Für Browser < IE 11 nicht optimiert. Verwenden Sie bitte einen aktuelleren Browser.
Skip to main content
Ökonwes
  • Sonne
  • Wind
  • Biomasse
  • Mobilität(current)1
  • Nachhaltigkeit
    • Nachhaltigkeit
    • Vernetzung
    • Wasser
    • weitere Energien
    • Ersatz fossiler Energie
    • Umweltschutz
    • Bauen
    • offene Briefe
    • Ansichtssache
    • Buch-Tipp
    • Heroes for future
    • Jobs
    • Ernährung und Gesundheit
    • Ökologisch Investieren
  1. oekonews
  2. Mobilität

Schwarm auf dem Wasser: Autonome Elektroboote sollen Berlins Straßen entlasten

03.08.2026

Pakete per Schiff statt Lieferwagen: Die TU Berlin erforscht im Projekt A-SWARM II einen neuen Ansatz für die emissionsarme Citylogistik.

newsimage425411.jpg
A-SWARM Versuchsträger Demo 1 und Demo 2 werden für Testfahrten im Berliner Westhafen vorbereitet. © Christian Kielmann
Kleine Elektroboote sollen autonom über Berlins Wasserstraßen fahren, sich zu Verbänden zusammenschließen und ihre Fracht an Umschlagpunkten an Lastenräder übergeben. 

Berlins Straßen sind voll, der Lieferverkehr wächst und Flächen für zusätzliche Logistikzentren sind knapp. Gleichzeitig verfügt die Hauptstadt über ein weit verzweigtes Netz aus Flüssen und Kanälen. Dieses könnte künftig wieder stärker für den Gütertransport genutzt werden. Genau hier setzt das Forschungsprojekt A-SWARM II der Technischen Universität Berlin an.

Die Idee: Ein Schwarm kleiner, elektrisch betriebener und autonom fahrender Wasserfahrzeuge transportiert Waren durch die Stadt. Die Boote können einzeln unterwegs sein oder sich zu größeren Verbänden koppeln. Am Ziel angekommen, trennen sie sich wieder und bringen ihre Ladung zu unterschiedlichen Umschlagpunkten.

„Berlin ist über Jahrzehnte auf dem Wasser versorgt worden. Mit A-SWARM II erforschen wir, wie diese vorhandene Infrastruktur für eine moderne, emissionsarme Stadtlogistik wieder aktiviert werden kann“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Gerd Holbach vom Fachgebiet Entwurf und Betrieb Maritimer Systeme der TU Berlin. Dabei gehe es nicht darum, den gesamten Lieferverkehr aufs Wasser zu verlagern. Gerade für die vorletzte Meile könnten die Wasserstraßen jedoch eine wichtige Entlastung darstellen.
 

Vom Paketzentrum aufs Wasser – und weiter mit dem Lastenrad

Zunächst steht der Pakettransport im Mittelpunkt. Die Sendungen sollen dabei nicht einzeln auf die Boote verladen werden. Stattdessen kommen standardisierte Wechselcontainer zum Einsatz, wie sie auch in der Lastenradlogistik verwendet werden können.

Die Container werden an einem Depot außerhalb oder am Rand der Stadt auf die Elektroboote geladen. Diese transportieren die Fracht autonom zu wassergelegenen Umschlagpunkten. Dort werden die Container an Land gebracht und von Fahrradkurieren oder anderen elektrischen Kleinfahrzeugen übernommen.

So könnte ein Teil der langen Wege zwischen Paketzentrum, Mikrohub und Zustellgebiet entfallen. Nach Berechnungen des Projekts könnten bei einem angenommenen Einzugsradius von fünf Kilometern um die Entladestellen zwischen einer und 1,8 Millionen Menschen erreicht werden.
 

Ein Bootsschwarm, der sich selbst organisiert

Das Herzstück des Projekts ist das modulare Prinzip. Die einzelnen Wasserfahrzeuge können selbstständig fahren, sich aber auch zu größeren Verbänden zusammenschließen. Auf längeren Strecken soll das Energie sparen: Eine stärkere Einheit kann den Verband schieben, während kleinere Boote mitgeführt werden.

