Sensation auf der Donau: Erstmals erfolgreiche Nachzucht des seltenen Sternhausen-Störs
Wien - Die Donau schreibt ein neues Kapitel im Artenschutz: Erstmals ist es dem internationalen Projekt LIFE-Boat4Sturgeon gelungen, Sternhausen-Störe erfolgreich nachzuzüchten. Der Zuchterfolg gilt als wissenschaftlicher Durchbruch und stärkt die Hoffnung, die stark bedrohten Donaustöre langfristig wieder in ihren natürlichen Lebensraum zurückzubringen.
Vorgestellt wurde der Meilenstein anlässlich des Danube Day von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wasserwirtschaft. Hinter dem Projekt stehen unter anderem das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz (BMLUK), die BOKU University, viadonau und die Stadt Wien.
Eine der schwierigsten Aufgaben im Artenschutz
Die Nachzucht des Sternhausen zählt zu den größten Herausforderungen in der Störforschung. Weibliche Tiere bilden nur alle zwei bis vier Jahre Eier aus, weshalb die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Entwicklung über lange Zeiträume intensiv beobachten und den optimalen Zeitpunkt für die Fortpflanzung exakt bestimmen müssen.
Der nun erreichte Erfolg ist deshalb weit mehr als eine einzelne gelungene Nachzucht. Er belegt die hohe wissenschaftliche Kompetenz des Projekts und eröffnet neue Perspektiven für den langfristigen Erhalt dieser urzeitlichen Fischart.
Bereits mehr als 150.000 junge Störe ausgewildert
Umweltminister Norbert Totschnig bezeichnete den Erfolg als wichtigen Meilenstein für den europäischen Artenschutz. Mit der schwimmenden Aufzuchtstation auf der Wiener Donauinsel unterstütze Österreich ein europaweit einzigartiges Projekt zum Schutz einer der weltweit am stärksten gefährdeten Tiergruppen.
Bereits mehr als 150.000 junge Störe konnten im Rahmen des Projekts in die Donau entlassen werden. Ziel ist es, langfristig wieder stabile und sich selbst erhaltende Populationen in österreichischen Gewässern aufzubauen.
Das LIFE-Boat als schwimmendes Symbol für Naturschutz
Ein Herzstück des Projekts ist die MS Negrelli, ein rund 60 Jahre altes Arbeitsschiff, das zu einer modernen schwimmenden Aufzuchtstation umgebaut wurde und seit 2025 an der Wiener Donauinsel liegt.
Was einst als Steintransporter im Einsatz war, dient heute als innovatives Zentrum für den Schutz bedrohter Donaustöre. Für viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler symbolisiert das Schiff die gelungene Verbindung von Schifffahrt, Forschung und Naturschutz. Es steht für eine nachhaltige Zukunft entlang der Donau.
Erfolgsgeschichte auch beim Sterlet
Auch die Stadt Wien verweist auf bereits erzielte Erfolge im Störschutz. Laut Stadträtin Ulli Sima konnten in Österreich bereits 300.000 Sterlets ausgewildert werden. Das ursprünglich erst für 2030 gesetzte Projektziel wurde damit schon jetzt erreicht.
Zugleich entwickelt sich das LIFE-Boat selbst zu einem Publikumsmagneten: Mehr als 1.500 Besucherinnen und Besucher haben die schwimmende Aufzuchtstation bereits besichtigt und sich über den Schutz der einzigartigen Tierwelt der Donau informiert.
Hoffnung für eine uralte Fischart
Störe zählen zu den ältesten heute noch lebenden Fischarten der Erde und bevölkerten bereits die Gewässer lange vor den Dinosauriern. Durch Flussverbauungen, Lebensraumverlust und Überfischung sind ihre Bestände jedoch dramatisch eingebrochen.
Der Erfolg von LIFE-Boat4Sturgeon zeigt, dass moderne Wissenschaft, internationale Zusammenarbeit und langfristiges Engagement konkrete Ergebnisse liefern können. Die erstmalige erfolgreiche Nachzucht des Sternhausen ist darum weit mehr als ein Forschungsprojekt: Sie ist ein Hoffnungsschimmer für den Erhalt einer einzigartigen Art und damit auch für die ökologische Zukunft der Donau.