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Schweiz: Neues Atomkraftwerk weit teurer als erneuerbare Energien

20.07.2026

Erneuerbare bleiben wirtschaftlich im Vorteil- Neues Atomkraftwerk nur mit staatlicher Milliardenhilfe finanzierbar

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© Ulrike Leone auf pixabay / Atomkraftwerk

Eine neue Studie zum Bau eines Atomkraftwerks in der Schweiz zeigt: Zwar könnte ein neuer Reaktor die Winterstromversorgung verbessern, wirtschaftlich tragfähig wäre das Projekt aber nur mit massivster staatlicher Unterstützung. Gleichzeitig kommen unabhängige Experten zu dem Schluss, dass ein Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien unter den heutigen Bedingungen die kostengünstigere Lösung bleibt.
 

Die im Auftrag des Wirtschaftsverbands Economiesuisse erstellte Studie geht davon aus, dass ein neuer Reaktor ab 2050 rund 12,1 Terawattstunden Strom pro Jahr liefern und damit die Winterstromimporte der Schweiz verringern könnte. Die Investitionskosten werden allerdings auf rund 17,25 Milliarden Schweizer Franken geschätzt.

Entscheidend ist und bleibt jedoch die Finanzierung: Laut Studie wären die Stromgestehungskosten mit 115,5 Franken pro Megawattstunde deutlich höher als der erwartete Marktpreis von 64 Franken. Um den Betrieb also wirtschaftlich zu machen, wären jährliche staatliche Zuschüsse von rund 625 Millionen Franken sowie eine Beteiligung des Staates an der Finanzierung erforderlich.
 

Eine unabhängige Analyse von Forschenden der ETH Zürich und des Paul Scherrer Instituts bewertet neue Atomkraftwerke deshalb deutlich kritischer. Demnach sind sie ohne umfangreiche staatliche Förderung und die Übernahme von Investitionsrisiken nicht wettbewerbsfähig. Stattdessen erweist sich eine Kombination aus Photovoltaik, Wasserkraft, weiteren erneuerbaren Energien, Speichern und grenzüberschreitendem Stromhandel als die wirtschaftlich  einfach günstigere Option.
 

Allerdings weisen die Experten darauf hin, dass die Schweiz in diesen Szenarien auch künftig im Winter auf Stromimporte angewiesen bleiben sein könnte. Klares Fazit: Neue Atomkraftwerke könnten diese Abhängigkeit zwar reduzieren, müssten jedoch mit erheblichen öffentlichen Mitteln finanziert werden.

Politisch bleibt das Thema offen: Nachdem das Schweizer Parlament das Neubauverbot für Kernkraftwerke gelockert hat, wird voraussichtlich 2027 in einem Referendum über die Zukunft der Atomenergie entschieden. Selbst bei einem Ja wäre damit allerdings noch keine Entscheidung über den Bau oder die Finanzierung eines neuen Reaktors gefallen.

«Die ETH-Studie belegt klar: Die Schweiz kann ihre Stromversorgung sichern und ihre Klimaziele erreichen – ohne neue Atomkraftwerke. Die Modelle zeigen gleich mehrere Wege zu Netto Null ohne AKW. Wasser, Sonne und zumeist Wind bilden das Fundament einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung.»


— Nils Epprecht, Geschäftsleiter Schweizerische Energiestiftung

Links

  • ETH Zürich: Wann sich neue Kernkraftwerke in der Schweiz lohnen
  • ETH-Studie zu AKW-Kosten: Stromversorgung kommt ohne neue AKW aus
  • STUDIE: Kernkraft und das zukünftige Schweizer Energiesystem: Eine technisch-ökonomische Analyse basierend auf Modellresultaten
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