit gute Bedingungen für Sonnenstrom.

Ember errechnete z.B., dass eine typische britische Dachsolaranlage während der Juni-Hitzewelle genug Strom erzeugen konnte, um eine typische Klimaanlage eines Haushalts rund fünf Stunden zu betreiben.
 

Damit wird Photovoltaik bei zunehmender Hitze nicht nur zu einer Klimaschutztechnologie, sondern zunehmend auch zu einer Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel. 


Das Problem beginnt nach Sonnenuntergang

Aber  der Sommer 2026  zeigte auch die Schwachstelle des Systems.

Die größten Preisprobleme traten nicht während der sonnigen Mittagsstunden auf, sondern am frühen Abend. Sobald die Solarproduktion zurückgeht, laufen Klimaanlagen vielerorts weiter. Gleichzeitig müssen dann andere Kraftwerke einspringen.
 

Während der Hitzewellen stiegen die durchschnittlichen Tagesstrompreise in Ungarn um 119 Prozent, in Frankreich um 44 Prozent, in Italien um 13 Prozent und in Spanien um sieben Prozent gegenüber vergleichbaren Tagen der Vorwoche.
 

Besonders drastisch waren einzelne Preisspitzen: In Ungarn kletterten die Preise am 30. Juni auf mehr als 900 Euro pro Megawattstunde. In Frankreich wurden am 24. Juni 313 Euro/MWh erreicht, in Italien 285 Euro/MWh. 
 

Das Muster ist eindeutig: Solarstrom entschärft die Situation am Tag – aber nach Sonnenuntergang fehlt  noch Flexibilität. 


Batteriespeicher werden damit immer wichtiger

Für Ember scheint deshalb  eine der wichtigsten Antworten logisch: Batteriespeicher.
 

Sie können günstigen Solarstrom aus den Mittagsstunden aufnehmen und in den Abendstunden wieder abgeben. Damit ließe sich die zeitliche Lücke zwischen Solarstromproduktion und Stromverbrauch schließen.
 

Dazu kommen weitere Möglichkeiten wie Demand Response, also die zeitliche Verschiebung des Stromverbrauchs, sowie stärkere Stromverbindungen zwischen den europäischen Ländern.
 

Gerade Batteriespeicher könnten bei zunehmenden Hitzewellen eine doppelte Funktion erfüllen: Sie würden Solarstrom besser nutzbar machen und gleichzeitig die Abhängigkeit von teurer thermischer Stromerzeugung reduzieren.


Der Sommer 2026 liefert eine wichtige Lektion
 

Die Ereignisse dieses Sommers zeigen damit eine bemerkenswerte Entwicklung: Der Klimawandel belastet das Stromsystem,  aber erneuerbare Energien können gleichzeitig einen Teil der neuen Herausforderungen abfedern.
 

Solarenergie funktioniert besonders gut unter jenen Wetterbedingungen, die den Strombedarf in die Höhe treiben. Hitze bedeutet mehr Klimaanlagen und damit mehr Verbrauch. Sonnenschein bedeutet gleichzeitig mehr Sonnenstrom.
 

Die entscheidende Herausforderung ist nun, dieses zeitliche Zusammentreffen optimal zu nutzen. Mit mehr Speichern, flexiblen Verbrauchern und stärkeren Netzen könnte aus dem heutigen Solarboom ein noch robusteres Stromsystem entstehen.
 

 Photovoltaik allein hat Europas Stromnetz im Hitzesommer 2026 nicht  gerettet. Aber sie hat gezeigt, dass Solarenergie gerade dann besonders wertvoll ist, wenn Hitze, Dürre und steigender Strombedarf das Energiesystem an seine Grenzen bringen. Und genau solche Bedingungen dürfte es in Zukunft, durch die Auswirkungen des Klimawandels, noch häufiger geben.

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03.09.2026 | Autor*in: Doris Holler-Bruckner
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