Kurz vor dem Ziel können sich die Einheiten wieder trennen und unterschiedliche Stadtteile ansteuern. Ein Teil könnte beispielsweise Richtung Spandau fahren, ein anderer in die Innenstadt und ein weiterer nach Köpenick. Später könnten die Boote wieder zusammenfinden.

Damit dieses Konzept funktioniert, müssen die Fahrzeuge autonom navigieren, Hindernisse erkennen und untereinander kommunizieren. Besonders anspruchsvoll ist das automatische Koppeln. Dafür wird unter anderem ein magnetisches Kopplungssystem erprobt.

„In der klassischen Binnenschifffahrt geht jemand mit dem Tau an den Poller. Bei A-SWARM II muss dieser Vorgang automatisch funktionieren“, sagt Holbach. Das betreffe nicht nur das Fahren, sondern auch Koppeln und Entkoppeln, Energiemanagement und den sicheren Umgang mit der Ladung.
 

Autonome Logistik braucht automatischen Umschlag

Eine weitere Herausforderung ist das Be- und Entladen. Denn ein autonom fahrendes Boot bringt wenig, wenn am Ufer weiterhin aufwendige manuelle Arbeit notwendig ist.

Deshalb entwickelt das Projektteam auch Konzepte für eine automatisierte Umschlagstation. Die notwendige Technik,  von Sensorik und Greifsystemen bis hin zu möglicher Ladeinfrastruktur,  soll in einen 20-Fuß-Container integriert werden.

Die Lösung könnte flexibel einsetzbar sein und vergleichsweise wenig feste Infrastruktur am Ufer benötigen. Das ist gerade für Berlin interessant, wo viele frühere Umschlag- und Gewerbeflächen inzwischen für Wohnungen, Grünanlagen oder Freizeitangebote genutzt werden.
 

Vom Paket bis zum Müll

Die Einsatzmöglichkeiten könnten über den Paketversand hinausgehen. Unterschiedliche Güter stellen allerdings unterschiedliche Anforderungen an Transport und Ladungssicherung. Getränke, Lebensmittel, Abfälle oder andere Waren benötigen jeweils eigene Konzepte für Hygiene, Kühlung, Sicherung und Beladung.

Auch die Energieversorgung ist Teil der Forschung. Untersucht wird, wie hoch der tatsächliche Energiebedarf im Alltag ist und ob dezentrale Ladepunkte entlang der Wasserstraßen sinnvoll wären oder die Akkus für einen gesamten Betriebstag ausreichen.

Eine digitale Plattform soll künftig den gesamten Betrieb koordinieren. Sie könnte erfassen, wo sich die einzelnen Boote befinden, wie viel Energie sie noch haben, ob Wartungsbedarf besteht und welches Fahrzeug für welchen Transportauftrag am besten geeignet ist.
 

Reallabor für die Citylogistik der Zukunft

Die Boote werden derzeit im Berliner Westhafen erprobt. Schritt für Schritt lernen sie, autonom zu navigieren, Hindernissen auszuweichen und sich miteinander zu koppeln. Bis zum Projektende 2027 soll demonstriert werden, wie autonome Fahrt, automatisierter Umschlag und Paketlogistik zu einem funktionierenden Gesamtsystem verbunden werden können.

A-SWARM II baut auf dem Vorgängerprojekt A-SWARM auf und nutzt Synergien mit DigitalSOW, einem Projekt zur Digitalisierung und Automatisierung der Spree-Oder-Wasserstraße. Auch Erfahrungen aus der Praxis fließen ein: So sammeln Unternehmen bereits Erfahrungen mit elektrischen und solargestützten Schiffen für den Pakettransport in Berlin.

