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Simsalabim, her mit dem R E C S – Zertifikat – Atomstrom, Graustrom werden Ökostrom!

07.02.2012

Das Grünwaschen von Strom läuft wie geschmiert. Wie das Werkel läuft, sei anhand von 200 kg biologischen und nicht biologischen Äpfeln sowie zwei Landwirten erläutert.

ja © Archiv
ja © Archiv
Es waren einmal
ein Bio–Landwirt, der Bio–Äpfel produziert
ein zweiter Landwirt, ein Nicht–Bio–Landwirt, der Nicht–Bio–Äpfel produziert
Unserem Bio–Landwirt bringen die Bio–Äpfel einen besseren Verkaufspreis, solange er diese als Bio–Produkte vermarkten kann. Er kann eine Art „ideellen Bio–Mehrwert„ erwirtschaften.
Stellen wir uns vor, für die Apfelbranche sei vor 10 Jahren das BACS (Bio Apple Certificate System = Bio–Apfel–Zertifikate–System) erfunden worden.
Unser Bio–Landwirt hat sich bei BACS angemeldet. Nach bestandener Überprüfung kann er nun kilogramm–weise Bio–Äpfel bei BACS anmelden. Für jedes Kilogramm angemeldeter Bio–Äpfel wird ein Zertifikat, das den „Mehrwert„ repräsentiert, ausgestellt.
Diese Zertifikate werden von BACS pro Stück für 0,1 Cent und weniger gehandelt.
Der Öffentlichkeit ist es allerdings nicht gegönnt zu erfahren, wer welche und wieviele Zertifikate gekauft oder verkauft hat.
Ein Nachbar unseres Bio–Landwirts, ein Nicht–Bio–Apfel–Produzent, bekommt eines Tages eine Anfrage für 200 kg Bio–Äpfel. Flugs eilt unser schlauer Nicht–Bio–Landwirt zu BACS und kauft für 200 kg Äpfel Zertifikate – jene Zertifikate beispielsweise, die von seinem Bio–Nachbarn stammen.
Nun verkauft der Nicht–Bio–Landwirt 200 kg Nicht–Bio–Äpfel als astreine Bio–Äpfel mit ein paar Prozent mehr Gewinn.
Ein solches Umetikettierungs–System – im Lebensmittelhandel undenkbar – ist im Stromhandel völlig legal. Und das seit gut 10 Jahren.
Fakten:
• Dem, was in obiger Geschichte die phantastische BACS ist, entspricht in unserer Strom–Wirklichkeit das RECS (Renewable Energy Certificate System = Zertifikate–System für Erneuerbare Energien). Dieses „System„ wurde 2000 (mit Testphase) von der Europäischen Stromindustrie eingeführt.
• Gründungsmitglieder des deutschen RECS–Systems waren u. a.:
• E.ON Energie AG
• RWE Trading GmbH
• Vattenfall Europe Trading GmbH
Klingelts?
• In Norwegen, Schweden und anderswo gibt es reichlich Wasserkraftwerke, die große Mengen an Renewable Energy/Erneuerbarer Energie produzieren. Deren Betreiber lassen Strom bei RECS zertifizieren.
• Anwendungs–Beispiel: Ein österreichisches oder deutsches Energieunternehmen braucht 10.000 MW sauberen Strom.
Es kauft bei RECS für diese 10.000 MW Zertifikate von z.B. norwegischen oder schwedischen Stromerzeugern und kann damit reinen Atomstrom (etwa aus Stromtausch–Geschäften) oder zugekauften „Grau„–Strom (=Europäischer Strommix ENTSO–E) zu sauberem Strom umdeklarieren.
• Wer RECS–Zertifikate verwendet, fälscht wissentlich den Primär–Energieträger, der auf der Stromrechnung ausgewiesen werden muss. Damit wird die Stromkennzeichnung ad absurdum geführt.
• RECS dient nicht der Förderung von Erneuerbaren Energien. Preis für 1 kWh: 0,1 Cent abwärts.
• RECS ist nicht transparent, arbeitet hinter verschlossenen Türen. In Österreich: Die Strom–Nachweis–Datenbank unter stromnachweis.at ist nicht öffentlich.
• RECS zwingt nicht zur Offenlegung der tatsächlichen physischen Herkunft des Stroms.
• RECS dient dazu, nach Belieben Atomstrom, Strom aus fossilen Energieträgern oder Graustrom (=ENTSO–E–Strom, ehemals UTCEStrom) sauber zu waschen.
• Beispiele:
Kassel (D): http://www.heise.de/tp/artikel/26/26671/1.html
Innsbruck (A): http://www2.ikb.at/geschaeftsbereich/strom/service_info/labelin
g_stromkennzeichnung/index.php
Dem steht gegenüber:
• Die Kunden haben ein Recht darauf zu erfahren, woher ihr Strom kommt und wohin ihr Geld fließt.
• Sauberer Strom (Ökostrom, Grünstrom) braucht richtige Herkunftsgarantien, keinen Etiketten–Schwindel.
• Solide Ökostromhersteller verzichten auf RECS – weil sie diese ganz einfach nicht brauchen.
• RECS–Zertifikate werden von Stromanbietern zugekauft, die selbst nicht genug sauberen (grünen) Strom herstellen können.
Darum:
• Öffentlicher Zugang zu den RECS–Datenbanken
• Offenlegung der tatsächlichen physischen Herkunft des Stroms im Sinne einer lückenlosen Rückverfolgung des Stroms bis zum Primärenergieträger
Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Atomkraftfreie Zukunft, www.afaz.at
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07.02.2012 | Gastautor*In: Hermann Ölberg
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