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Schweizer AKW bleiben auf Russland angewiesen

09.06.2026

Auch vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist die Schweizer Atomindustrie noch immer eng mit Russland verflochten.

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© Greenpeace CH

Zürich - Der Energiekonzern Axpo bemüht sich zwar darum, russisches Uran durch Lieferungen aus Kasachstan zu ersetzen. Eine neue Analyse von Greenpeace Schweiz zeigt jedoch, dass die Abhängigkeit von Russland entlang der Uran-Lieferkette nach wie vor vorhanden ist.

Die Axpo, grösster Stromversorger der Schweiz, hat dazu eine Partnerschaft mit dem kasachischen Uranunternehmen Kazatomprom abgeschlossen. Ziel der Zusammenarbeit ist, den Bezug von russischem Uran schrittweise zu reduzieren und langfristig auf russische Lieferanten verzichten zu können. Bisher stammte der Brennstoff für die beiden Reaktoren des Atomkraftwerks Beznau vollständig aus Russland, für das AKW Leibstadt etwa zur Hälfte.

Doch ein Wechsel des Herkunftslandes allein genügt nicht, um die Verbindung zu Russland zu kappen. Nach Einschätzung von Greenpeace bleibt der staatliche russische Atomkonzern Rosatom ein zentraler Akteur in der Versorgung der Schweizer Kernkraftwerke.

„Die Realität der Atomindustrie in der Schweiz ist: Trotz der Erklärungen der Axpo sind wir für das in unseren AKW verwendete Uran weiterhin von Russland abhängig“, sagt Florian Kasser, Nuklearexperte bei Greenpeace Schweiz. „Die Atomkraftwerke Beznau und Leibstadt werden auch in den kommenden Jahren beim Transport und bei der Anreicherung ihres Brennstoffs auf Rosatom angewiesen sein.“
 

Transportwege führen über Russland

 

Ein wesentlicher Grund für diese Abhängigkeit liegt in den internationalen Transportwegen. Der grösste Teil des in Kasachstan geförderten Urans wird über russisches Territorium transportiert. Die Lieferungen gelangen über eine von Rosatom kontrollierte Route nach St. Petersburg und werden dort auf Schiffe für den Weitertransport in westliche Staaten verladen.
 

Zwar existiert mit der Transkaspischen Internationalen Transportroute (TITR) eine Alternative. Diese gilt jedoch als logistisch anspruchsvoll und geopolitisch unsicher. Daher wird der überwiegende Teil des kasachischen Urans weiterhin über Russland abgewickelt. Für die Schweizer Atomkraftwerke bedeutet dies, dass selbst Uran aus Kasachstan auf russische Infrastruktur und russische Unternehmen angewiesen bleibt.
 

Russische Verflechtungen in der Verarbeitung

 

Hinzu kommt die besondere Struktur des globalen Uranmarktes. Uran wird nach dem Abbau in verschiedenen Schritten verarbeitet, unter anderem in Konversions- und Anreicherungsanlagen. Dabei werden Lieferungen unterschiedlicher Herkunft häufig vermischt und gemeinsam bearbeitet. Eine lückenlose Rückverfolgung des Materials ist dadurch kaum möglich.
 

Laut Greenpeace arbeiten mehrere Verarbeitungsanlagen, die auf der Lieferantenliste der Axpo stehen, auch mit Uran aus Russland oder mit Lieferungen von Rosatom. Die internationalen Lieferketten der Atomindustrie sind derart verflochten, dass russische Rohstoffe und Dienstleistungen weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
 

Diese Bedeutung Russlands für den globalen Uranmarkt erklärt auch, weshalb seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine bislang kein westliches Land umfassende Sanktionen gegen Rosatom verhängt hat. Die Atombranche vieler Staaten ist in wichtigen Bereichen weiterhin auf russische Dienstleistungen und Lieferungen angewiesen.
 

Forderung nach erneuerbaren Energien

 

Für Greenpeace zeigt die aktuelle Situation die grundsätzliche Problematik der Atomenergie auf. Statt die energiepolitische Unabhängigkeit Europas zu stärken, schaffe sie neue Abhängigkeiten von autoritären Regimen.

„Die Atomenergie treibt uns in die Fänge Russlands, statt uns von Putin zu befreien“, sagt Florian Kasser. „Nur ein Übergang zu einer Energieversorgung, die vollständig auf erneuerbaren Energien basiert, ermöglicht es uns, in der Energieversorgung unabhängig und souverän zu werden.“
 

Die Debatte um die Versorgung der Schweizer AKW macht deutlich: Auch wenn das Uran künftig nicht mehr direkt aus Russland stammt, bleibt die russische Atomindustrie ein entscheidender Faktor in der nuklearen Lieferkette. Von einer vollständigen Unabhängigkeit kann derzeit keine Rede sein.

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