Solar wird bis 2032 zur weltgrößten Energiequelle
London/New York – Die globale Energieordnung steht laut dem neuen New Energy Outlook 2026 von BloombergNEF (BNEF) vor einem tiefgreifenden Wandel. Geprägt von geopolitischen Schocks, steigender Stromnachfrage und rasant fallenden Kosten für saubere Technologien, könnte die Energiewende nach Einschätzung der Analysten deutlich an Fahrt gewinnen, auch aus Gründen der Energiesicherheit.
Covid-19, der Krieg in der Ukraine und zuletzt der Konflikt im Nahen Osten haben die Verwundbarkeit des globalen Energiesystems offengelegt. Genau diese Unsicherheit könnte nun zum Katalysator werden: Immer mehr Staaten versuchen, ihre Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu reduzieren und setzen verstärkt auf heimische, saubere Energiequellen.
Laut BNEF könnten Länder, die konsequent auf wirtschaftlich wettbewerbsfähige Clean-Tech setzen, nicht nur Emissionen senken, sondern auch ihre Energieversorgung langfristig stabilisieren.
Ein zentrales Ergebnis des Berichts: Die Welt tritt in eine elektrizitätsgetriebene Energieära ein. Strom deckt künftig den Großteil des neuen Energiebedarfs, angetrieben durch:
- Elektromobilität
- Rechenzentren und KI-Infrastruktur
- Bevölkerungswachstum und steigende Einkommen
- Elektrifizierung von Industrie und Gebäuden
Die globale Stromnachfrage steigt laut Prognose bis 2035 um 29 % und bis 2050 um 69 %.
Besonders dynamisch wächst der digitale Sektor: Rechenzentren verbrauchten 2025 bereits rund 500 TWh Strom – etwa 1,9 % des weltweiten Bedarfs – und könnten sich bis 2050 mehr als verdoppeln.
Die vielleicht weitreichendste Prognose: Solarenergie wird bis 2032 zur weltweit größten Stromquelle.
Getrieben wird dieser Trend durch:
- massive Überkapazitäten in der Produktion
- technologische Fortschritte
- stark sinkende Kosten
Auch Batteriespeicher erleben ein explosives Wachstum: Die Kapazität soll von 223 GW (2025) auf 3,8 TW bis 2035 steigen – ein 17-facher Anstieg.
Der Bericht betont besonders die Rolle der Energiewende für die geopolitische Stabilität. Viele importabhängige Volkswirtschaften - darunter Japan, Indien, Vietnam und die EU-Staaten - könnten ihre Ausgaben für Energieimporte deutlich reduzieren.
Während heute einige Länder noch zwischen fossilen Importen und heimischer Kohle schwanken, zeigt das Modell langfristig einen klaren Kostenvorteil für erneuerbare Energien.
Die Transformation verläuft jedoch ungleich:
- China: Strom wurde bereits 2023 dominierende Energieform, Kohle fällt bis 2050 weiter stark zurück
- Indien: Elektrizität überholt Öl und Kohle bis 2041
- Europa: Strom dominiert ab 2043
- USA: Übergang erst um 2047
Investitionsboom – aber nicht genug um Klimaziel 1,5 °C zu erreichen
2025 flossen bereits 2,3 Billionen US-Dollar in den globalen Energiesektor. Für ein Netto-Null-Szenario wären jedoch bis 2050 rund 235 Billionen US-Dollar nötig.
Trotz des massiven Kapitaleinsatzes warnt BNEF: Das 1,5-Grad-Ziel gilt inzwischen als nicht mehr erreichbar. Selbst im ambitionierten Szenario liegt die Erwärmung bei rund 1,81 °C.
BloombergNEF sieht die Welt nicht in einer fernen Energiewende, sondern mitten in einem strukturellen Umbruch. Der Trend ist klar: weg von fossilen Importabhängigkeiten, hin zu elektrifizierten, dezentraleren und zunehmend erneuerbaren Energiesystemen.
Oder, wie es ein BNEF-Experte zusammenfasst: Die Welt befinde sich in einem „Wettlauf, steigende Energienachfrage mit den effizientesten und günstigsten Technologien zu decken“.