Noch sind allerdings technische und rechtliche Fragen offen. Während für autonome Fahrzeuge auf der Straße erste regulatorische Rahmenbedingungen bestehen, steht die autonome Binnenschifffahrt im urbanen Raum noch am Anfang.

Für die Forschenden geht es deshalb um mehr als ein neues Transportsystem. Es geht um die Frage, wie Städte ihre vorhandene Infrastruktur angesichts wachsender Lieferverkehre besser nutzen können.

„Wer in der Stadt wohnt, konsumiert auch – und was konsumiert wird, muss transportiert werden“, sagt Holbach. „Wenn wir die Straßen entlasten, Emissionen reduzieren und Logistikflächen effizienter nutzen wollen, müssen wir alle vorhandenen Verkehrswege neu denken. Das Wasser gehört dazu.“
 

Der „Schwarm auf dem Wasser“ könnte damit künftig eine neue Rolle in der urbanen Logistik übernehmen: elektrisch, flexibel und autonom und  dort unterwegs, wo heute vor allem Ausflugsschiffe und Freizeitboote das Stadtbild prägen.

newsimage425412.jpg
Die LiDAR-Sensoren im A-SWARM2-Projekt dienen der automatisierten Hinderniserkennung und Distanzbestimmung. Auf Basis dieser Informationen legt das Fahrzeug seinen Weg um die Hindernisse selbstständig fest. © Christian Kielmann

Links

  • A-SWARM II: Autonome elektrische Schifffahrt auf Wasserstraßen in Metropolregionen
  • Drucken
  • Empfehlen
03.08.2026 | Autor*in: Doris Holler-Bruckner
Zum vorigen Artikel voriger Artikel

Neue Standards bringen V2G-Markt entscheidend voran 

Zum nächsten Artikel nächster Artikel

E-Auto-Laden könnte deutlich teurer werden: BEÖ warnt vor neuen Netztarifen

oekonews

Tageszeitung für Erneuerbare Energie und Nachhaltigkeit. Samstag, 15. August 2026, 69.913 Artikel Online

Weitere Themen

  • Österreich radelt,  aber nicht überall gleich: Vorarlberg und Salzburg sind Fahrrad-Bundesländer
  • Verbrenner verschrotten - und zwar früher: Studie stellt bisherige Annahmen auf den Kopf
  • ÖBB Postbus testet vollautomatisierten E-Bus im öffentlichen Verkehr
  • Frankreich: Elektroautos erreichen im Juli Rekordanteil
  • Xpeng soll die CO₂-Bilanz von Porsche retten
  • 10.000 Elektrobusse in Lateinamerika: Ein Turbo für die Verkehrswende
  • Mit dem E-Auto durch Europa: So gelingt die Urlaubsreise ohne Ladefrust
  • Plenitude eröffnet neuen Ultraschnellladehub in Hallein
  • Lobau brennt, Wien schwitzt - aber Bürgermeister Ludwig hält am Tunnel fest
  • Strom, der verpufft
  • zum ersten Set
  • zurück zum vorigen Set
  • 1(current)
  • 2
  • 3
  • weiter zum nächsten Set
  • zum letzten Set
11.794 Artikel | Seite 1 von 1.180

Newsletter

zur Anmeldung

Termintipp

Termin-Tipp buchen

Oekotermine

Werben auf oekonews

Direkt an der Zielgruppe

Wichtiger Artikel

STUDIE: Ohne Energiewende mehr Rohstoffverbrauch
  • Suche
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Über oekonews
  • Haftung
  • RSS
© 2026 oekonews.at
newsimage425411.jpg

A-SWARM Versuchsträger Demo 1 und Demo 2 werden für Testfahrten im Berliner Westhafen vorbereitet. © Christian Kielmann

newsimage425412.jpg

Die LiDAR-Sensoren im A-SWARM2-Projekt dienen der automatisierten Hinderniserkennung und Distanzbestimmung. Auf Basis dieser Informationen legt das Fahrzeug seinen Weg um die Hindernisse selbstständig fest. © Christian Kielmann